Lebensmittelzusatzstoffe

Was Sie über Lebensmittelzusatzstoffe wissen müssen

Glutamat, E 202, Zitronensäure und Sulfite - die Zutatenliste vieler Lebensmittel gleicht heutzutage einem Chemielabor! EU-weit sind rund 320 Lebensmittelzusatzstoffe zugelassen und gelten als gesundheitlich unbedenklich. Doch immer wieder tauchen neue Studien auf, die vor den Risiken gewisser Zusatzstoffe warnen. Wie gefährlich sind Lebensmittelzusatzstoffe wirklich?

Lebensmittelzusatzstoffe - was ist das überhaupt?

Damit die Packerlsuppe nicht klumpt, die Semmel ihre schöne Farbe erhält und die Salami ihr typisches Raucharoma, sind EU-weit mehr als 300 Lebensmittelzusatzstoffe zugelassen. Zusatzstoffe dienen dazu, Lebensmittel in ihrer Beschaffenheit, ihren Eigenschaften oder ihren Wirkungen zu beeinflussen. Dazu werden sie in verschiedene Kategorien eingeteilt. 

 Grob lassen sich folgende Gruppen von Zusatzstoffen unterscheiden:

  • Emulgatoren ermöglichen, dass sich sonst nicht mischbare Stoffe verbinden.
  • Farbstoffe tragen zu einem ansprechenden und appetitanregenden Erscheinungsbild der Lebensmittel bei.
  • Geschmacksverstärker intensivieren das natürliche Aroma der Lebensmittel.
  • Konservierungsstoffe erhöhen die Haltbarkeit von Lebensmitteln.
  • Süßungsmittel werden vor allem zum kalorienarmen Süßen von Getränken und diätetischen Produkten eingesetzt. 

Kennzeichnung mit E-Nummern

Erkennbar sind Lebensmittelzusatzstoffe an den E-Nummern (das E steht als Abkürzung für „Europa“ aber auch für „edible“ = engl. essbar), die in allen Ländern der EU gelten. Zudem müssen Zusatzstoffe mit entsprechender E-Nummer oder Namen in der Zutatenliste aller konservierten und verarbeiteten Lebensmittel deklariert werden.

Strenge Zulassungsverfahren und Höchstmengen

Bevor ein Zusatzstoff zugelassen wird, muss er ein strenges Zulassungsverfahren durchlaufen und von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als gesundheitlich unbedenklich eingestuft werden.

Während manche Stoffe ohne Mengenbegrenzung in allen Lebensmitteln verwendet werden dürfen, wird der Einsatz anderer Lebensmittelzusatzstoffe beschränkt und Höchstmengen werden vorgeschrieben.

Zur Sicherheit haben Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sogenannte ADI-Werte (engl. "Acceptable Daily Intake") festgelegt, die den Höchstwert der erlaubten täglichen Aufnahmemenge angeben.

E-Nummern - gesundheitlich unbedenklich?

Immer wieder tauchen neue Studien auf, die Lebensmittelzusatzstoffe mit der Entstehung von Krankheiten wie z. B. Krebs, Alzheimer oder Zahnschäden in Verbindung bringen.

Zudem sollen einige Zusatzstoffe bei entsprechend veranlagten Menschen zu Unverträglichkeitsreaktionen und Allergien führen.

Vor allem Farbstoffe (Azofarbstoffe) sind dafür bekannt, dass sie sogenannte Pseudoallergien auslösen können. Das sind Unverträglichkeitsreaktionen, bei denen ähnliche Symptome wie bei Allergien (z. B. Asthma, Hautödeme, Nasenbluten) auftreten können, ohne dass das Immunsystem beteiligt ist.

Des Weiteren gelten Wechselwirkungen – also wie Zusatzstoffe wirken, wenn mehrere gleichzeitig aufgenommen werden – als große Gefahrenquellen, sind aber noch nicht ausreichend untersucht. Strittig ist auch, ob die Ergebnisse aus Tierversuchen auf den Menschen übertragen werden können.

Bis 2020 will die EFSA  jedenfalls alle der 320 in der EU erlaubten Zusatzstoffe neu prüfen!

Können Zusatzstoffe krank machen?

Verbraucherschützer empfehlen Konsumenten, vor allem Kindern und Allergikern, bestimmte Zusatzstoffe nur selten oder in geringen Mengen zu verzehren.

Hier einige Zusatzstoffe und E-Nummern, auf die Sie in Zukunft besonders achten sollten, da sie im Verdacht stehen, Nebenwirkungen hervorzurufen bzw. - unter bestimmten Bedingungen - eventuell sogar Krankheiten auszulösen:

Unverträglichkeitsreaktionen (Pseudoallergien)

  •  E 620 - 625 (Glutaminsäure und Glutamate) gehören zur Gruppe der Geschmacksverstärker. Sie werden mit der Entstehung des sogenannten "China-Restaurant-Syndroms" in Verbindung gebracht - einer Art pseudoallergischer Reaktion, ausgelöst von chinesischem Essen, das häufig den Geschmacksverstärker Glutamat enthält. Nach dem Verzehr dieser Speisen klagen viele Betroffene über Kopf- und Gliederschmerzen, Taubheit im Nacken sowie Übelkeit.

