Ganzheitliches Workout an verschiedenen Trainingsgeräten.

Functional Training: Zirkeltraining mit Fun-Faktor

Muskuläre Dysbalancen ausgleichen

Functional Training boomt. Immer mehr Fitnesscenter richten eigene Functional-Fitness-Zonen ein, Gruppenstunden werden angeboten und auch Experten trafen sich vor kurzem bei der Functional Fitness Summit in München. Grund genug für Wecarelife, den Fitnesstrend genauer unter die Lupe zu nehmen. Das funktionelle Workout stammt ursprünglich aus der Physiotherapie und trimmt mit möglichst natürlichen Bewegungsabläufen den ganzen Körper.

Lokalaugenschein im Wiener "Loft 25". Um Functional Training zu testen, habe ich mich für eine Gruppenstunde angemeldet. Ich lasse meinen Blick schweifen: Ein paar Matten, kleine Hanteln, ein Stepper, den ich aus Step Aerobic kenne … Beim Anblick der aufgebauten Stationen werden Erinnerungen an die Zirkeltraining-Turnstunden in der Schule wach. Doch unser Trainer verbreitet gute Laune und schon laufen wir erst mal ein paar Runden zum Aufwärmen im Kreis. Leider rächt sich jetzt schon meine nicht vorhandene Kondition, denn ich bin schon nach kurzer Zeit außer Atem. Oje, denn das richtige Training hat ja noch gar nicht angefangen.

 "Acht Übungen stehen heute auf dem Programm. Ihr wiederholt jede Übung eine Minute lang, dazwischen habt ihr 30 Sekunden Pause. Das Ganze machen wir vier Mal", erklärt Personal Trainer Michael Holzer den Ablauf und hält dabei die Stoppuhr in der Hand. Er zeigt uns noch jede Übung kurz vor und schon geht's los. "Das schaffe ich nie", grantelt mein innerer Schweinehund, denn wir machen Übungen wie Squats (tiefe Kniebeugen), Liegestütz im Stehen (mit TRX Suspension Trainer) oder Sprünge. Doch ich lasse mich nicht abschrecken, auf geht's!

Functional Training verbessert Muskelzusammenspiel

"Anders als beim klassischen Gerätetraining werden die Muskeln beim Functional Training nicht isoliert trainiert. Es ist ein Training für den ganzen Körper, das das Zusammenspiel einzelner Muskelgruppen verbessert und den Bewegungsapparat stabilisiert", sagt Personal Trainer Michael Holzer. Auch die tieferliegende und stabilisierende Muskulatur kommt dabei zum Einsatz. Gearbeitet wird zumeist mit dem eigenen Körpergewicht. Statt nur Muskeln aufzubauen, werden Koordination, Gleichgewicht, Kraft und Ausdauer gleichermaßen geschult.

Durch die vielfältigen Variationsmöglichkeiten ist das funktionelle Training wirklich für jeden geeignet. Vergangene Woche, verrät unser Trainer, habe er das Programm beispielsweise auf 45 Sekunden pro Station auf das Trainingsniveau der Teilnehmer angepasst. Das Programm ist jedes Mal anders, damit erst gar keine Langeweile aufkommen kann. Diverse Kleingeräte, wie Kurzhanteln, Therabänder, eine Springschnur oder Medizinbälle kommen ebenfalls zum Einsatz wie etwa Sypoba (siehe Bild), eine Alurolle mit Brett, die die Tiefenmuskulatur aktiviert sowie Stabilisation und Koordination verbessert.

Funktionelles Training stammt aus der Physiotherapie

"Functional Training ist im Grunde gar nichts Neues", so Fitnesstrainer Michael Holzer. In der Physiotherapie arbeitet man beispielsweise schon seit Jahren mit funktionellen Methoden, um muskuläre Dysbalancen auszugleichen. Trainer wie Michael Boyle, Gray Cook oder Martin Rooney machten funktionelle Workouts in Amerika vor allem unter Spitzensportlern populär. 2004 brachte der ehemalige deutsche Fußballbundestrainer Jürgen Klinsmann das Functional Training aus den USA auch nach Deutschland, um seine Mannschaft fit für die WM 2006 zu machen.

Wie wichtig es ist, Muskeln nicht isoliert zu trainieren, veranschaulicht Gray Cook am Beispiel Core-Training, das bei Weitem mehr sei als bloßes Bauchmuskeltraining: "Die Bauchmuskeln sollten niemals isoliert trainiert werden, weil sie auch bei unseren Bewegungen nie komplett isoliert arbeiten. Ganz im Gegenteil, bei den meisten Bewegungen arbeitet die Bauchmuskulatur eng koordiniert mit der von Hüfte und Rücken zusammen."