Ist Milch gesund?

Ist Milch gesund?

Gerade Weisheiten, die als unverrückbar gelten, rufen besonders eifrige Gegner auf den Plan. Seit der Mensch Kühe als Haustiere hält, regiert die Annahme, deren Milch sei ein der Gesundheit besonders zuträgliches Nahrungsmittel. Doch zunehmend stehen einander Anhänger und Befürworter dieser These unversöhnlich gegenüber. Wer hat Recht?

Nähern wir uns dem Versuch einer Antwort zunächst mit einer unbestrittenen Tatsache: die Aufnahme ausreichender Mengen an Kalzium – man geht von einem Bedarf von etwa ein Gramm pro Tag aus – stärkt nachhaltig das Knochengerüst und schützt vor Osteoporose. Eine Menge von ¼ Liter Milch pro Tag plus etwas Joghurt und Käse reicht aus, um Mangelerscheinungen an Kalzium zu vermeiden. Aus dieser Sichtweise ist Milch jedenfalls ein wertvolles Lebensmittel, auch wenn die Kalziumzufuhr durch andere Lebensmittel ebenso gewährleistet werden kann.

Laktoseintoleranz und Caseinallergie

Eben dies, sagen die Gegner, mache Milch ja verzichtbar. Und legen nach: spätestens im Erwachsenenalter entwickeln fast alle Menschen eine Laktoseintoleranz. Da ihnen das für den Abbau des Milchzuckers notwendige Enzym, genannt Laktatdehydrogenase, fehlt, können sich daraus körperliche Probleme, etwa Durchfall, Übelkeit oder Erbrechen, ergeben.

Letztendlich raten in solchen Fällen auch Schulmediziner zum Milchverzicht. Chinesen, denen das Enzym im Regelfall bereits von Geburt an fehlt, verwenden daher in ihrer traditionellen Ernährung keinerlei Milchprodukte.

Beschwerden nach Milchkonsum treten auch bei Patienten auf, die an einer Caseinallergie leiden, einer allergischen Reaktion auf Milcheiweiß. Doch betrifft dies lediglich 1% der erwachsenen Bevölkerung. Eine Caseinallergie ist zudem gut diagnostizierbar und kein Grund für die Empfehlung, ganz auf Milch zu verzichten.

Wissenschaftliche Studien haben bisher generell kaum Argumente gegen den Milchkonsum gefunden: weder Fettleibigkeit, Schlafstörungen oder Cellulitis noch das Auftreten bestimmter Krebsarten konnte bisher wissenschaftlich ursächlich mit dem Milchkonsum in Zusammenhang gebracht werden.

Studien sprechen eher für Milchkonsum

Lediglich bei Prostatakrebs geht man davon aus, dass ein Überkonsum an Milch – die Rede ist von deutlich über einem Liter pro Tag – das Risiko erhöht. Auch Akne tritt, so eine Studie, bei höherem Milchkonsum wohl nicht häufiger jedoch heftiger zutage.

Sämtliche anderen Studien, die die gesundheitliche Wirkung von Kuhmilch untersucht haben, stellten entweder gar keinen Zusammenhang fest oder fanden Pro Milch-Argumente: regelmäßiger Milchkonsum, sagen Studien, senke das Risiko für Bluthochdruck, Darmkrebs und sogar Fettleibigkeit – immer unter der Annahme vernünftiger Genussmengen. Denn zu viel Milch bedeutet zu hohe Kalorienzufuhr, und die macht, wie jeder weiß, auf jeden Fall dick.

Argumente der Milchgegner

Wenden wir uns nun jenen Argumenten außerhalb der Schulmedizin zu, die die Gegner des Milchkonsums häufig ins Treffen führen.

Da wäre zunächst einmal die Meinung, Milch eines Säugetieres sei lediglich von artgleichen Lebewesen zu konsumieren und hier wiederum ausschließlich in der Säuglingsphase.

Diese Meinung kann man gefahrlos vertreten, speist sie sich doch aus einer ethischen, nicht jedoch gesundheitlichen Betrachtungsebene und kommt aus derselben Ecke, die auch den völligen Verzicht auf andere Nahrungsmittel tierischen Ursprungs fordert.

Fokussiert auf gesundheitliche Fragen sind hingegen die meisten alternativmedizinischen Aspekte des Milchkonsums, etwa das Thema „Übersäuerung“, von Gewicht. Dieser Begriff bezeichnet eine - wissenschaftlich allerdings umstrittene - Annahme, nämlich dass Lebensmittel den pH-Wert im Inneren des Körpers beeinflussen können.

Milch, so die Verfechter dieser Theorie, fördere durch das in ihr enthaltene Eiweiß einen solchen Vorgang und führe in weiterer Folge zum Auftreten zahlreicher Zivilisationskrankheiten.

Erfolge ohne aber auch mit Milch

Tatsächlich berichten Alternativmediziner von Erfolgen bei der Bekämpfung von Schlafstörungen, Unruhezuständen und anderen zivilisationsbedingten Symptomen durch den Verzicht der Patienten auf den Konsum von Milchprodukten.

Dass selbst unter Vertretern abseits der Schulmedizin keineswegs Einigkeit über die Wirkung des Milchkonsums herrscht, zeigt die F. X. Mayr-Kur, bei der den Patienten fast ausschließlich Milch und trockene Semmeln verabreicht werden. Die dabei in Aussicht gestellte „Darmsanierung“ dürfte bzw. könne nach Meinung anderer Komplementärmediziner gar nicht stattfinden.

Fazit: Auf ein abschließendes Urteil über die gesundheitliche Wirkung von Kuhmilchprodukten wird man vermutlich noch einige Zeit warten müssen. Gegen ein Glas Milch ab und an, wenn man es gut verträgt, ist aus wissenschaftlicher Sicht aber jedenfalls bis heute nichts einzuwenden.

Weiterführende Links:

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