Rohkost

© Fotolia/Doris Heinrichs
Autorin: Mag. Beatrix Aigner-Köfinger
Aktualisiert am: 07.06.2010
Rohkost – gesund oder belastend?
Wer ohne schlechtes Gewissen knabbern möchte, ersetzt am besten Chips durch rohe Karotten, Gurken & Co. Aber Vorsicht, während manche Gemüsearten in rohem Zustand mehr Vitamine enthalten, müssen andere gekocht werden, um giftige Inhaltsstoffe zu neutralisieren. Die Traditionelle Chinesische Medizin hat besondere Ansichten zum Thema Rohkost, da sie Lebensmittel in wärmend und kühlend einteilt.
Gemüse und Obst leuchten in den schönsten Farben und machen so große Lust aufs Essen. Das kann sich ganz schön laut gestalten, wenn es so richtig knackt. Drei Vorteile hat der Verzehr von Rohkost auf jeden Fall. Da wir rohes Gemüse länger und intensiver kauen, tritt der Sättigungseffekt bereits nach geringeren Nahrungsmengen ein. Auch die Zähne wissen den verstärkten mechanischen Stimulus zu schätzen. Und nicht zuletzt ist der Gehalt an wasserlöslichen Vitaminen wie Vitamin C und Mineralstoffen in ungekochtem Zustand höher.
Verschiedene Rohkostformen
Rohkost ist aber nicht nur Gemüse oder Obst, sondern eine Ernährungsphilosophie mit vielen verschiedenen Ausprägungen. Die Ernährungsexpertin Marlies Gruber von forum. ernährung heute erklärt: "Von Rohkost-Ernährung spricht man, wenn circa 70 Prozent oder ausschließlich pflanzliche Lebensmittel gegessen werden." Auch wenn die Mehrzahl der Rohkostformen vegetarisch ausgerichtet sei, ergänzt Gruber, gebe es Varianten, bei denen Fleisch und Fisch verzehrt werde.
Empfindliche Vitamine
Für Marlies Gruber ist es - bis auf einige Ausnahmen - Sache des Geschmacks bzw. eigenen Ermessens, ob Gemüse roh oder gekocht konsumiert werde. Vitamin C und Folsäure wie in Kraut, jungem Spinat und Paprika seien besonders hitzempfindlich und daher in roher Form vitaminreicher. Andere Gemüsesorten seien in erhitzter Form gesünder, ergänzt sie: "Lycopin, eine bioaktive Substanz in Tomaten, die das Krebsrisiko senken kann, wird aus erhitzten Tomaten vom Körper besser verwertet als aus rohen." Ähnliches gilt für Karotten und Kürbisse hinsichtlich ß-Carotin: "Durch das Erhitzen werden die Gemüsezellwände weicher, was die Aufnahme von ß-Carotin im Dünndarm erleichtert", weiß die Expertin.
Rohkost in der TCM
In der Ernährungslehre der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), bei uns als "Fünf Elemente Ernährung" bekannt, spielt eine an die Jahreszeit angepasste Auswahl von Zutaten und Zubereitungsart eine besondere Rolle. "Unser Körper weiß, was uns wann gut tut", erklärt Claudia Nichterl, Ernährungswissenschaftlerin und Ernährungsberaterin nach TCM. "In der heißen Jahreszeit ist die frische Rohkost durchaus auch in der TCM am Speiseplan willkommen." Im Sommer verlange der Körper nämlich nach kühlenden, erfrischenden Speisen, die einer Austrocknung entgegenwirken.
Menschen, die immer frieren und anfällig für Verdauungsstörungen seien, rät die TCM-Expertin aber vor rohem Gemüse und Obst ab. Wennn nämlich Rohkost nicht verdaut werden könne, riskiere man Völlegefühl, Blähungen oder Durchfall. Das ließe sich vermeiden, indem auch im Sommer gekochte, gedämpfte oder blanchierte Zutaten bevorzugt würden, erklärt Claudia Nichterl. Sie empfiehlt die mediterrane Antipasti-Küche, bei der Gemüse kurz gedünstet und gegrillt wird. Leichter verdaulich seien auch Gerichte der asisatischen Küche mit ihren typischen Wok-Gerichten. Und als Alternative für Rohkost schlägt sie Salate aus gekochtem Getreide oder Gemüse vor.
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