Probiotika

Aktualisiert am: 02.05.2011

Vom Leben im modernen Joghurt

Aus den Kühlregalen der Supermärkte sind Probiotika nicht mehr wegzudenken und in der Reklame wurden sie die längste Zeit angepriesen wie ein neuer Messias. Was aber können sich die Konsumenten von Probiotika tatsächlich erwarten?

Autorin: Andrea Krieger

Glaubt man der Werbung, gibt es ein Leben vor und eines seit dem Verzehr probiotischen Joghurts. Da schildern etwa erleichterte Frauen, die mit Sicherheit keine Models sind, dass sie endlich ihren Blähbauch los sind. Da schwärmen Personen über ihre Verdauung und betonen, ­um wie viel wohler sie sich dank des beworbenen Produkts fühlen. Da wird auf wissenschaftliche Untersuchungen verwiesen und – das gab's bisher noch nie in der Lebensmittelwerbung – sogar eine ­Geld-zurück-Garantie angeboten.

Fakt ist, dass der Darm einen gewaltigen Einfluss auf unsere Gesundheit, unser Immunsystem und Wohlbefinden hat. Vieles steht und fällt damit, ob sich im Dickdarm tatsächlich genügend "gute" Bakterien tummeln, welche die schädlichen Keime in Schach halten. Hier sollen Probiotika nachhelfen. Darunter versteht man lebensfähige Mikroorganismen wie etwa Milchsäurebakterien (Laktobazillen) oder auch einzellige Pilze. Bakterien, die robust genug sind, um die Verdauungsprozesse in Magen und Dünndarm heil zu überstehen, mussten allerdings erst entwickelt werden – und landeten in Milchprodukten.

Risiko für Patienten mit immunsuppressiver Therapie

Die Freude der Experten darüber ist geteilt. Die einen halten die jüngste Joghurt-Generation für eine Bereicherung, die anderen für überflüssig oder zumindest nicht wirksamer als die wesentlich preiswerteren Joghurts herkömmlicher Machart. "Hilft's nicht, so schadet's nicht", mag mancher probierfreudige Konsument denken. Doch selbst das stellte kürzlich ein Fachmann infrage. So ­sagte Maximilian ­Ledochowski, Tiroler Internist und Spezialist für Ernährungsmedizin in der Tagesteitung "Standard": "Vor allem bei Patienten, die wegen einer Krebserkrankung, Autoimmunkrankheit oder nach einer Transplantation eine immunsuppressive Therapie erhalten, dürfen die Risiken nicht unterschätzt werden." Probiotika hätten medikamentenähnlichen Charakter und gehörten nicht in die Nahrung. Es habe schon seinen Sinn, dass die Magensäure Bakterien abtötet. "Wenn jetzt Lebensmittelhersteller die probiotischen Keime so herstellen, dass diese die Magensäure überleben, dann geht von diesen Bakterien eine Gefahr aus."

Positive Bewertung von Probiotika durch DGE

Wie konträr ist da die Haltung der ­Deutschen Gesellschaft für Ernährung (­DGE), der Instanz in Ernährungsfragen. Im letzten Ernährungsbericht heißt es, dass Probiotika "teilweise schon seit Jahrzehnten verzehrt werden, ohne dass negative Auswirkungen beobachtet worden sind.­" Die Keime seien "selbst bei langfristigem Konsum völlig sicher". Dies gelte auch für Krebskranke, die durch die Chemo- oder Strahlentherapie mit Durchfall kämpfen und Menschen, die das Immunsystem unterdrückende Medikamente einnehmen müssen. Wenn auch die Wirkung in diesem Fall offen sei.


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