Lawinen
Experte: Mag. Michael Mayrhofer
Aktualisiert am: 10.01.2011
Lawinen: Der weiße Tod
Ist es wirklich cool mit seinen Skiern oder mit seinem Snowboard weiße Tiefschneehänge hinabzusausen? Dann wissen Sie sicherlich auch, dass in jeder Skisaison zahlreiche Menschen ihr Leben durch den weißen Tod verlieren (zu 90 Prozent lösen die Opfer Ihre Lawine selbst aus). Doch nicht nur die Skifahrer und Snowboarder sind betroffen. In den Alpen beispielsweise donnern in manchen Jahren gewaltige Lawinen bis hinab in die Dörfer. Sie zerstören Gebäude und begraben zahlreiche Menschen unter sich.
Bei der Entstehung von Lawinen müssen Sie mehrere Faktoren berücksichtigen. Die Gründe: Lawinen lösen sich, sobald die Schneedecke instabil wird und die Belastung größer als der Widerstand ist. Weiters beeinflussen die Schneebeschaffenheit, die Schneehöhe, der Wind, die Temperatur, der Neigungswinkel des Hanges, die Sonneneinstrahlung und der Mensch die Lawinengefahr.
- Schneebeschaffenheit: Wenig Schnee bzw. geringe Schneehöhen können auch Lawinengefahr bedeuten. Liegt auf einer vereisten Oberschicht lockerer Schnee (Pulverschnee), kann diese durch einen darüber fahrenden Skifahrer gebrochen werden. Gewaltige Schneebretter sind die Folge.
- Schneehöhe: Je mehr es schneit, desto höher ist die Lawinengefahr. Der Grund: Vereiste Schneeschichten, die weiter unten liegen, werden zu einer richtigen Rutschbahn. Unter dem großen Druck der Neuschneedecke bilden sich aus sternförmigen Schneekristallen verhärtete Schneekörner. Der Neuschnee gerät dabei ins Rutschen.
- Der Wind: Im "Schatten" des Windes türmen sich oft große Mengen von Schnee. Aus wenigen Zentimetern werden schnell auch Meter. Die Ihnen bekannten Schneewächten gehen als Schneebretter ab. Die Ursache: Das immer größer werdende Gewicht lässt die schwächste der übereinander gewehten Schneeschichten brechen. Die Schicht wird für die darüber liegenden Schneemassen zu einer Rutschbahn.
- Temperatur: Steigt Wasserdampf aus den bodennahen wärmeren Schneeschichten nach oben und gefriert, bilden sich besonders große und instabile Kristalle. Ein ähnlicher Effekt tritt ein, wenn die Luft wärmer ist als der Boden. Auf der Oberfläche gefriert feuchte Luft zu Reif. Dieser wird für Neuschnee zu einer wahren Rutschbahn.
- Neigungswinkel des Hanges: Die Lawinengefahr ist an Hängen von 30 bis 50 Grad besonders groß. An flacheren Hängen ist das Skifahren weniger gefährlich, allerdings gibt es Ausnahmen: Besteht die Unterlage aus verharschtem Schnee, ist diese aus Stein bzw. langem Gras (Wiese), reichen auch schon 20 Grad für einen Abgang einer Lawine aus. Aufgepasst: An steilen Hängen gleitet der Schnee kontinuierlich ab.
- Menschliche Einflüsse: Der natürliche Lawinenschutz geht durch das Abholzen der Bergwälder immer mehr verloren. Der vermehrte Wintertourismus und die damit verbunden Einnahmen und Arbeitsplätze lassen immer mehr Lifte und Skiabfahrten bzw. –gebiete entstehen. Idyllische Ferienhäuser und Hotels werden verstärkt in den lawinengefährdeten Gebieten errichtet.
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