Dumpster-Diving, Dumpstern, Containern, Mülltauchen

Was ist Dumpstern, Dumpster-Diving, Containern?

Täglich werden in allen Supermärkten Produkte aussortiert. Diese wandern geradewegs in den Müll. Schon ein Fehler der Verpackung macht die Ware unverkäuflich, zumindest aus Sicht der Supermarktketten. Dumpstern zeigt auf, wie die heutige Wegwerfgesellschaft lebt. Das Eintauchen in Müllcontainer ist für viele die Alternative zum Einkauf geworden.

Im Supermarkt werden täglich Waren aussortiert. Aufgrund von Verpackungsfehlern, Überschreitungen des Haltbarkeitsdatums oder anderen „Fehlern“ der Produkte, werden diese weggeworfen. An hungrige oder hilfsbedürftige Menschen darf nichts verteilt werden, schreibt die Gesundheitsbehörde vor. Würde jemand etwa aufgrund abgelaufener Lebensmittel erkranken, so könnte nämlich der Supermarkt verklagt werden.

Freilich ist nur ein sehr kleiner Teil der entsorgten Produkte nachweislich nicht mehr genießbar. Für Mülltaucher lassen sich oft wahre Schätze am Boden von Containern finden. Auch wenn dieses Verhalten im ersten Moment Befremden hervorruft, so ist Dumpster Diving (Mülltauchen) längst mehr als ein Hype verwöhnter Studenten. Sie nutzen schlicht das bei Supermärkten längst zur Routine gewordene Entsorgen nicht mehr ganz frischer Lebensmittel und zeigen damit gleichzeitig, welche Massen vollkommen unnötig weggeschmissen werden.

Der Rewe Konzern (Billa, Merkur, Bipa,...) und Spar geben an, dass nur 1% der Produkte weggeworfen werden. Und es wird betont, dass ein Teil davon sehr wohl auch gespendet wird. Das ist übrigens nach Angaben der Konzerne die einzige Möglichkeit, wie die Produkte vor der Entsorgung bewahrt werden können. Das Rote Kreuz, die Caritas oder die Wiener Tafel sind beispielsweise Empfänger von aussortierter Ware.

Was ist Dumpstern eigentlich genau?

Dumpstern, auch Containern oder Mülltauchen genannt, bezeichnet die Mitnahme entsorgter Lebensmittel aus Abfallcontainern von Supermärkten. Viele Menschen decken so ihren Bedarf an Lebensmittel durch den Inhalt von Mülltonnen. Dumpstern ist dabei kein Phänomen, dass nur Menschen aus ärmlichen Verhältnissen anspricht. Vor allem viele Junge gehen aus ideologischen Gründen auf die Suche nach Essen im Müll. Dumpster Diving bezeichnet nicht nur die Suche nach Lebensmitteln, sondern auch die Suche nach Wertgegenständen.

Frische Ware

Das Lebensministerium in Österreich gibt an, dass 157.000 Tonnen Lebensmittel jährlich entsorgt werden. Laut einer Studie der Universität für Bodenkultur in Wien sind 16% davon Brot. Damit könnte man ganz Graz versorgen. Viele Produkte werden nicht weggeworfen, weil das Haltbarkeitsdatum überschritten ist, sondern aus anderen Gründen. Beispielsweise werden sie entsorgt, wenn ein Verschluss kaputt ist. Auch wenn die Ware dabei immer noch komplett verschlossen ist. Teilweise schaffen es Lebensmittel gar nicht bis in den Supermarkt, sondern werden gleich weggeworfen. So kann es sein, dass ein LKW aus Spanien direkt zum Müllplatz fährt. Dieser war zuvor am Großmarkt, um seine Produkte zu prüfen. Dort gab es Mängel, zum Beispiel, dass der LKW nicht genug gekühlt wurde. In diesem Falle dürfen die Lebensmittel gar nicht erst zum Verkauf angeboten werden. Täglich werden so bis zu 5 Tonnen Müll weggeworfen!

„Davon wird man doch krank!“

Der Verzehr von entsorgtem Obst, Gemüse, Gebäck oder Konservendosen ist prinzipiell gesundheitlich unbedenklich. Viele Produkte sind einwandfrei, auch wenn das Haltbarkeitsdatum bereits überschritten ist. Trotzdem sollte man beim Dumpstern darauf achten, dass man die Lebensmittel zu Hause gut säubert. Wenn sie gut riechen und kein Schimmelbefall zu sehen ist, kann nichts passieren. Auf der sicheren Seite ist man bei verpackten und unbeschädigten Lebensmitteln.
Rechtliche Lage

Prinzipiell gehört der Müll in den Containern niemandem. Doch die Mülltonnen stehen auf privatem Boden. Es handelt sich also um eine Grauzone. Wird ein Schlüssel benötigt oder müssen Zäune und Absperrungen überwunden werden, handelt es sich um Hausfriedensbruch. Ist also prinzipiell strafbar. Aber es kommt selten vor, dass Personen festgenommen werden. Die meisten hatten noch nie Probleme. Wird der Diebstahl durch Mitarbeiter entdeckt, wird meist nur ermahnt. Die Polizei wird so gut wie nie gerufen, denn diese interessiert sich nicht für den Diebstahl von „wertloser“ Ware. Es kommt jedoch immer wieder vor, dass Personen wegen Hausfriedensbruch vor Gericht stehen.

Viele Ketten schieben einen Riegel vor

Oftmals schließen Läden ihre Müllräume oder einzelne Container ab. Sie wollen verhindern, dass Personen Ware mitnehmen. Wer dumpstern geht, geht nicht einkaufen, das ist den Konzerne natürlich ein Dorn im Auge. Vermehrt gibt es auch sogenannte Presscontainer, in denen die Produkte gepresst werden. Diese können danach nicht mehr verwendet werden. Sogar Waschmittel oder ähnliches wird in die Container geleert, um die Ware ungenießbar zu machen. Nicht selten kommt es vor, dass zu Ladenschluss heftig diskutiert wird. Dumpster versuchen mit Geschäftsführern zu sprechen und auf die Problematik der Überproduktion aufmerksam zu machen.

Mistkübelstierer oder politischer Aktionismus?

Menschen, die containern wollen auf die Wegwerfgesellschaft und die Überproduktion von Lebensmitteln aufmerksam machen. Sie sind meist Gegner des Kapitalismus. Eine politisch kritische Einstellung ist also ein ganz wesentlicher Faktor bei diesem Trend, wenngleich absolut keine Voraussetzung.

Wie viele Dumpster in Österreich unterwegs sind, kann nicht gesagt werden, darüber fehlen Aufzeichnungen. Doch ein gewisser Trend lässt sich vor allem bei der jungen, aktivistischen Generation durchaus feststellen. Sie sind spät abends unterwegs, mit Handschuhen, dunkler Kleidung und Taschenlampen. Die einen wollen ein Statement setzen und die Bevölkerung zum Nachdenken anregen, die anderen nutzen das Verhalten der Konzerne um sich kostensparend mit Lebensmitteln einzudecken und immer mehr Menschen haben gar keine andere Wahl mehr als sich auf diese Art das Überleben zu sichern.

Weiterführende Links:

www.wienertafel.at
www.dumpstern.de
Das gute Essen aus der Mülltonne?
Nachhaltig Einkaufen