Allergie & Krebs

Autorin: MMag. Susanne Kapeller

Aktualisiert am: 30.04.2007

Viel Allergie, wenig Krebs?

Neueste Forschungen belegen: Allergiker haben ein geringeres Krebsrisiko. Eine hohe Belastung mit den Antikörpern Immunglobulin E (IgE-Wert), wie sie bei Allergikern typisch ist, schützt offenbar vor Krebs.

Wer unter Allergien leidet, muss damit nicht unbedingt von Mutter Natur bestraft worden sein. Allergien sind mitunter nicht nur ein Fluch, sondern können sich - was eine mögliche Krebserkrankung betrifft - auch als Segen entpuppen. In zahlreichen Studien wurde bereits belegt, dass Allergiker ein geringeres Krebsrisiko haben. Dafür dürfte das Immunglobulin E (IgE) verantwortlich sind, das auch die überschießende Immunreaktion bei Allergikern hervorruft.

Gemeinsame Forschung von Allergologie und Onkologie

Lange Zeit gingen Allergologie und Onkologie in der Forschung getrennte Wege. Erst kürzlich fand in Wien das erste internationale AllergoOncology Symposium statt, um die Verbindung zwischen Allergien und Krebs zu analysieren und zu besprechen. Organisatorin ist Prof. Erika Jensen-Jarolim, Leiterin des Instituts für Pathophysiologie der Medizinischen Universität Wien. Sie ist auch auf der Suche nach einem Weg, das IgE gezielt gegen Tumore einzusetzen. "Unser Ziel war es nun, diese für Allergien typische Klasse von Antikörpern mit einer direkten Wirksamkeit gegen Tumore zu versehen. Gleichzeitig sollte der Körper mittels aktiver Immunisierung zu einer dauerhaften Produktion des IgE angeregt werden", so Jensen-Jarolim.

Anregung der IgE-Produktion durch Impfung

Eine aktive Immunisierung gegen bestimmte Tumore gelang der Gruppe um Prof. Jensen-Jarolim bereits vor einiger Zeit bei Mäusen. Doch auf Grund der gewählten Art der Immunisierung (Injektion unter die Bauchdecke) gehörten die produzierten Antikörper zur IgG-Klasse. Eine Art von Antikörpern, die eine deutlich geringere und kürzere Wirkung gegen Tumore zeigen als IgE-Antikörper.

Damit die Immunisierung die gewünschte Aktivierung von IgE hervorruft, machte sich Prof. Jensen-Jarolim ein anderes erfolgreiches Ergebnis ihrer Arbeitsgruppe zu Nutze. Das Ergebnis: Nahrungsmittel-Peptide schaffen es, IgE-abhängige Immunreaktionen zu provozieren, wenn sie den sauren Bedingungen im Magen widerstehen.

So fütterte das Team um Prof. Jensen-Jarolim Mäusen ein Peptid, das starke Ähnlichkeit mit einem Tumor-Peptid hat. Gleichzeitig wurde die Ansäuerung im Magen reduziert und so die Verdauung des Peptids verhindert. Tatsächlich trat in der Folge eine Art allergische Reaktion gegen dieses tumorähnliche Peptid auf - die Mäuse produzierten tumorspezifische IgE-Antikörper. Damit gelang weltweit die erste aktive IgE-stimulierende Tumorimpfung. Ein hoffnungsvoller Schritt in Richtung aktiver Krebsimpfung.

Quelle: Der Wissenschaftsfonds FWF


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