Lebensmittelgütesiegel

Lebensmittelgütesiegel

Zählen Sie zu jenen Konsumenten, die gerne fair gehandelte Produkte der Dritten Welt beziehen? Schätzen Sie Fleisch, dessen Herkunft Sie nachvollziehen können? Bevorzugen Sie gar Bio-Eier, weil Sie die Produktionsbedingungen der herkömmlichen Landwirtschaft untragbar finden? Dann achten Sie auf die Verpackung: dort angebrachte Qualitätszeichen bieten rasche Orientierung. Doch wird alles gehalten, was damit versprochen wird?

Versucht man, die Anzahl der in Österreich in Verwendung befindlichen Qualitätssiegel zu recherchieren, stößt man ob der Vielzahl rasch an die Grenzen – und gelangt zu einer interessanten Erkenntnis: die Mehrzahl an goldglitzernden, rot-weiß-roten, grünen und sonstigen Emblems stammen nicht von unabhängigen Institutionen, sondern Unternehmen haben diese ihren Produkten selbst verliehen.

Supermarktketten Vorreiter

In erster Linie Supermarktketten, allen voran die REWE Gruppe, adeln eigene Produkte gerne mit Auszeichnungen wie „Bauernhof Garantie“.

Die heutige REWE-Tochter Billa war mit der Marke „Ja! Natürlich“ und deren Schöpfer Werner Lampert vor über 20 Jahren auch Bio-Pionier im österreichischen Lebensmittelhandel. Lampert hat sich längst zurückgezogen, die Marke hat Bestand – und scheint das in sie gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen.

Auch die Spar-Gruppe bedient sich mit „Spar Natur pur“ einer ähnlichen Strategie. Meist werden Bezeichnungen dieser Art von den Unternehmen mit strengen Kriterien unterlegt und einer freiwilligen Kontrolle durch ein unabhängiges Prüfinstitut unterzogen.

Allerdings: Bei Bezeichnungen, die auch nur in die Nähe von „Bio“, „Öko“ oder „Natur“ kommen, bleibt dem Unternehmen ohnehin keine andere Wahl.

„Bio“ ist streng geregelt

Denn „Bio“ mit all seinen verwandten Begriffen ist die einzige Kategorie, bei der das Unternehmen verpflichtet ist, neben den üblichen Kontrollen der Lebensmittelaufsicht mindestens einmal jährlich eine zusätzliche Überprüfung durch eine akkreditierte Kontrollstelle durchführen zu lassen.

Dies ist auch der Grund, warum auf der Verpackung solcher Produkte neben firmeneigenen Qualitätssiegeln verpflichtend das EU-Bio-Logo prangt. Dieses ist somit, gesetzeskonformes Vorgehen der Hersteller vorausgesetzt, ein zu 100% verlässlicher Maßstab.

Wird ein Produkt als „Bio“ eingestuft, hat es sich strengen Kriterien auf allen Verarbeitungsstufen zu unterwerfen.

Im Ackerbau steht der Verzicht auf Stickstoffdünger im Vordergrund, ebenso sind mehrjährige Fruchtfolgen zum Erhalt der Lebendigkeit des Bodens vorgeschrieben.

In der Viehhaltung dreht sich alles um die „artgerechte Tierhaltung“. Dies betrifft vor allem die sogenannten „Besatzdichten“, hier ist klar geregelt, wieviel Bewegungsfreiheit einem Tier zugestanden werden muss.

Beim Futter muss ein gewisser Anteil am eigenen Hof produziert werden. Schließlich unterliegen auch die weiteren Verarbeitungsstufen einem genauen Regelwerk.

Regionale Prüf- und Qualitätszeichen

Ähnlich klare Regelungen wie für „Bio“-Produkte finden sich nur bei Regionsbezeichnungen, die ebenso von offiziellen Stellen vergeben werden.

So bieten EU-Labels wie die „Geschützte Ursprungsbezeichnung“ dem Konsumenten eine hervorragende Orientierung. Diese garantiert, dass sämtliche Produktionsschritte eines Produkts innerhalb eines abgegrenzten Gebiets erfolgt sind.

Regionale Herkunftsbezeichnungen wie diese werden oft mit zusätzlichen Qualitätskriterien kombiniert, wie es beim AMA Gütesiegel der Fall ist. Ein Produkt, das damit ausgezeichnet wird, wurde unabhängigen Kontrollen unterzogen, erfüllt überdurchschnittliche Qualitätskriterien, und seine Herkunft ist lückenlos nachvollziehbar.

Das AMA Gütesiegel kann, wie auch andere Qualitätssiegel der Agrarmarkt Austria, als zuverlässig gelten.

Hervorzuheben sind dabei unter anderem das AMA-Gastrosiegel („Kulinarisches Erbe“), das Gastwirten verliehen wird, die sich dem regionalen Einkauf verschrieben haben.

Das Label „Gutes vom Bauernhof“ wiederum darf von bäuerlichen Direktvermarktern getragen werden, die garantieren, dass nur das verkauft wird, was direkt am Hof gewachsen ist und dort verarbeitet wurde.

Zahlreiche „wilde“ Zusammenschlüsse

Organisationen wie der AMA gesteht der Konsument in der Regel hohe Glaubwürdigkeit zu, ebenso Vereinen mit wohltätigem Charakter wie Fairtrade. Anders verhält es sich mit Initiativen der privaten Wirtschaft.

Tatsächlich werden dort immer wieder schwarze Schafe ausgemacht, die weniger durch ihr Qualitätsbewusstsein als durch ihre irreführenden Qualitätsangaben glänzen.

Doch die Mehrzahl der – meist durch Zusammenschlüsse von Produzenten bzw. Anbietern ins Leben gerufenen – Gütesiegel und Regionalmarken arbeitet seriös und unterwirft sich externen Kontrollen durch unabhängige Prüfer.

Einige von Ihnen, etwa „frisch-saftig-steirisch“, eine Dachmarke für Äpfel steirischer Herkunft, sind mittlerweile im Bewusstsein heimischer Konsumenten positiv verankert.

In der Regel kann man sich als Verbraucher auch auf die Zuverlässigkeit von Aussagen solch privater Initiativen verlassen. Dennoch lohnt es sich, wachsam zu bleiben und Gütesiegel - wie auch andere vom Hersteller ausgehende Aussagen über Produkte - mit kritischer Distanz zu betrachten.

 

Weiterführende Links:

Im Zeichen der Fairness?
Alles Bio?!
Agrarmarkt Austria
Übersicht Lebensmittel-Gütezeichen