Mythen über Alkohol

Aktualisiert am: 13.09.2010

Falsche Volksweisheiten über Alkoholkonsum

Wahr oder nicht wahr? Was Sie über verbreitete Tipps und Ratschläge zum Trinken wissen sollten.

Der Experte Univ.-Prof. Prim. Dr. Reinhard Haller warnt: Die meisten der gängigen Mythen zum Thema Alkohol sind bestenfalls Märchen. Das Problem dabei: Immer wieder verlassen sich Menschen auf diese "Volksweisheiten" und bringen sich und andere damit in Gefahr. Hier eine Auswahl der gängigsten und gefährlichsten Alkohol-Mythen.

Wenn ich viel und fett esse, vertrage ich mehr Alkohol

Das ist falsch. Reichhaltiges Essen verzögert zwar die Aufnahme von Alkohol ins Blut, zu guter Letzt kommt der getrunkene Alkohol aber doch dort und damit im Gehirn an. "Wer vor dem Trinken viel isst, erreicht also nur, dass die Promille langsamer steigen. Keinesfalls sollte man sich auf die "gute Unterlage" verlassen, wenn es ums Autofahren geht!" warnt Univ.-Prof. Prim. Dr. Reinhard Haller, der Chefarzt der Stiftung und Leiter des Krankenhauses Maria Ebene.

Mit Bewegung kann ich den Alkohol wieder ausschwitzen

Stimmt nicht. "Alkohol kann man nicht durch Bewegung, also zum Beispiel beim Tanzen, ausschwitzen", so Prof. Haller. "Den Abbau des Alkohols übernimmt zu 95 Prozent die Leber und die hat's nicht eilig:
Pro Stunde werden durchschnittlich etwa 0,1 bis 0,2 Promille abgebaut." Die maximal 5 Prozent Alkohol, die tatsächlich über die Haut abgegeben werden können, spielen in der Praxis keine Rolle. Auch andere Brachialmethoden, wie zum Beispiel eine kalte Dusche, sind wirkungslos und verbessern höchstens die subjektive Form.

Kaffee macht nüchtern

Auch falsch. Prof. Haller: "Möglicherweise fühlt man sich dank der aufputschenden Wirkung des Koffeins nach einem Kaffee subjektiv frischer, am langsamen Alkoholabbau durch die Leber und der eingeschränkten Reaktionsfähigkeit ändert das nichts." Das Gleiche gilt übrigens auch für Energy-Drinks und für verschiedene "Wundermittel", die den Alkoholabbau beschleunigen oder den Kater verhindern sollen. Für keines dieser Mittel konnte ein überzeugender wissenschaftlicher Wirkungsnachweis erbracht werden. "Und übrigens: Wer glaubt, mit einem Kaugummi oder Pfefferminzzuckerl den Alkomaten täuschen zu können, liegt weit daneben!"

Ein bisschen Schlaf und es geht schon wieder

Ein gefährlicher Irrtum. Auch im Schlaf wird nicht mehr als 0,1 bis 0,2 Promille pro Stunde abgebaut. "Mit anderen Worten" sagt Prof. Haller "es dauert zehn Stunden, bis man ein Promille sicher los ist. Und Restalkohol ist genauso gefährlich wie ein frischer Rausch." Viele Lenker sind schon in diese Falle gegangen, haben ihren Führerschein verloren oder sind im Falle eines Unfalls sogar im Gefängnis gelandet. Daher sollte man auch am Tag nach reichlichem Alkoholkonsum das Auto stehen lassen.

Alkohol hält warm

Diese Aussage stimmt ebenfalls nicht. Prof. Haller: "Alkohol erweitert die Blutgefäße, was zu einem angenehmen Gefühl von Wärme führen kann. Doch durch die Erweiterung der Gefäße fließt das warme Blut verstärkt in die Peripherie des Körpers, wo die Wärme an die Umgebung abgegeben wird." Pro halbe Flasche Wein - also 50 Gramm Alkohol - sinkt die Körpertemperatur um ein halbes Grad. Wer glaubt, sich im Winter mit Alkohol warm halten zu können, liegt also weit daneben.

Alkohol ist gut für den Schlaf

Auch falsch. Alkohol dämpft und betäubt. Das führt zwar dazu, dass man unter Alkoholeinfluss leichter einschläft, doch ist Alkohol auch schlecht für die Schlafqualität. Am nächsten Morgen ist man dann schlechter ausgeschlafen und weniger erholt. Die Störung des gesunden Schlafes ist auch an der Entstehung der Kater-Symptome beteiligt. "Wer glaubt, Schlafprobleme mit Alkohol bekämpfen zu können, riskiert übrigens, rasch süchtig zu werden" warnt Prof. Haller.

Doch einer der zahlreichen Alkohol-Mythen ist leider richtig:

Alkohol tötet wirklich Gehirnzellen. Alkohol ist ein Nervengift und man schätzt, dass pro Rausch 20.000 bis 30.000 Gehirnzellen verloren gehen. Zusätzlich stört Alkohol die Kommunikation zwischen den Nervenzellen, was sich negativ auf Konzentration und Gedächtnis auswirkt.

(Quelle: Fonds Gesundes Österreich)


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