Adrenalin und Adventure

Adrenalin & Adventure

Wingsuit-Fliegen, Base-Jumping, Apnoe-Tauchen, Kitesurfing.... Immer mehr Menschen sind auf der Suche nach dem ultimativen Kick und gehen zum Teil hohe Risiken ein. Ein falscher Tritt, eine Sekunde Unaufmerksamkeit und das ganze Leben verändert sich. Über Adrenalin-Junkies und Sekunden, die über Leben und Tod entscheiden.

Angst scheint für Extremsportler Christof Wandratsch ein Fremdwort zu sein. In einem Interview mit Spiegel Online erzählt der passionierte Freiwasserschwimmer, dass er im offenen Meer durch Quallenfelder krault, dabei Haien begegnet und bei minus 20 Grad Wassertemperatur schwimmt - ohne Neoprenanzug versteht sich!

Dass bereits ein Wadenkrampf sein Leben gefährden könnte, ist dem Adrenalin-Junkie bewusst. Doch warum riskieren intelligente und erfolgreiche Menschen wider alle Vernunft ihr Leben?

Das Extreme: Ein gesellschaftlicher Trend?

Der wohl bekannteste Extremsportler der Welt, Felix Baumgartner, fesselte im Oktober 2012 über 10 Millionen Menschen an den Bildschirm, als es ihm mit einem Fallschirmsprung gelang, als erster Mensch im freien Flug die Schallmauer zu durchbrechen.

In der Unterhaltungs-Show „Joko gegen Klaas“ duelliert sich das Moderatoren-Duo in skurrilen, teils lebensgefährlichen Mutproben wie Eistauchen, Halo-Jump oder Bungee-Jumping.

Am 6. Juni 2013 tauchte der Österreicher Herbert Nitsch knapp 250 Meter tief, um seinen eigenen Weltrekord im Freitauchen zu verbessern. Dabei ließ er beinahe sein Leben.

Martin Kopp, Professor am Institut für Sportwissenschaften an der Universität Innsbruck, wundert das nicht. „Das Extreme ist zum gesellschaftlichen Trend geworden“, weiß er. „Wenn sich die Freizeitkultur so weiterentwickelt, werden Sportarten in Zukunft noch extremer werden“, so Kopp.

Lust auf Nervenkitzel

Das Interesse an Risiko und Nervenkitzel wird zunehmend größer: Menschen wollen selbst einmal aus dem Flugzeug springen, mit einem Gleitschirm fliegen, sich von Steilwänden abseilen, Tourenskigehen oder per Kajak durchs Wildwasser toben.

Wir wollen neue, einzigartige Eindrücke gewinnen und den Alltag hinter uns lassen. Hinzu kommt, dass sich Menschen heutzutage immer mehr über ihre Freizeit und deren Gestaltung definieren.

Der Hype um Extremsportarten hat jedoch seinen Preis. Immer mehr unerfahrene Extremsportler erleiden zum Teil schwere Verletzungen, wenn an und für sich harmlose Sportarten plötzlich bis zum Extrem getrieben werden.

Zudem wissen viele unerfahrene Athleten ihre Kompetenz und Fähigkeit nicht richtig einzuschätzen, sagt Marie Ottilie Frenkel, Sportpsychologin an der Uni Heidelberg. „Daran können Freizeitsportler im Gegensatz zu Profis schnell scheitern", so die Sportpsychologin.

Extremsport: Was ist das eigentlich?

Eine genaue Definition für Extremsport gib es nicht. Prinzipiell kann jede sportliche Aktivität extrem werden, bei der es zu einem Adrenalin-Kick kommt und bei deren Ausübung der Sportler ein hohes Risiko auf sich nimmt.

Bei den meisten Extremsportarten wird das Leben des Sportlers freiwillig in Gefahr gebracht. Immer mehr Extremsportarten werden quasi illegal und ohne international anerkanntes Reglement ausgeübt. Streetracing, ein gesetzwidriges Auto- oder Motorradrennen im öffentlichen Straßenverkehr, ist, falls man Motorsport zu 'Sportarten' zählen will, dafür ein gutes Beispiel.

