Zucker

Aktualisiert am: 10.03.2003

Mythen zum Zucker

Univ. Prof. Dr. Ibrahim Elmadfa, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung und Vorstand des Instituts für Ernährungswissenschaften an der Universität Wien hat hartnäckige Mythen rund um den Zucker entlarvt.

Mythos Nr.1: Und ewig lockt das "Süße".
Süßes wird zunehmend Verursacher von Schuldgefühlen, dabei ist es von zentraler Bedeutung für unser Wohlbefinden. Der Umgang mit Süßigkeiten ist aber durch rigide Vorsätze und schlechtes Gewissen geprägt. Süßes hat jedoch als Denkinhalt mehr negative Auswirkungen denn als Mageninhalt!

Mythos Nr.2: Zuckerhaltige Speisen bewirken einen dramatischen Anstieg und anschließenden Abfall des Blutzuckerspiegels.
Diese Annahme gilt als überholt. Die neue Zauberformel heißt glykämischer Index! Der glykämische Index (GI) bezeichnet eine Methode, den Effekt von Lebensmitteln auf den Blutzuckerspiegel zu bestimmen. Ausgehend vom GI von Glucose mit 100 werden alle anderen Lebensmittel danach eingestuft, wie schnell sie den Blutzucker steigern. Bei einem niedrigen Index gehen die Kohlenhydrate langsamer ins Blut, was vor allem für Diabetiker wichtig ist. Moderate Mengen von saccharose-hältigen Süßigkeiten, wie beispielsweise Konfekt, bewirken einen weniger dramatischen Anstieg als bisher angenommen.

Mythos Nr.3: Brauner Zucker ist gesünder als weißer Zucker.
Weder Braunzucker noch Rohzucker haben gegenüber dem weißen Zucker entscheidende Vorteile. Auch Trauben- oder Fruchtzucker ist keineswegs gesünder als herkömmlicher Zucker. Auch Honig besteht zu 80 Prozent aus Trauben- und Fruchtzucker und hat mit den wenigen Mineralstoffen und Vitaminen keine Bedeutung für die Bedarfsdeckung. Womit man sich sein Leben versüßt ist also reine Geschmackssache.

Mythos Nr.4: Zucker als Pilzfalle?
Immer wieder wird über den Nutzen einer sogenannten "Anti-Pilz-Diät" bei dem häufig vorkommenden Candida albicans Pilz berichtet. Zahlreiche Symptome wie chronische Müdigkeit, Depressionen etc. sollen damit einhergehen. Durch eine zuckerfreie Kost soll dieser Pilz bekämpft werden. Diese Annahme ist jedoch nicht wissenschaftlich untermauert. Eine "Anti-Pilz-Diät" ist sogar eher nachteilig, weil neben dem Verzicht von Zucker auch ein Verzicht auf frisches Obst empfohlen wird. Obst ist aber gerade ein wichtiger Lieferant von Mineralstoffen, Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen. Ganz anders verhält es sich allerdings bei einer Candidamykose, die eine ernstzunehmende Infektionskrankheit ist und mit Medikamenten behandelt werden muss!

Mythos Nr.5: Diabetiker sollten Zucker meiden.
Die aktuellen Empfehlungen (z.B. der deutschen Diabetesgesellschaft) erlauben mittlerweile eine moderate Zuckermenge ,da die Aufnahme von Zucker im Rahmen einer Mahlzeit wenig Auswirkung auf die Blutzucker- und Insulinkonzentration hat. Eine optimale, zeitgemäße Diabetikerernährung liegt insgesamt sehr nahe bei den Empfehlungen für Gesunde: abwechslungsreiche Mischkost.


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