Warum olympisches Gewichtheben unterschätzt wird

Haben Sie schon einmal einen Gewichtheber genauer beobachtet? Wenn nein, warum nicht? Olympisches Gewichtheben gilt als die Königsdisziplin der Kraftsportarten, aber sie ist nicht nur etwas für Profis, sondern auch für alle anderen sportlich Aktiven, die ihre Kraftfähigkeit stärken, ihre Kraftausdauer fördern und gleichzeitig auch noch an ihrer Koordination und Gelenksmobilität arbeiten wollen. Ganz schön viel auf einmal, was das olympische Gewichtheben hier leistet, finden Sie nicht?

Auf die Technik kommt es an

In jeder Sportart ist eine gute Technik von Vorteil und beim olympischen Gewichtheben gilt das ganz besonders, denn wer keine saubere Technik an den Tag legt, kann sich dabei verletzen, was absolut nicht im Sinn des Trainings ist; immerhin wollen wir dabei stärker und besser werden und uns nicht verletzen.

Umso wichtiger ist es, sich die Techniken des olympischen Gewichthebens, nämlich Reißen (Snatch), Umsetzen (Clean) und Ausstoßen (Jerk) wirklich in Ruhe und bis ins Detail von einem erfahrenen Trainer erläutern zu lassen und dann erst einmal ohne Zusatzgewicht nur mit einer leichten Stange, z. B. einem Holzstab oder Besenstiel, zu üben, bis man auf eine leichte sieben bis zehn Kilogramm schwere Langhantel und später noch mehr Gewicht umsteigt.

Sehr wichtig ist außerdem immer das vorherige Warm-up, um wirklich erst warm und gut aufgewärmt an die Langhantel zu gehen. Denn komplexe, schnellkräftige Übungen wie diese verlangen ein richtig gutes, ausgefeiltes Aufwärmen, welches nicht nur das Herz-Kreislauf-System, sondern v. a. auch die Gelenke miteinbezieht und diese vorab gut mobilisiert.

Wow – wie beweglich!

Wer sich einmal selbst in olympischem Gewichtheben versucht hat, wird festgestellt haben, dass diese an und für sich so einfach wirkenden Bewegungen mitunter die schwersten sind, die er je in seinem Leben probiert hat. Denn was so leicht aussieht, ist harte Arbeit und viel Übung, und zwar nicht nur mit Gewicht, sondern bereits nur mit der Langhantelstange alleine.

Was außerdem noch hinzukommt, ist die Tatsache, dass wir heute fast alle Einschränkungen in unserer Beweglichkeit haben. Und damit ist nicht eine yogahafte Flexibilität gemeint, sondern die Beweglichkeit unserer Gelenke und Wirbelsäule, die an und für sich normal wäre, wir aber mit der Zeit einbüßen, wenn wir unseren Körper in erster Linie dafür nutzen, um in einem Stuhl vor einem Schreibtisch zu sitzen.

Vielfach zeigt sich deshalb beim Gewichtheben sehr deutlich, was wirklich los ist: Unsere Fußgelenke lassen es oft nicht zu, in einer tiefen Kniebeuge zu sitzen, weshalb die Fersen dabei gerne in die Luft gehen. Unsere Hüften sind tiefe Kniebeugen und explosives Strecken nicht mehr gewohnt, unsere Wirbelsäule, v. a. unsere Brustwirbelsäule, will uns in diesen Positionen nicht wirklich aufrecht sein lassen und unsere Schultern und Handgelenke fühlen sich bei den Übungen auch irgendwie eingeschränkt an.

Und während wir uns fragen, wie Übungen, die so einfach aussehen, so schwierig sein können, sollten wir genau jetzt an die Gewichtheber denken, die wir sonst vielleicht nur aus dem Fernsehen kennen. Denn nun wird uns erst einmal bewusst, dass diese nicht nur sehr stark, sondern gleichzeitig auch richtig beweglich sind.

Wo Sie richtiges Gewichtheben lernen können

Sie haben Lust auf eine Herausforderung? Darauf, etwas Neues zu lernen oder vielleicht auch wieder aufzufrischen? Klassisches olympisches Gewichtheben wird in Österreich von den eigenen Gewichtheber-Verbänden gelehrt. Mittlerweile kommt Gewichtheben aber auch außerhalb, v. a. beim CrossFit, vor. Hier ist es wichtig, in einer guten CrossFit-Box unterrichtet zu werden, um die Technik wirklich korrekt zu erlernen und nicht zu früh mit zu viel Gewicht zu starten.

Dieses macht nämlich erst dann Sinn, wenn Sie die Technik wirklich beherrschen. Bei sehr vielen Wiederholungen einer Übung, wie es beim CrossFit oftmals gehandhabt wird, sollte man außerdem der eigenen Gesundheit zuliebe ebenfalls weniger Gewicht nehmen, da man mit der Zeit müde wird und komplexe Übungen wie diese nicht darauf ausgerichtet sind, mit viel Gewicht x-fach abtrainiert zu werden.

Sehr empfehlenswert sind darüber hinaus eigene Olympic-Lifting-Workshops, welche immer wieder angeboten werden, sei es bei Verbänden, über Sportuniversitäten oder in CrossFit-Boxen.

Sobald Sie die Technik beherrschen, können Sie diese in Zukunft in Ihr eigenes Krafttraining miteinbauen und so nicht nur ihre körperliche Stärke, sondern auch Ihre Koordination, Kraftausdauer und Mobilität verbessern.

Falls Sie sich unter den Techniken nichts vorstellen können, hier gibt es Videos dazu.

Falls Sie bereits Erfahrung haben, probieren Sie einmal das Burgener Warm-up aus.

Buchtipp zum Thema:
Olympisches Gewichtheben. Das ultimative Handbuch für Athleten und Trainer. Greg Everett.