Hier eine Auswahl der 50 weiteren Lebensmittelzusatzstoffe, die mit Allergien und allergieähnlichen Symptomen in Verbindung gebracht werden:

  • E 221-228 (Sulfite) u. a. in Fruchtsäften, Trockenfrüchten, Konservengemüse oder Wein
  • E 180 (Litholrubin BK) darf nur für die Herstellung von essbarer Käserinde, Lippenstift und Make-up verwendet werden
  • E 214-219 (PHB-Ester und Benzoate) u. a. in Fischprodukten, Feinkostsalaten, Süßwaren, Fruchtsäften
  • E 100 (Kurkumin) wesentlicher Bestandteil von Curry
  • E 123 (Amaranth) u. a. in Gummibärchen, Smarties
  • E 410 (Johannisbrotkernmehl) häufig in Diabetikerlebensmitteln zu finden
  • E 412 (Guarkernmehl) u. a. in Soßen, Suppen, Eis, Marmeladen

ADHS (Zappelphilipp-Syndrom)

Vom Verzehr von Azofarbstoffen (sie verstecken sich vor allem in bunten Süßwaren und Getränken!) raten die meisten Verbraucherschützer generell ab!

2007 berichtete das Fachmagazin “The Lancet“ über eine britische Studie, die herausgefunden hatte, dass Azofarbstoffe das Risiko bei Kindern erhöhte, ein überaktives Verhalten (das sog. Zappelphilipp-Syndrom – ADHS = Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) zu entwickeln.

Seit 2011 müssen Lebensmittel mit folgenden Azofarben einen Warnhinweis tragen: "Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen."

•    E 102 (Tartrazin)
•    E 110 (Gelborange S)
•    E 122 (Azorubin)
•    E 124 (Cochenillerot)
•    E 129 (Allurarot)
•    E 104 (Chinolingelb)

Darüber hinaus stehen diese Farbstoffe, insbesondere Tartrazin (in Senf, Kunsthonig, Knabberartikeln und Fischprodukten) im Verdacht, Pseudoallergien auszulösen.

Krebs

Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung fordert die (Neu-) Festlegung von Höchstmengen folgender Zusatzstoffe, da sie im Verdacht stehen, krebserregend zu sein:
•    E 249, E 250, E 251, E 252 (Nitrate und Nitrite)
•    E 320 (Butylhydroxianisol)
•    E 321 (Butylhydroxitoluol)
•    E 951 (Aspartam)
•    E 962 (Aspartam-Acesulfamsalz)
•    E 952 (Cyclamat)
•    E 954 (Saccharin)
•    E 150 a-d (Zuckerkulör und Cola-Farbstoff)
•    sowie E 160a (Beta-Carotin)
Auch Produkte, die Aspartam enthalten, müssen mit einem Warnhinweis "Enthält Phenylalanin" versehen sein, da der Süßstoff bei empfindlichen Menschen zu Kopfschmerzen, Gedächtnisbeeinträchtigung oder Sehstörungen führen kann.

Alzheimer

Aluminium (als Überzüge von Zuckerwaren, für die Dekoration von Kuchen und feinen Backwaren zugelassen) steht im Verdacht, an der Entstehung von Alzheimer beteiligt zu sein.
Ob und inwiefern auch die aluminiumhaltigen Lebensmittelzusatzstoffe (E 173, E 520, E 521, E 522, E 523, E 541) bei der Entstehung von Alzheimer eine Rolle spielen, ist noch nicht ausreichend erforscht.

Knochenschäden

Vorsicht auch bei den Phosphaten (E 338, E 339, E 340, E 341, E 343, E 450, E 451 und E 452). Sie kommen in Fleisch- und Wurstwaren, Fischkonserven, Backwaren, Schmelzkäse, Puddingpulver und Babybrei vor.
Phosphatreiche Lebensmittel standen lange Zeit in dem Ruf, Knochenschäden hervorzurufen, da sie Kalzium aus den Knochen lösen.
Zudem sollen sie insbesondere für nierenkranke Patienten eine große Gefahr darstellen, da sie den Phosphatspiegel im Blut erhöhen. Dies kann zu Herzerkrankungen und zum vorzeitigen Tod führen!

Zahnschäden

Viele (zuckerreiche) Erfrischungsgetränke enthalten die starke Zitronensäure (E 330).
Man findet sie aber auch in Süßwaren, Marmeladen, Käse- und Fleischprodukten, Teigwaren und Speiseeis. Zitronensäure ist an der Entstehung von Zahnschäden wie Erosionen und Karies beteiligt.


Weiterführende Links:

Lebensmittelzusatzstoffe als Krebsrisiko
Zusatzstoffe online
Lebensmittelzusatzstoffe und ihre Neubewertung in der EU
Kennzeichnung von Aromastoffen - Geschmack aus der Retorte