Wenn das Leben auf den Magen schlägt

Den eigenen Rhythmus finden

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Schränken wir uns zum Beispiel selbst zu sehr ein, kann der Darm gereizt reagieren. Weil wir immer nur den Ansprüchen anderer gerecht werden möchten. Oder weil wir einen zu hohen Anspruch an uns selbst haben. Auch in puncto Ernährung kann sich eine Einschränkung auswirken. Wenn wir beispielsweise nicht mehr das essen, was uns gut tut, sondern wovon wir glauben, dass wir es essen müssten, weil es doch so gesund ist.

Was ist gesund?

"In meiner Praxis sehe ich viele Leute, die mit einer gesunden Vollkornernährung verdauungsmäßig komplett überfordert sind. Wo ältere Frauen große Darmprobleme haben, weil es zu Darmausstülpungen kommt, in denen sich diese wundervollen Körner sammeln und nur zu Entzündungen und Schmerzen führen", sagt Susann Sontag. Unser Anspruch, zum Frühstück je fünf verschiedene Flocken, Beeren und fünf Nüsse essen zu müssen, weil es so gesund sei, könne uns leicht überfordern. "Wir denken, da ist so und so viel Vitamin A, B, C drin und darum muss es gesund sein. Aber wir schauen nicht auf unser Wohlbefinden: Wie geht's mir eigentlich damit, wenn ich das esse? Denn nur da, wo ich mich wohl fühle, ist es gesund. Und dann ist unter Umständen auch mal die Schokolade angebrachter als der Müsliriegel", erläutert sie. Denn gesund sei ja relativ.

Der Rhythmus unseres Lebens

"Ich habe viele Männer in meiner Praxis, gegen Ende 40, Ende 50, die nicht mehr ihre Leistungsfähigkeit von früher haben." Das sei in ihrer Lebensphase aber auch nicht angesagt. "Da sie aber in einem beruflichen Umfeld stehen, in dem sie diese Leistungsfähigkeit immer noch erbringen müssen, werden sie krank. Es schlägt ihnen, im wahrsten Sinne, auf den Magen. Wenn er im Rhythmus ist, indem sich so ein Mann zum Beispiel sehr bewusst Pausen gönnt, dann kann er mit den Jungen mithalten: denn er ist durch seine Lebens- und Berufserfahrung viel leistungsfähiger, weil er weniger Fehler macht und eine bessere Technik hat. Er kann also lernen, die geringer gewordene Leistungsfähigkeit über seine Erfahrung zu kompensieren. Aber er muss es anders machen, weil er in einer anderen Lebens-Jahreszeit steht." Laufe er hetzend weiter, werde dieser Mann kränker.

Heilung

Heilung sei für sie immer als Selbstheilung definiert, sagt die Ernährungsberaterin. "Selbstheilung bedeutet aber nicht, zum Zustand von vorher zurückzukehren. Sondern: es entsteht wirklich etwas Neues im Leben." Das griechische Wort Krise bedeute Entscheidung. "Wenn ich in einer Krise stecke, stehe ich eigentlich vor einer Entscheidung: gehe ich rechts oder gehe ich links? Und wenn ich zurückgehe, was ich eigentlich mit Tabletten tue, dann ist das eine ganz schlechte Entscheidung. Denn da komme ich ja her. Ich entscheide mich und es hat eine Konsequenz. Das ist Selbstheilung. Doch wenn ich wieder blockiere, 'Oh mein Gott, ich kann doch als Installateur nicht Lebensberater werden', weil sich mein Kopf dazwischenschaltet, werde ich wieder krank, bis ich es verstanden habe."

Oftmals werde Symptomfreiheit mit Heilung verwechselt, weil erst einmal eine Entlastung eintrete. Man habe das Gefühl, man hätte die Krankheit jetzt im Griff. "Symptomfreiheit an sich ist jedoch lediglich ein 'schlafender Drache'", so Sontag. Heilung habe nicht den Anspruch, etwas im Griff zu haben, sondern bedeute Bewegung. Jeden Tag neu zu experimentieren und den Mut zu haben, der eigenen Stimme zu folgen.