Gurkerl mit Nutella? Was Schwangere wirklich essen sollten und was lieber nicht

Nach der Freude über die Schwangerschaft beginnt oftmals das große Kopfzerbrechen. Heißt es doch ab jetzt: „Kein Sushi mehr! Und kein Camembert. Und auch keine Salami.“ Spezielle Gelüste und plötzliche Abneigungen machen gesunde Ernährung in diesem spannenden Lebensabschnitt auch nicht gerade zum Kinderspiel. Klar ist: Jede Frau möchte nur das Beste für ihr heranwachsendes Kind.

Da liegt es auf der Hand, dass unnötige Risiken vermieden werden und für eine bestmögliche Nährstoffversorgung gesorgt wird. 

Ein Kind im Mutterleib bekommt seine Nahrung ausschließlich über die Nabelschnur. Je mehr Nährstoffe die Mutter zu sich nimmt, desto besser wird also auch der Fötus versorgt. Frauen, die sich möglichst vielfältig, bunt und gemüsereich ernähren, sollten auch in der Schwangerschaft kein Problem mit einer ausreichenden Vitamin- und Nährstoffversorgung haben.

Die Ernährungsempfehlungen für werdende Mütter unterscheiden sich daher kaum von jenen einer gesunden Mischkost. Lediglich ein paar Lebensmittelgruppen sollten gemieden werden.

Manche Frauen werden allerdings schon zu Beginn der Schwangerschaft mit wohlgemeinten Tipps von Freunden und Bekannten sowie aus Internet und Zeitschriften konfrontiert, was in manchen Fällen mehr Verunsicherung hinterlässt, als es Aufklärung bietet.

Warum bestimmte Lebensmittel in der Schwangerschaft gemieden werden sollten

Bei Schwangeren ist die Immunabwehr gegen Infektionen herabgesetzt, deshalb sollten bei der Ernährung einige Besonderheiten berücksichtigt werden. Außerdem gibt es Stoffe, die dem ungeborenen Kind schaden können. Dazu gehört etwa Vitamin A, das in besonders hoher Konzentration in Leber und daraus hergestellten Produkten enthalten ist.

Aber auch das Risiko einer Erkrankung durch Salmonellen oder Listerien oder eine Infektion mit Toxoplasmose soll durch das Vermeiden bestimmter Lebensmittel minimiert werden. Während diese Erreger für gesunde Erwachsene im Normalfall zwar unangenehm, aber nicht lebensgefährlich sind, kann eine Infektion für das Baby schwerwiegende gesundheitliche Schäden bedeuten. So kann eine Listeriose sogar zu Fehlgeburten oder Totgeburten führen. 

Typische Quellen für Listerien sind Rohmilch und Rohmilchkäse sowie rohes Fleisch und roher Fisch. In rohem Fleisch könnten sich außerdem auch Toxoplasmose-Erreger befinden. Pasteurisierte Milchprodukte und durchgegartes Fleisch sowie gebratener Fisch stellen dagegen kein Problem dar. Rohmilchkäse muss in Österreich als solcher gekennzeichnet sein.

Auch Salmonellen finden sich in Rohmilch oder Rohmilchkäse sowie auf Eiern, in Produkten mit rohen Eiern sowie auf Geflügelfleisch. Eier sollten daher nur gut gebraten konsumiert werden. Produkte mit rohem Ei, wie etwa Tiramisu, sollte gemieden werden. Gute Hygiene in der Küche ist unumgänglich, um eine Kontamination anderer Lebensmittel zum Beispiel mit Salmonellen von Geflügel oder Eiern zu verhindern.

Alle Utensilien, wie z. B. Küchenbretter, Geschirr oder Besteck, die mit rohen Eiern oder Geflügel in Kontakt gekommen sind, sollten sofort in den Geschirrspüler wandern oder heiß gereinigt werden.

Schwangere sollten zwar reichlich Omega-3-Fettsäuren zu sich nehmen, allerdings sind einige Fischsorten stark mit Schwermetallen belastet, weswegen die Auswahl auf bestimmte Fischsorten fallen sollte. Fettreiche Raubfische wie Thunfisch, Schwertfisch, Heilbutt oder Hecht sind besonders belastet und sollten gemieden werden. Ideal sind Bachforelle, Lachs, Sardinen, Makrele oder Hering. 

