Regeneration strategisch planen

Die meisten von uns planen gerne. Wir setzen uns Ziele, sei es im Beruf oder im Sport. Wir wissen, wo wir gerne hinwollen, was wir gerne erreichen würden. Und machen uns bei entsprechender Motivation an die Arbeit, hauen voll rein, geben Vollgas. Was viele von uns dabei aber meist nicht bedenken und auch nicht einplanen, ist ein wesentlicher Faktor: die Regeneration. Denn auch diese will strategisch geplant sein, egal ob im Berufsleben oder im Trainingsplan. Warum das so wichtig ist, schauen wir uns heute einmal genauer an.

In der Ruhe liegt die Kraft?

Sicherlich haben Sie schon von dem Begriff Resilienz gehört. Dieser bedeutet Widerstandsfähigkeit und genau diese braucht es, wenn es hoch hergeht oder es im Leben einmal nicht so läuft wie geplant; wenn der Weg holpriger wird und wir merken, wie der innerliche Stress aufkommt. 

Dass wir manchmal ein bisschen vom Weg abkommen, ist normal, so spielt einfach das Leben. Die Frage ist vielmehr, wie wir damit umgehen. Um widerstandsfähig zu sein und auch mit Stresssituationen umgehen zu können, ist gezielt eingesetzte Regeneration essenziell.

Denn genau sie fördert unsere Resilienz. Wir sind klarer bei Verstand, besonnener und insgesamt ruhiger, wenn wir nicht vollkommen ausgebrannt herumirren und blind weiterwursteln, um auf Biegen und Brechen Ziel X zu erreichen. Es macht daher Sinn, regelmäßig auf die eigene Regeneration zu achten und diese nicht als etwas für Schwache, sondern als etwas für Kluge anzusehen. Auf Belastung muss zwischendurch auch Entlastung folgen. 

Kleine Inseln schaffen

Es beginnt bereits in unserem Alltag mit kleinen, ganz bewussten „Entspannungs-Inseln“ zwischendurch; kleine Rituale, von der genussvollen Tasse Tee über den kurzen Spaziergang an der frischen Luft bis hin zum achtsamen Blick aus dem Fenster. Ein paar Momente der Stille und des Durchatmens. Womit wir bei einem ganz großen Regenerationsbooster sind: der Atmung.

Neben dem Schlafen ist Atmen etwas, das wir leider vollkommen unterschätzen. Gerade in hektischen Situationen beginnen wir, meist sehr flach und kurz zu atmen, was uns noch stressgeplagter und unruhiger macht. Würden wir mehr auf unsere Atmung achten und in Momenten, die nicht so laufen wie gewünscht, ruhig und tief für mindestens vier Sekunden ein- und ausatmen und dann noch eine kleine Atempause einbauen, um unser Adrenalin unten zu halten, würde es uns oft direkt besser gehen.

 

 

Wer schläft, gewinnt

Ebenso verhält es sich mit dem Schlaf. Wer denkt, er könne hier wertvolle Zeit sparen, die er für Arbeit, Training & Co verprassen kann, irrt. Außer er zählt zu jenen seltenen Menschen, die mit sehr wenig Schlaf auskommen. Für den Großteil von uns gilt dagegen, dass uns sieben bis neun Stunden Schlaf pro Tag bzw. Nacht gesund und v. a. auch fit, gelassen und entscheidungsstark erhalten.

Mittlerweile zeigen genügend Studien, wie nachteilig sich schlechte Schlafgewohnheiten auf unsere Gesundheit, unsere Gedächtnis-, Arbeits- und auch Trainingsleistung auswirken. Gerade Sportler und Athleten brauchen oftmals bei intensivem Training eine zusätzliche Stunde mehr pro Nacht, um wieder vollständig regenerieren zu können und sich so auch vor Verletzungen zu schützen. Tatsachen, die oftmals nicht beachtet werden.

Bewusst an die Regeneration denken

In Zukunft sollten Sie also auch direkt an das Thema Regeneration denken, wenn Sie ein großes Ziel erreichen wollen. Und bewusst regenerative Maßnahmen einplanen, so wie es sogenannte High Performer schon lange machen; von den kleinen Regenerations-Maßnahmen im Alltag bis hin zu speziellen Regenerationstechniken, die bei Ihnen persönlich am besten funktionieren.

Das kann von Garten- oder Handarbeit, Lesen oder Saunagängen bis hin zu Yoga, Atemübungen, Meditation, Progressiver Muskelentspannung, Autogenem Training oder rhythmischen Ausdauersportarten reichen; oder in Form von meditativem Malen, Spazierengehen mit dem Hund, Musizieren, entspannenden Massagen, Tai-Chi oder Qigong stattfinden. 

Neben diesen schnellen machen auch größere Maßnahmen Sinn, wie bewusst an bestimmten Stunden des Tages oder einem Wochentag offline zu sein; genauso wie strategisch geplanter Urlaub, und zwar vorab, damit man weiß, wann wieder eine ausgiebige Erholungsmöglichkeit zum Auftanken kommen wird. Zusätzlich zu den kleinen Maßnahmen im Alltag versteht sich. 

Ebenso verhält es sich im Training dank regelmäßig wiederkehrender Regenerationswochen. In der Trainingsplanung spricht man dabei von Periodisierung, denn dort ist schon lange bekannt, dass die Fortschritte und Verbesserungen in der Ruhe, durch Regeneration stattfinden, da sich unser Körper in dieser Zeit an die gesetzten Trainingsreize anpasst. Sprich: Wer nur trainiert, aber nie regeneriert, wird nicht nur nicht besser, sondern mit der Zeit sogar schlechter, kommt in ein Übertraining oder handelt sich Verletzungen ein.

Halten wir uns also dieses Bild deutlich vor Augen: Wer etwas erreichen will, sollte langfristig nicht nur auf dem Gaspedal stehen. Denn den Weg erkennt man wesentlich besser, wenn man frisch und gut regeneriert ist.

 

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