Rohkost

© Fotolia/Doris Heinrichs
Autorin: Mag. Beatrix Aigner-Köfinger
Aktualisiert am: 07.06.2010
Roh versus erhitzt
Zu den Vorteilen des Erhitzens zählt, dass Bakterien und Viren abgetötet werden. Natürlich muss das Rohgemüse vorher ordentlich geputzt und geschält werden. Gekochtes Gemüse ist zudem bekömmlicher und leichter verdaulich, da die Hitzeeinwirkung die pflanzlichen Nahrungsfasern elastischer werden lässt und die Enzyme leichter Stärke und Proteine verarbeiten können.
Giftige Rohkost
Bei manchen Gemüsesorten ist das Erhitzen sogar unbedingt notwendig, um toxische und verdauungshemmende Stoffe aufzulösen. Ohne Erhitzen können folgende Sorten nämlich schwere Magen- Darm-Beschwerden verursachen: Speisebohnen, Linsen, Fisolen, Erbsen, Kichererbsen (Hämagglutinine), Kartoffeln (Solanin), grüne Tomaten (Tomatidin), Rhabarber, Spinat, Sauerampfer und Stachelbeeren (Oxalsäure).
Verstärkte Gärung
Auch wenn Gemüse aller Art als gesund gilt, nicht jeder verträgt es. Bei so manchem führt der Verzehr Rohkost zu Verdauungsbeschwerden, da die Inhaltsstoffe nicht richtig verwertet werden können. Statt durch die Ernährung Energie zu erzeugen, wird diese vergeudet. Die Nahrungsrückstände belasten den Körper. Zu den Ernährungsmythen zählt aber, dass Rohkost am Abend im Magen gäre, klärt die Ernährungsexpertin Marlies Gruber auf. Die Gärung oder bakterielle Fermentation im Dickdarm finde bei jeder Nahrungsaufnahme statt und sei für den Körper nicht schädlich. "Es kann bei hoher Ballaststoffaufnahme, also bei einem hohen Konsum an rohem Obst und Gemüse, zu einer verstärkten Fermentation und daher zu vermehrten Blähungen kommen, weil die Bakterien mehr Gase wie Wasserstoff, Kohlendioxid und Methan bilden", ergänzt Gruber.
Rohkost in Maßen
Bei strengen Rohkostvarianten – wenn die Ernährung durch einen Obstanteil von mehr als zwei Drittel und einen Gemüseanteil von ungefähr einem Viertel gekennzeichnet sei – bestehe das Risiko für eine Mangelversorgung mit Eiweiß, Eisen, Zink, Jod, Kalzium, Vitamin D und B12. "Untergewicht kommt bei strengen Rohkostvarianten häufiger vor", warnt Marlies Gruber weiter. Keine Probleme mit der Nährstoffversorgung gebe es aber, wenn Rohkost mit Getreide und Milchprodukten ergänzt werde.
Die TCM-Expertin Claudia Nichterl rät: "Knabbergemüse und frisches Obst als Zwischenmahlzeit sind willkommen, solange der Verdauungstrakt mitspielt." Für hitzige Menschen seien Salate ein willkommener Bestandteil der Sommerküche. "Bevorzugt als Ergänzung zu einer gekochten Mahlzeit." Sie empfiehlt ein gutes Mittelmaß mit einem Getreidefrühstück mit frischen Obst und mindestens einer gekochter Mahlzeit pro Tag, um das "Verdauungsfeuer" immer wieder anzufachen. "Je hitziger der Organismus, desto mehr darf und soll in der heißen Jahreszeit zu Rohkost gegriffen werden."
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