Feldenkrais

Feldenkrais

Autorin: MMag. Susanne Kapeller

Aktualisiert am: 03.11.2008

Bewegung neu entdecken

Wer Bewegungen bewusst erlebt und gewohnte Abläufe durchbricht, profitiert von einem positiven Effekt: Körper und Gehirn lernen. So können wir ungenützte Potenziale unseres Körpers ausschöpfen und gleichzeitig Bewegungsabläufe verbessern. Auf diesen Gedanken basierend hat Moshé Feldenkrais eine körperorientierte Lernmethode entwickelt.

Ich liege auf einer Matte am Boden. Feldenkrais-Lehrer Sascha Krausneker leitet uns Teilnehmer an, unseren Körper bewusst wahrzunehmen: wie er sich am Boden anfühlt, wie er belastet wird. Meine linke Körperhälfte drückt viel stärker auf die Matte. Die rechte Seite fühlt sich ganz leicht an. Mein Beckenschiefstand macht sich also auch im Liegen bemerkbar. Wir drehen den Kopf nach links und rechts. Langsam, um genau zu spüren, was im Körper passiert. In welche Richtung lässt sich der Kopf leichter drehen? Wo ist meine "bessere" Seite? Das Gleiche probieren wir mit den Hüften.

Bewusst wahrnehmen

In Seitenlage beginnen wir mit den ersten Übungen. Ich schiebe meine Schulter langsam von vorne nach hinten. Immer wieder. Es ist eine kleine, sanfte Bewegung. Sascha Krausneker sagt uns, dass wir unsere Kräfte so effizient einsetzen sollen, um die Bewegung theoretisch eine Stunde ausführen zu können. In der Praxis tun wir das natürlich nicht. Jeder macht die Übung nur so lange, wie sie ihm angenehm ist. Ganz im Unterschied zu Bauch-Bein-Po-Stunden im Fitness-Center, wo es ums Durchhalten geht, bis es in den Muskeln zwickt und kneift.

Vor meiner ersten Feldenkrais-Stunde wusste ich nicht, was mich erwarten würde. So etwas Ähnliches wie Pilates? Oder eher wie eine leichte Physiotherapie? Was ich darüber gelesen hatte, machte es mir nicht ganz klar. "Feldenkrais ist keine Sportart, sondern eine körperorientierte Lernmethode", teilt mir Krausneker nach der Unterrichtsstunde mit. "Es geht darum, wie ich Bewegungsabläufe und Funktionen verbessern kann". Und das bedeutet für jeden Menschen etwas anderes. Ein Sportler möchte vielleicht seine Leistung steigern und sich effizienter bewegen. Jemand in der Rehabilitation will nach einer Verletzung wieder mobil werden. Besseres Sitzen kann ein Ziel für Büromenschen sein – aber auch für Pianisten. "Wir sehen uns genau an, was die Person verbessern möchte", sagt Sascha Krausneker.

Bewegungsabläufe verbessern

Der Feldenkrais-Unterricht verfeinert alltägliche Bewegungen, aber auch hochspezialisierte wie Geige spielen oder Tanzen. Deshalb richtet sich Feldenkrais an alle Zielgruppen. Die Methode eignet sich für Sportler ebenso wie für Schmerzpatienten, ältere oder behinderte Menschen. Wer plötzlich beim Rückwärtseinparken den Kopf wieder problemlos drehen kann, sieht deutlich den Effekt der Feldenkrais-Stunden. Golfer optimieren ihren Ballabschlag, Tänzer ihre Haltung.


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