Kaffee, der keiner ist

Kaffee ist die Leidenschaft vieler Menschen. Wer aus gesundheitlichen oder anderen Gründen auf Bohnenkaffee verzichten möchte, kann auf Kaffeeersatzprodukte, die durch ihre Farbe, den Geruch und den Geschmack an Kaffee erinnern, zurückgreifen.

Not macht bekanntlich erfinderisch

Kaffee war lange Zeit ein Luxusgut, das sich nur Adelige und reiche Bürger leisten konnten. Auch in Not- und Kriegszeiten war Kaffee nur schwer zu bekommen. Als Friedrich der Große den Kaffeekonsum in seinem Reich für das gemeine Volk verbot, begann man nach Alternativen zu suchen.

Die Menschen fingen an, aus dem, was ihnen zur Verfügung stand, kaffeeähnliche Getränke zu brauen. Kaffeeersatz wurde früher oft auch aus Gründen der Sparsamkeit mit Bohnenkaffee vermischt. 

Kaffeeersatz wird auch heute vielfach geschätzt

Heute wird Kaffeeersatz gerne in der Naturkost verwendet, da er gegenüber dem Bohnenkaffee als gesünder angesehen wird und zudem kein Koffein enthält. Abhängig von der konsumierten Menge und der persönlichen Konstitution kann sich Kaffee auch nachteilig auf unsere Gesundheit auswirken: Kaffee ist infolge des Röstprozesses nicht für jeden verträglich, gilt als säurebildend und das enthaltene Koffein führt zum Gewöhnungseffekt/hat Suchtpotenzial.

Kaffeeersatz kann aus verschiedenen Wildpflanzen, Getreide, gerösteten Feigen oder Mischungen daraus hergestellt werden:

• Getreidekaffee: aus gemälzter oder ungemälzter Gerste, aus Roggen oder Dinkel

• Kaffee aus gerösteten Feigen

• Wildpflanzenkaffee: aus Eicheln, Bucheckern, Kastanien, Löwenzahn, Weißdorn, Lupinen, Labkraut oder Hagebutten. Besonders verbreitet ist Zichorienkaffee aus der Wurzel der Wegwarte. Die gesammelten Früchte, Samen oder Wurzeln werden getrocknet, wie Kaffee geröstet und gemahlen. 

Ob pur oder als Mischung – jede Zutat hat ihre eigenen Geschmacksnuancen: Zichorie oder Eichel geben dem Kaffee mit ihren Bitterstoffen eine leicht herbe Note, Gerstenmalz und Feige verleihen dem Ersatzgetränk etwas Süße und Getreidekörner sorgen für würzig-kräftige Röstaromen. Anbei eine kleine Auswahl an Kaffeeersatzprodukten mit Wissenswertem zur Zubereitung und Wirkung:

Lupinenkaffee ist im Geschmack dem echten Kaffee sehr ähnlich

Wenn man sich eine Tasse Kaffeeersatz wegen des „Kaffee“geschmacks gönnen möchte, sollte man den Lupinenkaffee probieren. Die Lupinen gehören zur Pflanzengattung der Hülsenfrüchte. Die (heimischen) Bohnen der Süßlupine werden wie Kaffeebohnen geröstet und gemahlen. Lupinenkaffee kann in der Kaffeemaschine zubereitet oder mit heißem Wasser aufgebrüht werden. Im Handel ist er auch als Espresso und Mokka erhältlich.

Zichorienkaffee ist der bekannteste Kaffeeersatz

Zichorienpulver-Kaffee ist wegen seines hohen Inulin-Gehaltes und anderen Inhaltsstoffen sehr bekömmlich. Um Kaffeepulver herzustellen, werden die Wurzeln der Wegwarte im Herbst ausgegraben, in Stücke geschnitten und getrocknet, anschließend ohne Fett geröstet und fein vermahlen. Zichorienkaffee schmeckt jedoch eher bitter und erinnert geschmacklich nur sehr entfernt an Kaffee.

Löwenzahnkaffee – Kaffeealternative aus dem Garten

Die Wurzeln des Löwenzahns werden in kleine Stücke geschnitten und zum Trocknen aufgelegt. Anschließend werden diese in einer Pfanne oder im Rohr geröstet (bis ein angenehmer Duft entsteht und sie gleichmäßig dunkel geworden sind). Für die Zubereitung werden die gerösteten Wurzelstücke in der Kaffeemühle portionsweise gemahlen.

Pro Tasse wird 1 Kl. Pulver mit einer Tasse Wasser aufgekocht und sofort abgeseiht – lässt man den Löwenzahnkaffee zu lange ziehen, wird er sehr bitter. Dieser Kaffeeersatz erinnert im Geschmack an Bohnenkaffee, wirkt verdauungsfördernd und stärkt das Herz.

Kaffeeersatz mit Getreide für den kurzen Energiekick

Kaffeeersatz mit Getreide – bevorzugt mit Gerste – lässt sich am einfachsten und schnellsten herstellen. Gerste (Getreidekörner) auf ein Backblech streuen und bei 200 °C ca. 15 Minuten rösten. Je dunkler die Körner, desto stärker wird der „Kaffee“. Anschließend werden die Körner gemahlen und zubereitet. 3 Kl. Pulver werden mit einer Tasse kochendem Wasser übergossen – fertig!

Kaffee aus Getreide ist magenfreundlich und die Leber- und Gallenfunktion wird angeregt. Der enthaltene Malzzucker wird schnell resorbiert und liefert daher einen kurzfristigen Energieschub bzw. steigert kurzfristig die Konzentrationsfähigkeit, ähnlich dem herkömmlichen Kaffee.