Kein Winterschlaf für Kletterer. Indoor-Klettern mit Sicherungsautomat

Klettern ist längst nicht mehr nur ein Sport für knorrige Bergfexe, die sich einsam und abgeschieden in überhängenden Felswänden Zug um Zug mit zwei Fingern nach oben arbeiten, sondern hat sich in den letzten 15 Jahren zu einer Art Trendsport entwickelt. Klettern gilt inzwischen als cool und erfreut sich gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sehr großer Beliebtheit.

Verantwortlich dafür sind nicht nur die umfangreichen Outdoor-Anlagen in Form von Klettergärten oder den gesicherten Kletterrouten im Gebirge, sondern auch ganz massiv das immer größer werdende Angebot an Kletterhallen, vor allem in urbanen Gegenden. Abgesehen davon, dass in den Hallen auch im Winter durchgehend Betrieb herrscht, bieten diese Anlagen noch viele andere Vorteile. 

 

Die Halle ist sicher

Die alpinen Gefahren, mit denen man am freien Fels im Gebirge immer rechnen muss, sind in der Halle weitgehend ausgeschlossen: Dunkelheit, Wetter, Steinschlag, Felsbeschaffenheit, Eis und Schnee -- das alles ist kein Thema. Was überwiegend bleibt, sind die positiven Aspekte des Kletterns: Training des gesamten Bewegungsapparates, Dehnung, Einsatz von Körperspannung und nicht zuletzt eine Stimulation des Herz-Kreislauf-Systems und des Gleichgewichtssinnes. Nicht zu unterschätzen sind auch die mentalen Effekte, wie Konzentration und Fokussierung auf die Aufgabe.

Da Klettern grundsätzlich ein Partnersport ist, bei dem während eines Kletterganges der Kletterpartner am Boden mit einem Seil sichert, wird dieser Sport auch gerne für die Weiterentwicklung von sozialen Fähigkeiten wie Anstrengungsbereitschaft, Teamfähigkeit und Vertrauensbildung verwendet.

 

Klettern auch alleine?

Neben dem klassischen Sportklettern, bestehend aus einer Zweierseilschaft, hat sich in der Halle eine weitere Sportart etabliert, die auch gefahrlos alleine ausgeübt werden kann: das sogenannte Bouldern. Der Begriff Bouldern leitet sich vom englischen Wort für Felsblock (boulder) ab und bezeichnet das bodennahe Klettern in Absprunghöhe.

In der Kletterhalle sind das meist die mit Klettergriffen überpflasterten Seitenwände, die am Boden mit kniehohen Matten gesichert sind, auf die man gefahrlos aus bis zu zwei Metern Höhe abspringen kann. Bouldern zeichnet sich weniger durch die Höhe aus, die man erreicht, sondern oft nur durch die Herausforderung von zwei oder drei Griffen, für die man sich eine genaue Strategie überlegen muss. Und wenn man den Zug nicht schafft, dann passiert auch nichts, weil man locker auf die dicke Matte abspringen kann.

Klettern mit dem Sicherungsautomat

Was aber, wenn jemand schon alle Boulder-Routen in der Halle auswendig kann, somit irgendwann doch höher hinauswill, aber keinen Kletterpartner zum Sichern hat? Auch dafür gibt es inzwischen eine Lösung: Sicherungsautomaten.

Dabei handelt es sich um fix in der Kletterwand befestigte „Seilrollen", in denen das Kletterseil automatisch gleichmäßig geführt wird. Sollte ein Kletterer den Halt verlieren, erkennt das System, wie sich das Seil strafft und bremst in der Seilrolle den Sturz ab. Diese Bremssysteme sind mit einer doppelten Absicherung ausgestattet, wodurch ein Defekt so gut wie ausgeschlossen werden kann.

Leider passieren auch beim Hallenklettern immer wieder Unfälle, die aber zuallermeist auf unzureichende oder schlampige Partnersicherung zurückzuführen sind. Mit dem Sicherungsapparat sind menschliche Fehler beim Sichern ausgeschlossen. Es bedarf zu Beginn zwar einer kurzen Überwindung, sich bei der Sicherung auf ein automatisches System zu verlassen, das Vertrauen stellt sich aber spätestens dann ein, wenn man beobachtet, wie unbeschwert und locker die anderen Kletterer in der Halle mit dem neuen System umgehen. Dieses Selbstsicherungssystem ist in den USA schon seit vielen Jahren weit verbreitet und setzt sich auch in Europa mehr und mehr durch.

Auch in Österreich statten immer mehr Betreiber ihre Kletterhallen zusätzlich mit einigen Sicherungsautomaten aus. Auch wenn das Klettern in einer Zweierseilschaft zweifellos kommunikativer, sozialer und unterhaltsamer ist, bietet der Sicherungsautomat Einzelpersonen eine brauchbare Alternative, um diesen Sport dennoch ausüben zu können. Und außerdem besteht noch die Möglichkeit, am benachbarten Sicherungsautomaten jemanden kennenzulernen, der auch lieber in einer Zweierseilschaft klettern würde. Und schon kann es losgehen!