Wein – gesundes Lebenselixier oder ungesunder Genuss?

Gesundheitselixier, Getränk, Genussmittel oder Gift: Wo liegt die Wahrheit?

Wein soll gut für die Gesundheit sein, hört man vielerorts. Vor allem Rotwein würde vor Herzinfarkt und Demenz schützen können. Doch ob dafür spezielle Stoffe im Wein, der Alkohol oder ganz einfach der Lebensstil von Weintrinkern ausschlaggebend ist, konnte noch keine Studie eindeutig zeigen.

In vino veritas

Die meisten Untersuchungen zum Thema „Wein und Gesundheit“ sind epidemiologische Studien, bei denen Probanden verschiedener Gruppen miteinander verglichen werden. Andere Studien zeigen lediglich Laborergebnisse auf, wobei sich die Frage stellt, wie genau Ergebnisse aus der Petrischale auf den menschlichen Organismus übertragbar sind.

Die Ergebnisse der Vergleiche zeigen fast durchwegs, dass mäßige Weintrinker in Bezug auf das Risiko für manche Erkrankungen, die zum Tod führen können, besser dran sein dürften als Nichttrinker. So ist beispielsweise das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen für Weingenießer um 25 Prozent geringer.

Als Grund dafür geben Wissenschaftler den Einfluss von Wein auf das gefäßstärkende HDL-Cholesterin sowie die blutverdünnende Wirkung von Alkohol an. Professor Hans Konrad Biesalski von der Universität Hohenheim konnte in Laborversuchen zeigen, dass Rotwein die Gefäße besser schützt als Weißwein; Letzterer schützt diesbezüglich aber immer noch besser als reiner Alkohol oder auch Traubensaft. Zusätzlich zum Alkoholgehalt müssen also noch andere Wein-Inhaltsstoffe positiv auf die Gesundheit wirken.

Wein enthält natürlich weitaus mehr Inhaltsstoffe als Alkohol und Aromen. Die im Wein enthaltenen Polyphenole wirken nicht nur als Farbstoffe, sondern auch als Antioxidantien und schützen damit die Körperzellen. Das durch den Herstellungsprozess im Rotwein stärker angereicherte Resveratrol beschert ihm den Ruf, besonders gesund zu sein. Doch wie definiert man mäßigen Weinkonsum oder einfach gefragt: Wie viel Wein ist noch gesund? 

 

Die Dosis macht das Gift

Ob Wein die Gesundheit fördert, hängt vor allem vom Lebensstil ab. Wie oft, wie viel und wann Wein genossen wird, dürfte auch Rückschlüsse darauf erlauben, wie sehr jemand generell auf die Gesundheit achtet. Alle Vorteile von Wein, ob nun verringertes Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Demenz, kehren sich allerdings bei zu großer Dosis ins Gegenteil um, etwa in Form von Leberschädigung, Krebs oder psychischen Problemen. 

Die Weltgesundheitsorganisation WHO rät dazu, den täglichen Alkoholkonsum auf maximal zehn Gramm pro Tag für Frauen und 20 Gramm pro Tag für Männer dauerhaft zu beschränken, um körperliche Auswirkungen zu vermeiden. 

Zehn Gramm Alkohol stecken etwa in einem Achtel Wein, in einem kleinen Bier (0,3 Liter) oder einem mittelgroßen Schnaps (3 cl). Der Epidemiologie-Professor Ulrich Keil aus Münster hält die WHO-Tageslimits allerdings für sehr vorsichtig gewählt und nennt – wie auch andere Forscher – 20 Gramm für Frauen und 30 Gramm für Männer als Obergrenze pro Tag.

Diese Obergrenzen sollten natürlich keinesfalls als Anregung zum täglichen Genuss herangezogen werden, denn an mindestens zwei Tagen pro Woche sollte auf Alkohol gänzlich verzichtet werden. Auch das Zusammenzählen der Tageslimits und ein geballter Konsum an einem Tag ist nicht ratsam: Für Frauen gilt eine Obergrenze von drei Achtel Wein oder drei kleinen Bier an einem einzelnen Tag, Männer dürfen ein Glas mehr trinken.

Ungeachtet der körperlichen Auswirkungen birgt problematischer Alkoholkonsum ein gewisses Suchtpotenzial und psychische Risiken, weswegen „gesunder Genuss“ immer individuell zu betrachten ist. 

Wein ist kein Getränk

Aus Sicht der Ernährungswissenschaft ist Wein ein Genussmittel. Wer Wein genießt, sollte daher immer ein großes Glas Wasser hinzunehmen, um nicht dazu verleitet zu werden, Wein gegen den Durst zu trinken. So behält man die Menge an Wein besser im Überblick.

Betrachtet man den Energiegehalt von Wein, dann schlägt ein Achtel Wein mit 100 bis 120 Kilokalorien zu Buche. Zwei Gläser Wein enthalten dementsprechend bereits zehn Prozent des durchschnittlichen täglichen Energiebedarfs. Wer auf eine schlanke Figur achtet, sollte daher maßvoll genießen.