Säure-Basen-Haushalt

Aktualisiert am: 28.08.2003

Besser: Richtige Ernährung

Der Wiener Universitätsprofessor Dr. Cem Ekmekcioglu vom Institut für Physiologie ärgert sich über die Behauptung der Vertreiber, Basenpräparate könnten Krankheiten vorbeugen, die aus der Übersäuerung des Körpers entstehen.

"Es gibt keine Übersäuerung des gesamten Körpers, denn dieser kann sich sehr wirkungsvoll dagegen wehren. Untersuchungen haben gezeigt, dass eine basenreiche Ernährung zur Vorbeugung von Osteoporose geeignet ist. Diese wurde jedoch nicht mit Basenpräparaten durchgeführt, sondern mit gemüse- und obstreicher Kost. Manch ein Mineralwasser kann genauso basenreich sein. Ein Liter Preblauer, Peterquelle oder Juvina enthält - im Vergleich mit den Pulvern - relativ hohe Mengen an Hydrogencarbonat."

Basenpulver bringen nichts

VKI-Ernährungswissenschafterin Mag. Birgit Beck ist ebenfalls überzeugt, dass Basenpräparate nichts bringen. Zur Vorbeugung gegen Zivilisationsleiden empfiehlt sie statt der teuren Pulver Säurebildner wie Fleisch, Kaffee, Cola und Alkohol zu reduzieren, dafür täglich ein halbes Kilo Obst und Gemüse, aufgeteilt auf fünf Portionen, zu essen. Für die Knochengesundheit sollte auf Milchprodukte nicht vergessen werden.

Beck warnt davor, die Pülverchen direkt zu Mahlzeiten einzunehmen: "Basenpräparate sollten - wenn schon - eine Stunde vor der Mahlzeit oder zwei bis vier Stunden danach genommen werden. Denn zur Aufnahme von Eiweiß und Eisen ist das saure Milieu im Magen notwendig und die Magensäure hilft auch mit, krankheitserregende Keime aus dem Essen unschädlich zu machen." Von den 20 untersuchten Produkten konnte "Konsument" jedoch nur bei vier korrekte Verzehrsempfehlungen finden. Basenprodukte können zwar Sodbrennen oder gastritische Beschwerden lindern, bei Magenbeschwerden jedoch empfiehlt "Konsument" einen Arzt aufzusuchen, da es heute wesentlich bessere und verträglichere Arzneimittel dagegen gibt.

Achtung vor Neben- und Wechselwirkungen

Kaum jemand rechnet bei den als harmlos geltenden Basenpulver mit Nebenwirkungen. Dabei sind vor allem Wechselwirkungen mit gleichzeitig eingenommenen Arzneimitteln möglich. Weiters verschweigen die Hersteller, dass bei Nierenerkrankungen keine Basenprodukte eingenommen werden dürfen. Kritik kommt von Professor Ekmekcioglu auch zur wahllosen Anreicherung mit Vitaminen und Mineralstoffen: "Manches Produkt ist derart vollgestopft mit einer Unzahl unterschiedlicher Substanzen, dass darüber absolut keine Kontrolle vorhanden sein kann, was man einnimmt. Vitamine und Mineralstoffe beeinflussen sich auch gegenseitig und die Aufnahme erwünschter Substanzen kann vermindert sein - so etwa hemmen einander Kupfer und Zink."

(Quelle: Konsument)


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