So können Schwangere auch Fisch, Steak und Ei genießen

In der Schwangerschaft sollten rohe Lebensmittel, die nicht gewaschen werden können, aus gesundheitlicher Sicht gemieden werden. Sobald Käse, Fisch, Fleisch oder Eier durcherhitzt, gekocht oder gebraten wurden, stellen sie kein Risiko mehr dar.

Fisch sollte daher nicht glasig serviert werden. Ebenso sollte Steak Well Done bestellt werden.

Spiegeleier kann man umdrehen und von beiden Seiten braten. Das weiche Ei zum Frühstück sollte gemieden und dafür hart gekocht genossen werden. Rohmilchkäse sollte zwar nicht kalt verzehrt werden, kann aber zum Gratinieren verwendet werden.

Häufiger Diskussionspunkt ist auch, ob und wenn ja wie viel Kaffee in der Schwangerschaft getrunken werden darf. Laut WHO liegt die maximale Tagesdosis für Schwangere bei 300 Milligramm Koffein. Das entspricht etwa drei Tassen Kaffee oder sechs Tassen Grüntee oder Schwarztee pro Tag.

Ausreizen sollte man das allerdings nicht. Zu beachten ist nämlich, dass Koffein auch in Softdrinks, Schokolade oder kakaohaltigen Mehlspeisen enthalten ist. Wer auf der sicheren Seite sein möchte, kann koffeinfreien Kaffee oder Kaffeealternativen aus Getreide, Malz oder Feigen trinken. 

Bei Alkohol sieht die Sache anders aus: Hier wird von jeglichem Konsum dringend abgeraten. Bereits kleinste Mengen Alkohol können die körperliche und geistige Entwicklung des Ungeborenen beeinträchtigen. Auch beim Kochen sollte auf Alkohol als Zutat verzichtet werden, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass ein Restalkoholgehalt bleibt. 

Essen für zwei?

Der Kalorienbedarf steigt in der Schwangerschaft nicht sprunghaft an. Um Risiken wie Schwangerschaftsdiabetes zu vermeiden, sollte auf eine gesunde Gewichtsentwicklung geachtet werden. Keinesfalls sollte also „für 2“ gegessen werden. Der Mehrbedarf an Kalorien liegt bei Schwangeren lediglich bei 200 bis 300 Kilokalorien. Das entspricht in etwa einem zusätzlichen Snack pro Tag, etwa einem belegten Weckerl oder einem großen Smoothie mit Joghurt und frischen Früchten. 

Übersicht der kritischen Lebensmittel-Gruppen in der Schwangerschaft

Rohmilch, Rohmilchkäse:

Brie, Camembert, original griechischer Feta (der als solcher gekennzeichnet ist), Grana Padano, Gruyère, Manchego, Parmesan, Raclettekäse, Roquefort, Tilsiter (gibt es auch pasteurisiert). Durcherhitzter Käse ist nicht bedenklich.

Rohes Fleisch:

Parmaschinken, Prosciutto, Rohschinken, Salami, Serrano-Schinken, Vulcano-Schinken. Beef Tatar, Carpaccio, Steak blutig oder medium. Durcherhitztes Fleisch ist nicht bedenklich.

Roher Fisch und Meeresfrüchte:

Sushi, Sashimi, Tatar, Räucherlachs, geräucherte Forellenfilets, geräucherte Makrele, Graved Lachs, Fischsalate, eingelegte Heringe, Austern, vorgegarte Garnelen aus der Kühltheke. Durcherhitzter Fisch ist nicht bedenklich.

Rohe Eier:

Mayonnaise, Tiramisu, Saucen und Cremen mit rohem Ei, Spiegelei oder weiches Ei. Durcherhitztes Ei ist nicht bedenklich.

Offene Produkte aus der Kühltheke:

Eingelegter Käse, eingelegter Frischkäse, offene Oliven, Feinkostsalate.

Kritisches Gemüse und Obst:

Fertige Blattsalate aus dem Sackerl, Sojasprossen, Keimlinge, vorgeschnittenes Obst. Gut gewaschenes, selbst geschältes und/oder durchgegartes Gemüse und Obst ist okay.

Belastete Produkte: (Vitamin-A-reich, Schwermetalle, Radioaktivität)

Leber, Leberpastete, fettreiche Raubfische wie Thunfisch, Schwertfisch, Heilbutt, Hecht, Waldpilze, Wildpilze.