Haben Sie schon von Brazilian Jiu-Jitsu gehört?

Kampfkunststile wie Judo, Karate & Co sind vielen ein Begriff, aber wissen Sie, was Brazilian Jiu-Jitsu (BJJ) ist? Dieser spezielle Stil ist eine brasilianische Abwandlung und Weiterentwicklung des japanischen Judo und Jiu-Jitsu mit dem besonderen Schwerpunkt Bodenkampf.

Nicht nur deshalb ist dieser Stil auch eine sehr effektive Selbstverteidigungstechnik, gerade auch für durch Körpergröße und Gewicht eher unterlegene Menschen; denn man lernt dabei, mit Hebeltechniken zu arbeiten, indem Positionen eingenommen werden, die dank der Hebelwirkung die eigene Kraft verstärken und jene des Gegners verringern. Schlagen, Treten, Fingerstiche, das Greifen der Haare und Beißen sind dabei strengstens verboten.

Trainiert und Turnier gekämpft wird dabei oftmals im sogenannten „Gi“, einem lockeren Anzug samt Gürtel. Das Gürtelsystem nach Farben soll wie bei anderen Kampfkunststilen den Erfahrungsstand des jeweiligen Kämpfers kennzeichnen. So tragen Anfänger im BJJ weiße Gürtel, darauf folgen blaue, lila (mittleres Niveau), braune (fortgeschritten) und schwarze (Meistergrad).

Die Gürtel werden übrigens vom Meister verliehen, und zwar auf Basis der Trainingsfortschritte, nicht der Trainingszeit. Es geht dabei auch nicht darum, so schnell wie möglich den nächsthöheren Gürtel zu erlangen, sondern es ist vielmehr der Weg Richtung schwarzer Gürtel an sich, der entscheidend ist.

Durchhalten lernen

Gerade für Anfänger dieses Kampfkunststils geht es zu Beginn vor allem um eines: lernen durchzuhalten. Denn im Training auf der Matte kann es durchaus unangenehm werden.

Einerseits ist es gewöhnungsbedürftig, körperlich angegriffen und festgehalten zu werden, andererseits kommt beim Kampf auf dem Boden auch noch das beengende und auf einem lastende Gewicht des Gegners hinzu. Physisch wie mental lautet damit die Aufgabe, sich auf schwierige Situationen wie diese einlassen zu können und mit der Zeit zu lernen, dabei ruhig und entspannt zu bleiben und insbesondere einfach durchzuhalten.

So kann man trainieren, die Angriffe der Gegner zu vereiteln, muss aber nicht gleichzeitig – gerade als körperlich unterlegener Kämpfer – auch noch die Kraft für Angriffe aufwenden. Zudem ist die beste Verteidigung ohnehin immer jene, der Gefahr an sich aus dem Weg zu gehen. Wie das am besten gelingt und wie man lernt, vorteilhafte Positionen einzunehmen, wird im BJJ bewusst geübt.

BJJ macht mental stark

All das macht BJJ nicht nur zu einem effektiven und intensiven Ganzkörpertraining, sondern auch zu einem hervorragenden Mentaltraining und Selbstverteidigungs-programm. Wer seinen Geist unter Kontrolle hat, ruhig und konzentriert bleiben und auch durchhalten kann, wird generell in schwierigen wie auch in Notsituationen wesentlich besser zurechtkommen als jemand, der noch nie körperlicher Kraft ausgesetzt war und somit mit Schock und vielleicht auch Starre reagiert.

Auch wenn es beim Training auf der Matte fair zugeht, so ist es doch eine Bewegungsform, die für Körper und Geist anspruchsvoll ist und auf den ersten Blick meist vollkommen unterschätzt wird – bis man selbst auf der Matte steht und den ersten Angriff samt unterschiedlicher Techniken am eigenen Leib erlebt; und danach schweißgebadet und voller Respekt auf diesen Kampfkunststil blickt, der mit seinen Griffen, Positionswechseln und Techniken eine vollkommen neue, faszinierende, noch zu entdeckende Welt darstellt.

Wenn Sie schon längst einmal etwas Neues ausprobieren wollten und zudem auch ihre mentalen Fähigkeiten stärken möchten, besuchen Sie doch selbst einmal ein gutes Kampfsportzentrum, welches BJJ anbietet und seien Sie offen für und neugierig auf diese neue Erfahrung, die deutlich aufzeigt, wie vielfältig und unterschiedlich Kampfkunst sein kann.

Quelle & weiterführender Buchtipp zum Thema

Das große Buch des Jiu-Jitsu von Saulo Ribeiro