Detox und entschlacken – was es bringt und wer davon profitiert

Raus mit dem Gift

Entschlacken ist ein Begriff, der uns vor allem im Frühjahr und Sommer immer wieder in allen Medien begegnet. Vor allem in der Werbung wird gerne suggeriert, dass bestimmte Produkte helfen können, den Körper von ungeliebten Ablagerungen zu befreien.

Auch Detox ist ein inflationär benutztes Modewort, um Lebensmittel, Getränke und Kosmetika mit besonderen Wirkungen zu belegen. Detox stammt von „detoxification“ ab, dem englischen Wort für „Entgiftung“. Aber was sind Schlacken eigentlich? Und ist Detox die Lösung?

Was haben Verbrennungsrückstände aus dem Hochofen mit der menschlichen Gesundheit zu tun?

Das ist eine berechtigte Frage, wenn man sich ansieht, was Schlacken wirklich sind. Es sind nämlich Rückstände aus der Verbrennung im Hochofen. Nicht mehr, nicht weniger. Also gleich die gute Nachricht vorweg: im menschlichen Körper „lagern“ keine Schlacken. Echte Schlacke entsteht aus Asche, die, wenn sie über ihren Erweichungspunkt erhitzt wird, zähflüssig wird. Sie ist dann nicht mehr pulvrig und muss somit entfernt werden, um technische Probleme zu vermeiden.

Wird der Körper als Verbrennungsmaschine gesehen, liegt der Schluss nahe, dass auch hier Rückstände aus dem Stoffwechsel abgelagert würden. Zum Glück ist das nicht ganz so.

Über Lebensmittel, Umweltbelastungen und Chemikalien, die in die Nahrungskette kommen, können Schadstoffe und Gifte in unseren Körper gelangen. Da wären zum Beispiel Schwermetalle wie Nickel, Blei oder Quecksilber, die etwa in Zigarettenrauch vorkommen oder aus dem Meer in Fisch angereichert werden können. Auch natürliche Gifte, die durch Schimmelpilze erzeugt werden, sogenannte Mykotoxine, sollten zwar nicht, können aber ins Essen gelangen.

Weiters gibt es Gifte wie Dioxin oder Fibronil sowie Rückstände von Pflanzendünger und Pflanzenschutzmitteln, die bei unachtsamer Produktion oder übermäßigem Einsatz in unseren Lebensmitteln vorkommen können. Andere ungesunde Stoffe entstehen beim Verarbeiten von Lebensmitteln, etwa das Acrylamid, das beim Frittieren, Braten und Backen entstehen kann. Diese Stoffe sind tatsächlich gesundheitsgefährdend und deshalb gibt es strenge regelmäßige Kontrollen und festgesetzte Höchstwerte, die nicht überschritten werden dürfen.

Körper-Entgiftungssysteme

Der menschliche Körper hat mehrere Systeme, um Gifte, Umweltgifte oder andere Schadstoffe abzubauen. Allen voran ist unsere Leber zu nennen: Sie filtert diese Stoffe aus dem Blut, baut sie zu anderen Stoffwechselprodukten um, sodass sie über die Niere (Urin) oder den Darm (Stuhl) ausgeschieden werden können.

Um Giftstoffe unschädlich und ausscheidbar zu machen, braucht die Leber bestimmte Nährstoffe. Dazu gehören unter anderem B-Vitamine, Vitamin D und Calcium und verschiedene Aminosäuren. Überdies schützen Antioxidantien wie Vitamin C, Selen und Zink vor freien Radikalen. Damit die Ausscheidung über die Niere funktioniert, wird ausreichend Flüssigkeit benötigt. Und unerwünschte Stoffe im Darm können über etwa über Ballaststoffe gebunden werden.

Maßnahmen, um die Funktionen von Leber, Niere und Darm zu unterstützen, tragen also auch indirekt dazu bei, die Entgiftung zu fördern. Eine ausreichende Zufuhr von Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, Ballaststoffen und Flüssigkeit hilft dem Körper beim Entgiften. Zusätzlich kann man darauf achten, weniger Gifte zu sich zu nehmen.

