Geschmackssache

Kind isst Melone

Aktualisiert am: 28.09.2009

Was wir öfter kosten, schmeckt

"Was, das schmeckt dir? Das könnte ich niemals essen." Wem was mundet, ist ein beliebtes Unterhaltungsthema der leichteren Sorte. Ernsthaft untersucht hat die Frage, wieso sich die Geschmäcker derart unterscheiden, die Wiener Ernährungswissenschafterin Eva Derndorfer. In ihrem Buch "Warum wir essen, was wir essen" zeigt Derndorfer, dass man etwas nur oft genug kosten muss, dann schmeckt es uns auch. Wecarelife interviewte die Autorin.

Interview: Andrea Krieger

Sie haben sich in Ihrem Buch damit beschäftigt, woher der Geschmack kommt. Wie lautet die kürzeste Antwort darauf?

Eva Derndorfer: Was wir gerne essen, hängt von vielen Faktoren ab. Eine wichtige Rolle spielt die Gewohnheit, aber auch das Alter, die Gene, das Geschlecht, Kulturkreis und Region, Stress, Sport, Restriktionen, das soziale Umfeld und etwaigen Krankheiten sind mit ausschlaggebend. Ebenfalls relevant ist, was die Mutter in der Schwangerschaft und Stillzeit isst.

Der Geschmack wird also schon im Mutterleib geprägt?

Ja, der Fötus kann ab der 28. Schwangerschaftswoche riechen und reagiert ab der 32. auf den Geschmack von Fruchtwasser. Dorthin gelangen manche Aromastoffe aus der Nahrung der Mutter und werden vom Fötus geschluckt.

Wie geht es dann weiter? Welche Rolle spielt die Erziehung?

Die Erziehung ist schon wegen der Vorbildrolle der Eltern wichtig, die vor allem bei Gemüse nicht zu unterschätzen ist.

Wieso hassen dann so viele Erwachsene mit Verweis auf ihre Kindheit Spinat?

Wurde man als Kind gezwungen, etwas zu essen oder auch nur zu kosten, ist diese Speise negativ besetzt. Besser ist wiederholtes Anbieten ohne Zwang.

Kann man Kinder zu zuckerfreier Ernährung erziehen?

Das bringt meist wenig. Das soziale Umfeld lebt ja auch nicht zuckerfrei. Wenn es zu Hause kaum Zucker gibt, kann Süßes dadurch sogar umso interessanter werden.

Was ist vor der Erziehung schon da: Welche Rolle spielen die Gene?

Die Gene sind einer der Gründe, warum die sensorische Wahrnehmung und damit auch die Vorlieben unterschiedlich sind. Es gibt aber weder ein Wienerschnitzel-Gen, noch wird man als Vegetarier geboren. Sich nur auf die Gene auszureden, macht also keinen Sinn. Die Macht der Gewohnheit ist sehr groß und damit auch die Möglichkeit, sich an gesunde Kost zu gewöhnen.

Die erste Zigarette oder der erste Alkohol schmecken kaum jemand. Wieso ist Österreich trotzdem kein Volk von Anti-Alkoholikern und Nichtrauchern?

Sobald wir etwas probiert und gut vertragen haben, verändert sich die Einstellung dazu. Was man freiwillig öfter kostet, mag man dann meist. Dafür ist auch die Olive ein Beispiel, oder Kaffee: Den wenigsten schmeckte die erste Tasse.

Wieso belässt man es dann nicht dabei?

Bei Kaffee kann Koffein die anfängliche Motivation sein, und nach ein paar Tassen schmeckt er dann auch. Auch das soziale Umfeld bzw. bestimmte Situationen können dazu beitragen, etwas wiederholt zu kosten. Bei Jugendlichen spielen Vorbilder und der Bekanntenkreis eine Rolle.


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