Sehr oft werden aber auch gewöhnliche Massensportarten mit gefährlichen Elementen kombiniert. So ist Laufen an sich harmlos, aber nicht, wenn man beim Ultramarathon Hunderte von Kilometern, bis zur völligen geistigen und körperlichen Erschöpfung, durch die heißesten Wüsten der Erde läuft.

Welche Extremsportarten sind im Trend?

Base-Jumping, Vulcano-Surfing, Cliff Diving, Canyoning, River Rafting, Free Solo Climbing, Hai-Tauchen, Eisschwimmen, usw. Die Liste der Extremsportarten ist lang und laufend kommen neue, noch extremere Sportarten hinzu.

Um einen Überblick zu bekommen, was unter Extremsport gemeint ist, kann zwischen Extremsportarten in der Luft, am Wasser, an Land und im Schnee bzw. Eis unterschieden werden.

Zu den Extremsportarten in der Luft zählen z. B.:
Base-Jumping, Wingsuit Flying, Mountain Flying, Sky-Diving (inklusive Halo-Jump), Sky Surfing, Acro-Paragliding, Hang Gliding, Jet Wing Flying, Train Surfing.

Zu den Extremsportarten am bzw. im Wasser zählen z. B.:
Hai-Tauchen, Cliff-Diving, Apnoetauchen, Wildwasser-Kanufahren, Wildwasserschwimmen, Canyoning, Hydrospeed, Big Wave Surfing, Kitesurfing, Einhandsegeln, River Rafting, Cave Diving, Unterwasserhockey.

Zu den Extremsportarten am Land zählen z. B.:
Bungee Jumping, Free Solo Klettern, Deep Water Soloing, Ultramarathon, Caving, Downhill, Racing, Buildering, Houserunning/Rockrunning, Highlining/Slacklining, Roofing, Volcano Boarding, Balconing.

Zu den Extremsportarten im Schnee und Eis zählen z. B.:
Freeride, Snowkiten, Eisklettern, Speed Flying, Eisschwimmen.

Selbstverwirklichung, Nervenkitzel und Grenzerfahrungen

„Man hat die totale Kontrolle über sich und fühlt sich beim Fliegen wie ein Vogel“, beschreibt der erfahrene Schweizer Base- und Fallschirmspringer Michael Schwery, sein Gefühl beim Wingsuit-Fliegen.

Extremsportler gehören zu den sogenannten High Sensation Seeker. Sie sind ständig auf der Suche nach abwechslungsreichen, neuen, intensiven Sinneseindrücken um Spannungsreize zu erleben. Während des Sports wechseln sich Phasen der Anspannung und Erleichterung ab. Die Erlösung aus diesem „qualvollen Zustand“ wird von den Extremsportlern als besonders lustvoll und intensiv erlebt.

Neben der Lust am Nervenkitzel, spielt aber auch das Verlangen nach Selbstverwirklichung und Identitätsfindung sowie die Lust, Grenzerfahrungen zu sammeln und die Flucht aus dem immer unerträglicher werdenden Alltag eine bedeutende Rolle für Extremsportler.

Achterbahn der Gefühle: Angstbewältigung und Flow

Extremsport kann wie eine Droge wirken, mit der sich Athleten in eine Art rauschähnlichen Zustand bringen. Körperliche Beschwerden werden nicht gespürt oder ernst genommen. Dieses Erlebnis wird in der Psychologie auch als „Flow“ (engl. „Fließen, Rinnen, Strömen“) bezeichnet.

Zudem kommt es nach einem lang anhaltenden Adrenalin-Rausch oder auch nur kurzen Adrenalin-Kick zur vermehrten Ausschüttung von Endorphinen, den sogenannten „Glückshormonen“.

Auch Angst und die Angstbewältigung sind für jeden Adrenalin-Junkie ein bedeutendes Thema. „Wenn du es schaffst, deinen Kopf zu kontrollieren, kontrollierst du deine Angst. Dazu gehört auch, Fehler zu akzeptieren. So schrumpft die Furcht vor Fehltritten automatisch“, weiß Alexander Schulz, amtierender Weltmeister im Slacklining.

Schließlich sei der Triumph über die eigene Angst, das größte Glücksgefühl!


Weiterführende Links:

Die 10 gefährlichsten Extremsportarten
Mountainbiken
Extremsport-Magazin
Radbekleidung