40 Tage ohne – Hintergründe zur Fastenzeit

Mit dem Aschermittwoch beginnt im Christentum die Fastenzeit. Die 40 Tage bis Ostern sollen für christlich orientierte Personen dazu dienen, dem Gebet und der persönlichen Einkehr mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Die 40 Tage sind dabei eher eine symbolische Größe, die zumeist mit der 40-tägigen Fastenzeit Jesu in der Wüste begründet werden.

Fragt man nach, was die Menschen mit Fasten verbinden, erhält man bunt gestreute Antworten wie „kein Fleisch essen“, „entschlacken“ oder „gesünder essen“. Auch „nichts essen“ wird unter Fasten verstanden. Fasten wird also durchwegs unterschiedlich und sogar individuell interpretiert.

Nicht nur in christlichen Religionen wird Fasten praktiziert. Einige Religionen kennen mehrere Fastenzeiten im Jahr, im Judentum wird zu Jom Kippur gefastet, im Islam gilt der Fastenmonat Ramadan.
Religiös orientiertes Fasten darf nicht mit Diät, medizinischem Fasten oder Heilfasten verwechselt werden. Heutzutage wird auch zunehmend abseits von religiösen Beweggründen gefastet, wobei die Motivationsgründe von Abnehmen bis hin zu Stressabbau reichen.

Fasten ist Frühjahrsputz für Körper und Geist

Als Gemeinsamkeiten aller Fasten-Praktiken sind Achtsamkeit und mehr Bewusstsein erkennbar – Dinge, die wohl jedem guttun. Und das ist wichtig: Fasten soll guttun und keine Qual sein. Es soll fordern, aber nicht überfordern. Fasten sollte daher individuell abgestimmt sein: Verzicht auf Alkohol, Handy oder Auto, alles ist möglich!

Fasten hat viele Vorteile

  • Gesundheitliche Effekte
  • Perfekter Einstieg in eine Modifikation der Ernährungs- und Lebensgewohnheiten
  • Erkennen und Lösen von unbemerkten Abhängigkeiten

„Und was fastest du?“

Haben Sie jedes Jahr denselben Vorsatz oder stellen Sie sich jedes Mal neuen Herausforderungen?
Typische Fastenmotivationen können zum Beispiel sein:

  • Kein Fleisch: In der heutigen Zeit wird (oft unbewusst) sehr viel Fleisch gegessen. Ob als Steak, Wurst oder in verarbeiteten Produkten, viele Menschen essen täglich Fleisch. Wer versucht, in der Fastenzeit auf Fleisch zu verzichten, wird dafür mit vielen Alternativen Bekanntschaft machen. Probieren Sie einmal vegetarische Aufstriche statt Wurst, kochen Sie mit Bohnen und Linsen statt Faschiertem, oder testen Sie einmal Tofu – gut zubereitet schmeckt der auch wirklich!
  • Kein Alkohol: Alkohol ist ein Genussmittel, das immer bewusst genossen werden sollte. Wer ohnehin kaum Alkohol trinkt, für den wäre dieser Vorsatz keine Herausforderung. Doch wer sich vornimmt, in der Fastenzeit auf Alkohol zu verzichten, wird das mit gutem Grund tun. Das abendliche Glas Wein zum Runterkommen, das Anstoßen mit Sekt, um einen Geschäftsabschluss zu feiern, das Cocktail-Schlürfen am Wochenende beim Feiern: Für all diese Situationen gilt es dann alternative Getränke zu finden. Und die gibt es!
  • Kein Zucker, keine Süßigkeiten, keine Schokolade: Egal, wie man es formuliert, der Verzicht auf Genussmittel ist beliebt in der Fastenzeit. Dahinter steckt oft der Wunsch, den Konsum von Genussmitteln jeglicher Art wieder kontrollierbar zu machen. Schafft man die Abstinenz – so die Hoffnung –. beweist man sich selbst, dass man nicht „abhängig“ davon ist. Oft ist der geregelte Umgang mit Genussmitteln aber viel schwerer als striktes Weglassen. Denken Sie daher unbedingt auch über den Alltag nach der Fastenzeit nach!
  • Kein Koffein: Kaffee und Tee, Cola-Getränke und Energydrinks enthalten Koffein. Wer sich regelmäßig mit Koffein wachhält, braucht mitunter immer mehr davon, um noch eine Wirkung zu merken. Der kalte Entzug kann allerdings spürbare Auswirkungen wie Kopfschmerzen und Müdigkeit haben. Wer einen sanfteren Umstieg wünscht, kann beim Verzichten auf Kaffee auf Matetee umsteigen, denn das darin enthaltene Koffein wirkt langsamer, aber länger und somit sanfter.
  • Keine künstlichen Zusatzstoffe und keine Fertigprodukte: Mehr selber machen ist die Devise. Wer auf Süßstoffe, Aromen, Konservierungsmittel und E-Nummern verzichten möchte, muss genau lesen und vermutlich öfter selbst kochen. Denn nur dann weiß man, was wirklich drin ist. Eine Umstellung, die sicherlich für die Zeit danach prägend ist!
  • Weniger Müll: Haben Sie sich jemals gefragt, was Sie laufend an Müll produzieren? Der morgendliche Kaffee aus der Alu-Kapsel oder der Kaffee to go im Pappbecher, das Obst im Einwegsackerl, das schnelle Mittagessen in Plastikverpackungen, all diese Dinge summieren sich im Alltag. Steigen Sie um auf Grundprodukte und kaufen Sie öfter am Markt ein. Brühen Sie wieder mal echten Espresso auf, backen Sie Ihr Brot selbst und bereiten Sie Ihr Weckerl selbst zu und vor allem: Besorgen Sie sich ein paar hübsche Stoffsackerl zum Einkaufen, davon gibt’s ja mittlerweile genug!
  • Digital Detox: Weniger Internet, weniger Smartphone-Ablenkung, weniger Social Media. Sie werden staunen, wie viel „Mehrzeit“ Sie haben werden, wenn Sie eine Pause von Facebook, Instagram und Co. einlegen. Wer’s nicht glaubt, kann sich Apps wie „Moment“ oder „Space“ aufs Smartphone laden, die die Nutzung von Smartphone und Social Media eindrucksvoll auswerten!
  • Weniger Auto: Mehr mit dem Fahrrad fahren, Öffis benutzen und zu Fuß gehen tun der Gesundheit gut, dem Geldbörsel und der Umwelt sowieso. Wer sich bewusst macht, welche Wege wirklich nur mit Auto klappen und welche auch anders organisierbar sind, wird freier und flexibler werden.

Aber es sind doch gar nicht 40 Tage, oder?

Wer schon einmal nachgerechnet hat wird feststellen, dass es bis Ostern mehr als 40 Tage sind. Das liegt daran, dass die Sonntage aus christlicher Sicht nicht zur Fastenzeit zählen. Vielmehr soll am Sonntag bewusst genossen und gefeiert werden. Ein Ansatz, der mit den derzeit angesagten Cheat Days, die einmal pro Woche Genüsse zulassen, vergleichbar ist.

Bewusstes Verzichten, aber auch bewusstes Genießen zu lernen, kann in der Fastenzeit geübt werden. Noch besser, wenn dieses Bewusstsein auch über die 40 Tage hinweg anhält.