Das Leben verdauen

Wenn das Leben auf den Magen schlägt

Den eigenen Rhythmus finden

Links und Buchtipp

Wir tun mehr, als wir verdauen können. Wir haben es satt. Etwas schlägt uns auf den Magen. Unsere Sprache zeigt uns bildlich sehr schön Zusammenhänge zwischen der Verdauung und unserem Leben auf. Dennoch kommen viele gar nicht auf die Idee, die Wurzeln von chronischen Magen- und Darmerkrankungen in ihrem individuellen Lebensalltag zu suchen.

Die Diagnose einer lebenslangen chronischen Erkrankung wie Zöliakie oder Morbus Crohn ist für die Betroffenen ein Schock. Viele fühlen sich ohnmächtig, der Krankheit ausgeliefert und möchten verzweifelt den Zustand vor ihrer Krankheit herstellen. Einfach ein paar Pillen schlucken und alles soll wieder gut sein. Denn der Ansicht, dass uns unsere Krankheit etwas sagen möchte, stehen viele Menschen extrem kritisch gegenüber.

Verdauungsprobleme ganzheitlich betrachtet

"Sag du es ihm", sagte die Seele zum Körper, "auf mich hört er nicht." Für Susann Sontag, Autorin des aktuellen Ratgebers "Wenn das Leben auf den Magen schlägt", ist das jedenfalls ein sehr stimmiger Satz. Als psychologische und Ernährungsberaterin sowie Heilpraktikerin für Psychotherapie hat sie nicht nur bei Ihren Klienten, sondern auch am eigenen Leib erfahren, dass chronische Magen- und Darmerkrankungen häufig ein Hilferuf des Körpers sind. Dass es also im Leben des Betroffenen nicht mehr so weitergehen kann wie bisher.

"Wo man Ernährungsprobleme nicht eingebettet in das Leben des Patienten sieht, behandelt man zum Beispiel eine Gastritis immer nur symptomatisch. Das kann ich über Jahre und Jahrzehnte tun, es wird aber nur sehr wenig grundlegenden Erfolg haben. Aber wenn ich mir ansehe, warum sich der Magen entzündet, warum immer wieder Schübe auftreten und wenn ich den Alltag meiner Patienten ansehe und deren Lebensthemen, erklärt sich relativ leicht, was diese Krankheit für eine Botschaft trägt, was sie eigentlich sagen will", sagt Sontag.

Die Bedeutung von Sprache und Symbolen

Jeder Mensch sei sein eigener Experte für sich uns seinen Körper. Sontag fungiere in ihrer Praxis eher als eine Art Lautsprecher und achte sehr gut auf das, was ihre Patienten sagen: "Sie kommen nicht in meine Praxis und sagen: 'Ich habe Diabetes Typ II', sondern: 'Ich fühle mich so aufgeschwemmt' oder 'Ich kann gar nicht mehr satt werden.' Und dann greife ich dieses verbale Thema auf." Susann Sontags Praxis ist übrigens ein Spielzimmer: "Ich kaufe immer wieder Spielzeug und lasse meine Patienten symbolisch das aussuchen, was ihre Krankheit am besten symbolisiert." Sie arbeitet zudem mit Gestalttherapie, systemischer Therapie und eben mit Symbolen.

Die innere Stimme hören

Verdauungsschwierigkeiten hätten ihre Wurzeln in einer Vielzahl von Faktoren, so die Ernährungsexpertin. "Die Betroffenen haben sehr oft das Gefühl für ihren persönlichen Lebensrhythmus verloren." Oft ist es nicht so einfach, zu spüren, was uns wirklich gut tut, wenn wir aus unserem eigenen Rhythmus gefallen sind. Wahrzunehmen: wieviel Schlaf brauche ich? Wann möchte ich essen? Wieviele Pausen tun mir gut? Einfache Übungen sollen dabei helfen, sich selbst wieder zu spüren. Susann Sontag arbeitet beispielsweise mit Wärme-Kälte-Übungen:  "Fühlen Sie mal: frieren Sie gerade? Es ist im Grunde genommen so banal, dass es beinahe schon peinlich ist." Das zu tun, was uns unsere innere Stimme sagt, erfordert natürlich Mut.