Alkoholismus

Aktualisiert am: 07.09.2006

Angehörige von Alkoholkranken

Alkoholismus ist nicht nur ein individuelles Problem. Die Auswirkungen der Krankheit sind einerseits auf gesellschaftlicher Ebene und andererseits vor allem auch in der Familie und im sozialen Umfeld des Betroffenen spürbar.

Co-Abhängigkeit

"Jeder Suchtkranke hat, um überhaupt süchtig sein zu können, mindestens einen Menschen in seiner Umgebung, der coabhängig und sich dessen nicht bewusst ist."

Als coabhängig bezeichnet man Menschen, die in unmittelbarer, naher Beziehung zum Suchtkranken stehen und durch ihr sehr am Helfen orientierten Verhalten keine Lösung aus den Suchtmechanismen bewirken, sondern eher eine Verstärkung des suchterzeugenden Verhaltens erlauben und fördern. Eltern oder Partner wollen zwar eigentlich nur "das Beste" für den Betroffenen, machen aber oft gerade damit genau das Gegenteil.

Tipps für Angehörige (Quelle: Anonyme Alkoholiker)

Das sollte man nicht tun, wenn der Partner alkoholkrank ist:

  • Dem Partner zeigen, dass man sich selbst für einen besseren Menschen hält und die Schuld beim anderen suchen.
  • Drohungen äußern, die man nicht ausführt oder nicht ausführen kann.
  • Vorwürfe (Gardinenpredigten) machen und herumnörgeln,
  • sogenannte Hausmittelchen verabreichen, z.B. irgendwelche Medikamente,
  • Flaschen verstecken oder ausleeren,
  • versuchen, alle Schwierigkeiten zu beheben, in die sich der alkoholkranke Partner gebracht hat. So verhindert man nämlich, dass der Partner aus diesen Schwierigkeiten lernt und Konsequenzen zieht.
  • Das Problem für sich behalten, statt sachverständige Hilfe zu Rate zu ziehen.

Das sollte man tun, wenn der Partner alkoholkrank ist:

  • Informationen über das Wesen der Alkoholkrankheit einholen und akzeptieren, dass es sich tatsächlich um eine Krankheit handelt und nicht um einen Charakterfehler.
  • Die eigene Situation klar erkennen, Zusammenhänge begreifen und im eigenen Interesse (und in dem von Kindern) konsequent handeln.
  • Positiv und verständnisvoll auf den kranken Partner eingehen, ohne ihn nach den eigenen Vorstellungen ändern zu wollen.
  • Die sozialen Folgen des Trinkens (z.B. durch Entschuldigungen beim Arbeitgeber und bei Verwandten) nicht vertuschen.
  • Selbst nicht den Mut verlieren, selbst wenn man nicht alles richtig macht.
  • Kompetente Hilfe von Experten suchen, z.B. bei einer Beratungsstelle.
  • Eventuelle Maßnahmen genau überlegen und klar planen, um sie dann auch konsequent durchzuführen.

Quellen:
Institut für Psychosomatik und VerhaltensTherapie
Bundesministerium für Soziale Sicherheit und Generationen: "Handbuch Alkohol - Österreich", 2001.
Bundesministerium für Soziale Sicherheit und Generationen: "Zum Thema Sucht - Betroffene und deren Angehörige". Broschüre, 2000.
Innerhofer, Schuster, Klicpera, Lobnig, Weber (Hg.): Psychosoziale Probleme im Erwachsenenalter. WUV Verlag, 1993.
Anonyme Alkoholiker: Informationsblatt "Praktische Ratschläge für Angehörige von Alkoholkranken".


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