Zeit aufzustehen - Sitzen ist das neue Rauchen

Sitzen Sie noch oder stehen Sie schon? Lange Zeit galt Sitzen als harmlos. Maximal Verspannungen und Rückenschmerzen wurden als Nebenwirkungen anerkannt. Etwas, was wir wohl alle kennen.


Interessanterweise wird trotz unserer bemerkenswert vielsitzenden Lebensweise erst nach und nach bekannt, wie sehr uns unser Dauersitzen schadet. Aus gesundheitlicher Sicht kann es uns sogar Jahre an Lebenszeit kosten. So belegt eine diesbezüglich angelegte Studie, dass wir sage und schreibe durchschnittlich zwei Jahre länger leben würden, wenn wir unsere tägliche Sitzdauer auf unter drei Stunden reduzierten. Denn statistisch gesehen verbringen wir im Durchschnitt 50 bis 70 Prozent unseres Tages sitzend. Vom Frühstück am Morgen über die Fahrt zur Arbeit bis hin zur Arbeitshaltung selbst. Und natürlich abends nach der Arbeit am Sofa.

 

Unerwünschte Nebenwirkungen

Da der Mensch nicht zum Sitzen geboren ist, wundert es nicht, dass Wissenschaftler die Auswirkungen unseres Sitzverhaltens bereits mit den gesundheitsschädlichen Effekten des Rauchens vergleichen. Langes Sitzen kann uns demnach tatsächlich krank machen. Es erhöht beispielsweise das Risiko für Diabetes Typ 2 sowie kardiovaskuläre Erkrankungen stark - und das bemerkenswerterweise sogar unabhängig davon, wie viel wir uns ansonsten bewegen. Das heißt, dass selbst bei sportlich aktiven Menschen stundenlanges Dauersitzen gesundheitliche Beschwerden und Auswirkungen mit sich bringen kann, obwohl nach dem Sitzmarathon die Laufstrecke oder das Fitnessstudio aufgesucht werden.

 

Öfter Aufstehen

Was also können wir tun? Ganz klar: auf jeden Fall zwischendurch öfter aufstehen. Empfehlenswert wäre es alle dreißig Minuten, spätestens aber jede Stunde. Anstelle Kollegen innerhalb des Bürogebäudes anzurufen, könnte man den Weg zu Fuß nutzen. Geht das nicht, hilft es auch, bei so manchem Telefonat zu stehen anstatt zu sitzen oder einen höhen verstellbaren Schreibtisch einzusetzen, der auch ein Stehen bei der Arbeit selbst ermöglicht, um etwas Abwechslung in Bezug auf die Körperhaltung zu haben. Ansonsten hilft es im Alltag bei jeder Gelegenheit die Treppen anstelle des Lifts zu nehmen und auch einmal Arbeitswege oder Erledigungen zumindest teilweise mit dem Fahrrad oder zu Fuß zu bewältigen.

 

Bewegung reinbringen

Bewegung in der Freizeit darf es natürlich zusätzlich auch gerne sein, denn unser Körper ist generell dafür ausgelegt, bewegt zu werden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, rund 150 Minuten pro Woche aktiv zu sein. Das kann zügiges Spazieren, Radfahren oder intensive Gartenarbeit sein. Oder aber man bewegt sich in der Intensität in noch höheren Bereichen  wie beim schnellen Laufen oder Mountainbiken, wobei man so richtig ins Schwitzen kommt, was die empfohlene Gesamtdauer von zweieinhalb Stunden pro Woche auf 75 Minuten verkürzt. In beiden Fällen sollte zusätzlich auch zwei Mal pro Woche eine Form von Krafttraining integriert werden (ob mit dem eigenen Körpergewicht, mit Geräten, durch Methoden wie Pilates usw.), auch, weil wir bereits ab unserem 30. Lebensjahr beginnen, Muskelmasse und Knochendichte abzubauen.

 

Besser aktiv als passiv

Tatsache ist: Bewegung hilft uns gesund zu bleiben. Gäbe es ein Medikament, welches die Effekte von körperlicher Aktivität beinhalten würde, wäre es wohl ausverkauft. Ein bewegter, aktiver Lebensstil wirkt sich nachweislich positiv auf uns aus – körperlich wie mental.