Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Autorin: Mag. Sonja Tautermann

Aktualisiert am: 29.08.2011

Allergie oder Intoleranz?

Bei Beschwerden nach dem Essen denkt bereits jeder Dritte an eine Nahrungsmittelallergie. Betrachtet man die tatsächlichen Zahlen, ist eine echte Allergie auf Lebensmittel jedoch sehr selten. Leider ist die Diagnose von Allergien und Unverträglichkeiten auf Nahrungsmittel immer noch sehr schwierig.

Unruhe im Bauch, Hautjucken, Kopfschmerzen … viele halten eine Allergie auf ein Nahrungsmittel für den Übeltäter. Doch "echte" Nahrungsmittelallergien sind nicht besonders häufig. So haben nur zwei bis drei Prozent der Erwachsenen eine diagnostizierte klassische Lebensmittelallergie, die sich auch mittels sogenannter igE-Antikörper im Blutbild nachweisen lässt. Bei Kindern liegen die Zahlen mit sechs bis acht Prozent höher.

Hauptübeltäter für Nahrungsmittelallergien sind laut Dr. Stefan Wöhrl Kuhmilch, Ei, Soja, Weizen, Erdnuss, Fisch und Baumnüsse. Der Oberarzt der Universitätsklinik für Dermatologie an der Medizinischen Universität Wien erklärte anlässlich der VEÖ-Tagung "Allergisch oder intolerant": "Während 80 Prozent der Kinder ihre Kuhmilch-, Ei-, Soja- oder Weizenallergie bis zum fünften Lebensjahr spontan verlieren, bleiben Erdnuss- und Fischallergie typischerweise ein lebenslanges Problem", ergänzt Wöhrl.

Bei Erwachsenen dominieren hingegen sekundäre Allergien, vor allem Pollenallergien. So treten beispielsweise Unverträglichkeitsreaktionen auf die Pollen von Steinfrüchten und Nüssen bei Patienten mit einer Birkenpollenallergie auf. Typische Symptome: vom juckenden Gaumen bis zum Anschwellen der Lippen.

Kein Gesamttest möglich

Die Diagnostik einer Unverträglichkeit auf ein Nahrungsmittel ist nicht einfach. Allergien vom Soforttyp treten bis zu zwei Stunden nach dem Verzehr des Allergens auf. Allergien vom verzögerten Typ können sich hingegen auch erst 24 Stunden später bemerkbar machen. "Wir haben keine ausreichend gute Diagnostik, die alle Beschwerden, die ein Patient hat, beantworten könnte. Die Diagnose hilft nur einer bestimmten Patientengruppe", verdeutlicht Prof. Szepfalusi das Problem. Bei einem Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie ist kein Suchtest, nach dem Motto "Ich lasse mich auf alle Nahrungsmittel testen und erkenne daraus, was ich nicht vertrage", möglich, verdeutlicht Prof. Christof Ebner, Leiter des Ambulatoriums für Allergie und klinische Immunologie in Wien.

Von immer wieder angebotenen igG-Tests (z.B. igG/G4) raten alle Experten der Tagung ab. Diese Screening-Tests versprechen eine Abklärung von bis zu 300 Lebensmitteln auf einmal per Bluttest, die teilweise über das Internet, aber auch über Ärzte angeboten werden. Der Nachweis von lebensmittelspezifischen igG/G4-Antikörpern lasse aber keinerlei Rückschlüsse auf eine Lebensmittelallergie oder -unverträglichkeit zu, sagt Ernährungsberaterin Ute Körner.  


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