Der Rausch der Geschwindigkeit: Downhill Biken

Runterradeln – hinauffahren kann jeder!

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Pures Adrenalin - Downhill-Biken ist wohl die schärfste Form, auf zwei Rädern Berge und Abhänge hinunter zu brettern. Denn anders als beim verwandten Freeriden, bei dem es mitunter auch mal bergauf geht, steht beim Downhill-Biken der Rausch der Geschwindigkeit im Mittelpunkt.

Autor: Thomas Loser

Wie lernt der Mensch seine Welt kennen? Verstehen ist eine Möglichkeit. Ergehen eine andere. Und sie zu erfahren, ist der dritte Weg in die Welt hinaus. Als Kind bietet sich uns als erste Chance, dem elterlichen Einfluss zu entfliehen und flügge zu werden, das Rad. Das Dreirad, das Laufrad und dann das Kinderfahrrad, zunächst noch mit Stützen und sehr bald ohne, bereitet uns auf ein mobiles und mobilisiertes Leben vor. Und dem Zweirad bleiben wir auf individuelle Weise unser Leben lang treu. Die muskelbetriebene Fortbewegung ist in jedem Fall nachhaltig. Wir schonen die Natur und fordern unseren Körper. Das Herz-Kreislauf-System, die Lunge, die Beine, das Gehirn freut's. Das Hinterteil mitunter weniger. Von den Sportarten, die sitzend zu betreiben sind, ist das Radfahren die am weitesten verbreitete Form. In China und in den Niederlanden ist es geradezu die dominierende Fortbewegungsart.

Geschichte des Mountainbikens

Genug der Philosophie. Die Komplexität moderner Gesellschaften geht auch an der Art des Radfahrens nicht vorbei. Da das Gewohnte dem Menschen irgendwann zu langweilig wird, sucht er instinktiv das Abenteuer. So haben sich Anfang der 1970er-Jahre Amerikaner gefragt, weshalb Berge nicht mit Rädern zu befahren sind. Sie sind mit ihren Straßen-Drahtesel die Wege rauf und dann johlend, ohne zu bremsen und gegen Ende ihrer Abfahrten auch ohne vorhandene Bremsen, wieder runter. Das Moutainbiken war geboren. Die Entwicklung von speziellen Rädern – Rahmen, Reifen, Lenkstangen, Schaltwerke, Bremsen und Dämpfungen mussten zwar nicht gerade neu erfunden, aber angepasst werden – folgte. Mit fast jeder Moutainbike-Generation folgten Fahrer, die noch steilere Anstiege und noch unwegsamere Abfahrten "abritten". Die schärfste Form, sich auf zwei Rädern Berge und Abhänge hinunterzustürzen, heißt Freeriden oder Downhill. Hier schließt sich der begriffliche Kreis mit Freeride-Snowboarden, Freeskiing und dem alpinen Abfahrtslauf.

Unterscheidung Freeriden und Downhill

Freeriden und Downhill hat prinzipiell viel mit Adrenalin, Mut, technischem Fahrvermögen, Gleichgewichtssinn, Körper- und Geistbeherrschung zu tun. Ein Beispiel: Mégavalanche auf der französischen Alpe d'Huez. Dort wo sich Lance Armstrong und seine Tour de France-Kumpane auf der Straße hinaufquälen, findet seit 16 Jahren ein "Abfahrtslauf" statt. Im Vorjahr machten sich 1.800 Downhiller – Mädels sind auch dabei, jedoch in der Minderzahl – auf 3.300 Meter Seehöhe, am Pic Blanc, zur gleichen Zeit auf den Weg in das auf 625 Höhenmetern gelegene Ziel in Allemond. 2.675 Höhenmeter auf Zeit zunächst über Fels und dann über Stock und Stein. Die Besten schaffen die Strecke in einer Stunde.

Basics: Ausrüstung und Übungsstrecken

Das geht nur mit der entsprechenden physischen und psychischen Ausrüstung und einem entsprechenden Rad. Downhill-Rider ähneln motorlosen Motorcross-Fahrern. Sturzhelm ist Pflicht. Schienbeinschützer empfehlenswert. Rücken- und Schulterprotektoren ebenso. Die körperliche Robustheit und das seelische Gleichgewicht für Radfahrten in der Falllinie in ruppigem Gelände muss man sich antrainieren. Zum Beispiel in Bikeparks wie am Zauberger am Semmering, in Schladming auf der Planai, in Leogang oder auf der Nordkette oberhalb Innsbrucks. Dort treffen Einsteiger auf Profis. Und Tipps von Menschen, die wissen, wie Gelände, mit welchem Rad und welcher Fahrtechnik zu bewältigen sei, bewahrt vor mancher bösen Überraschung. Denn Stürze gehen beim Freeriden im besten Falle glimpflich aus. Böse Zungen behaupten, dass Downhill-Biker und Freerider die zweitwichtigsten Kunden von kosmetischen Chirurgen sind.

Beschaulichere Alternativen: Downhill-Roller und Bergmönch

Es geht aber auch beschaulicher und weniger extrem fahrend bergab. Genießer können mit einem Downhill-Roller oder Cross-Country-Roller sowie einem sogenannten Bergmönch zu Tale fahren. Die Roller sind, wie der Name schon sagt, eine sehr robuste und mit dicken Reifen ausgestattete Version des hinlänglich bekannten städtischen Tretrollers oder Scooters. Die leichtere und tragbare Variante davon ist der Bergmönch. Er passt in den Rucksack, ist zusammenklappbar und nicht an vorgegebene Strecken gebunden. Für den Downhill-Roller braucht man einen Lift zum bergwärtigen Transport. So wie zum Freeriden und Downhillen auch.