Nun ist es durch den modernen Lebensstil nicht immer möglich, auf all diese Dinge zu achten. Zusätzlich kommt es durch Umweltgifte, Stress und Antibiotika zu zusätzlichen Belastungen.

Werbeschlager Detox

Wenn in Print- und Onlinemedien Entschlacken und Detox, also Entgiften, als Schlagwörter für zukünftiges Wohlbefinden und allgemeine Leichtigkeit verwendet werden, ist meist eine Behandlung, ein Produkt oder eine kurzfristige Ernährungsweise gemeint, die unseren Körper von Giften und Schadstoffen befreien soll.

Wer generell gesund lebt, keine gesundheitlichen Probleme hat und sich wohlfühlt, braucht allerdings keine Detox-Kuren – zumindest körperlich nicht. Entgiftungskuren können aber auch eine bewusste Abkehr vom stressigen Alltag sein. Und hier setzen viele Programme an: Entlastung auf körperlicher und geistiger Ebene wird in vielen Detox-Kuren gekoppelt. Man führt seinem Körper mehr Nährstoffe zu, trinkt mehr und achtet gleichzeitig auf einen ausbalancierten Lebensstil. Einige Tage Detox können also jedem guttun. Vorausgesetzt, man fällt danach nicht wieder in alte Muster zurück und konsumiert wieder zu viel Fastfood, Alkohol oder Zucker.

Detox-Tees, Detox-Säfte: Braucht man spezielle Detox-Produkte?

Ingwer, Zitrone, Chili, Kurkuma: All diese Lebensmittel werden gern in Detox-Produkten verwendet. Die enthaltenen Bitter- und Scharfstoffe sind gut für Galle und Leber und damit perfekt geeignet zum Entgiften.
Auch rote Rübe, Spinat, Tomaten und Karotten liefern Vitamine, die die Leber beim Entgiftungsprozess braucht.

Detox-Produkte sind aus Marketingsicht natürlich toll. Lebensmittel mit einem Zusatznutzen zu verkaufen, bringt nämlich auch mehr Umsatz. Schädlich sind die meisten Tees und Säfte wohl nicht, doch für den „Detox“-Aspekt wird schon mal deutlich mehr für ein solches Produkt verlangt.

Mehr zu trinken, ist für viele tatsächlich ein Problem. Was so leicht klingt, ist im Alltag oft doch nicht so einfach umzusetzen. Entscheidet man sich, bewusst zu entgiften und mehr zu trinken, fokussiert man sich zumindest eine Zeit lang auf dieses Thema, und trinkt dadurch oft wirklich mehr. Die Niere dankt es einem: Man fühlt sich wacher, fitter und konzentrierter.

Tees mit speziellen Inhaltsstoffen wie etwa Ingwer oder Kurkuma können dem Körper die Entgiftung nicht abnehmen, aber ihn dabei unterstützen. Genauso können Detox-Säfte Vitamine, Mineralstoffe und auch Ballaststoffe liefern. Als Abnehmkur sollte Detoxing aber nicht verstanden werden. Zum Abnehmen gehört immer eine langfristige Ernährungsumstellung. Diese fördert im Allgemeinen auch die Entgiftung, wodurch gleich doppelt profitiert werden kann.

Das können Sie im Alltag tun

Viele kleine Maßnahmen können dazu beitragen, den Körper gar nicht erst so stark mit Giftstoffen zu belasten.

  • Naturbelassene Lebensmittel einkaufen (weniger Zusatzstoffe)
  • Regionale und der Saison entsprechende Produkte bevorzugen (kürzere Transportwege, weniger Pflanzenschutzmittel)
  • Bio-Produkte bevorzugen (weniger Antibiotika, weniger Pflanzenschutzmittel)
  • Ballaststoffreich essen (Vollkornprodukte, Gemüse)
  • Fermentierte Lebensmittel essen (Joghurt, Sauerkraut)
  • Ausreichend Wasser trinken
  • Schwefelhaltige Lebensmittel essen (Knoblauch, Zwiebeln, Kohlgemüse, Bohnen, Linsen)
  • Vitaminreich und bunt essen (frisches Gemüse, buntes Obst)  
  • Ingwer, Kurkuma, Zitrone, Chili – integrieren Sie diese Superfoods regelmäßig in Ihren Speiseplan