Kunstvolle Servietten

© Mattheas Verlag
Aktualisiert am: 09.12.2011
Nützliches in schöner Form
Sie ist ein Muss der gepflegten Tisch- und Esskultur und darf bei keinem Dinner fehlen: die Serviette. Es gibt sie in zahlreichen Farben, Mustern, Größen und Qualitäten. Kunstvoll gefaltet verwandelt sie jeden Tisch in eine festliche Tafel. Dass formvollendetes Serviettenfalten gar nicht so schwierig ist, beweist Horst Hanischs Buch "Kunstvolle Servietten". Mit großformatigen Fotos und übersichtlichen Schritt-für-Schritt-Anleitungen können selbst Ungeübte kleine Kunstwerke aus quadratischen Stoffservietten machen.
Autorin: Rosi Dorudi
In Zeiten, in denen das gemeinsame Kochen und Essen mit Familie, Freunden und Bekannten an einem schön gedeckten Tisch eine Renaissance erleben, ist das kunstvolle Falten von Servietten ebenfalls wieder stark in Mode.
Der Begriff Serviette leitet sich vom lateinischen "servus" ab, was in seiner Übersetzung soviel wie "Diener" bedeutet. Schon die Römer bedienten sich also einer Serviette, um ihre Münder nach dem Essen damit zu säubern. War es damals üblich, dass jeder Gast seine eigene mitbrachte, verschwand der Brauch im Mittelalter wieder, wo es nicht einmal Teller gab und man sich lieber mit dem Handrücken oder einem Stück Brot den Mund abwischte. Die Serviette wie wir sie heute kennen taucht im 16. Jahrhundert auf. 1530 vermerkte der holländische Philologe und Philosoph Erasmus in seinen Benimm-Buch: "Die Serviette sollte über der linken Schulter liegen und vor dem Trinken zum Abtupfen des Mundes benutzt werden."
Italien: Wiege der Faltkunst
Erste schriftliche Aufzeichnungen über gefaltete Servietten überliefert Domenico Romoli in seinem 1560 in Venedig veröffentlichten Text "La Singolare dottrina" ("Die einzig wahre Lehre"), in dem er das Falten von Servietten und Tischtüchern recht bildhaft beschreibt. 1692 deklarierte der französische Meisterkoch François Pierre de La Varenne in seinem Buch "Der wahre Französische Koch" die Grundlagen des Serviettenfaltens. Mithilfe seiner einfachen Techniken ließen sich bereits zahlreiche Figuren falten. Wurde seinerzeit das Serviettenfalten bei großen Anlässen und Festmahlen nur von wirklichen Spezialisten ausgeübt, kann heute jeder Gastgeber diese dekorative Kunst erlernen.
Perfekt in Form: gestärkt und gebügelt
Profis sprechen übrigens vom "Servietten brechen", da der Stoff gut gestärkt sein sollte, um sie exakt falten zu können. Am besten halten die Figuren, wenn man sie nach jedem Faltvorgang nochmals bügelt. Natürlich kann man auch Papierservietten, die es heutzutage bereits in hochwertigen Ausführungen gibt, verwenden. Stilvoller sind jedoch Stoffservietten aus Baumwolle, feinem Leinen oder Damast.
Eine ausführliche Anleitung zum kunstvollen Serviettenbrechen findet sich in dem anspruchsvoll gestalteten Buch "Kunstvolle Servietten", in dem Gastronomieprofi Horst Hanisch seine Leser in die Kunst des Faltens einweiht. Die Palette seiner 65 Serviettenformen reicht von schlichten Figuren wie Tüten und Rollen bis hin zu aufwändigen Schmuckservietten in Form von Schmetterlingen und Lilien. Schritt-für-Schritt-Anleitungen und großformatige Fotos mit den fertigen Serviettenformen erleichtern das Nachmachen der dekorativen Kreationen, die den Gästen sicherlich so manches "Oh!" entlocken werden. Unser Tipp: Üben Sie das Falten vorher mit einem Stück Papier, das schont die feinen Servietten und Ihre Nerven!
Kleiner Servietten-Knigge
Nehmen Sie nach dem Platznehmen am Tisch die Serviette und falten Sie diese in der Mitte zu einem Rechteck um. Legen Sie die Serviette nun mit der offenen Seite zum Körper auf die Oberschenkel. Beim Essen werden die Lippen mit der Innenseite des oben liegenden Serviettenteils dezent abgetupft. Derbes Abwischen oder Abreiben des Mundes wirkt ungehobelt und ist alles andere als elegant. Klappen Sie nach Verwenden der Serviette den oberen Teil wieder nach innen zusammen. So bleiben die Flecken von Speiseresten unsichtbar im Inneren der Serviette zurück und die Kleidung wird dabei auch nicht beschmutzt. Denken Sie auch daran, vor jedem Griff zum Weinglas die Lippen mithilfe der Serviette von Fettrückständen zu befreien, so bleibt der Glasrand appetitlich sauber. Und bevor man ein Gespräch mit den Tischnachbarn beginnt, entfernt die Serviette alle noch so kleinen Krümel.
Der Autor
Horst Hanisch hat sich nach mehrjähriger, leitender Tätigkeit in Hotels in Deutschland, der Schweiz und in Asien als Fachbuchautor und Dozent selbstständig gemacht. Er ist Mitglied der Gastronomischen Akademie Deutschlands und des Verbandes der Serviermeister und Restaurantfachkräfte.
Horst Hanisch
Kunstvolle Servietten
Matthaes Verlag
136 Seiten
ISBN: 978-3-87515-004-9 32
Preis: 32,90 €
Tischkultur
Tisch decken
Wie im Haubenlokal: Richtig aufgedeckt für das festliche Essen.
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