Antibiotika-Resistenz

© Fotolia/Helder Almeida
Autorin: Mag. Beatrix Aigner-Köfinger
Aktualisiert am: 27.09.2010
Antibiotika: Wirkung mit Ablaufdatum
Wir sind umzingelt von Bakterien. Die guten brauchen wir zum Leben. Bei den schlechten Erregern, die Infektionskrankheiten auslösen, vertrauen wir auf die Wirkung von Antibiotika. Da diese aber oft unkritisch verschrieben und falsch eingenommen werden, treten immer mehr resistente, also gegen Antibiotika unempfindliche Keime auf. Ein verantwortungsvollerer Umgang von Ärzten und Patienten mit Medikamenten ist dringend notwendig.
Bis Anfang des 20. Jahrhunderts rafften Infektionskrankheiten wie Tuberkulose die Menschen hin. Als lebensrettend erwies sich die Erkenntnis, dass Bakterien verantwortlich sind und Körperkontakt sowie mangelnde Hygiene bei der Verbreitung eine große Rolle spielen. Mit der Entdeckung von Antibiotika schien das Wundermittel schlechthin gefunden. Dies gilt heute nur mehr mit Einschränkungen, da die unkritische Anwendung von Antibiotika die Entstehung von resistenten Erregern gefördert hat. Mit der Folge, dass die üblichen Medikamente immer öfter nicht wirken und die Zukunft der Antibiotika zur erfolgreichen Behandlung von bakteriellen Infektionen auf dem Spiel steht.
Die Entwicklung des Antibiotikums gehört zu den Meilensteinen der modernen Medizin und Penicillin ist sicher das bekannteste. Quasi durch Zufall entdeckte der britische Wissenschaftler Alexander Flemming 1928, dass der Pilz Penicillium notatum das Bakteriumwachstum verhindert. Penicillin war das erste Antibiotikum, das massenhaft produziert wurde.
Scheinbare Sicherheit
Viele Jahre und mehrere Antibiotika-Arten später wähnten sich die Menschen in Sicherheit vor Bakterien und ignorierten das Problem der Resistenzen. Erwies sich ein Antibiotikum als nicht mehr wirksam, wurde auf ein anderes zurückgegriffen. Mit dieser Strategie ist nun Schluss. Die Anzahl der antibiotischen Wirkstoffe ist endlich und die Entwicklung von neuen Stoffen für Pharmafirmen wenig lukrativ. Es dauert rund zehn Jahre bis ein neues Medikament auf den Markt gelangt. Und dann wird es im Falle von Antibiotika nicht gleich in großen Mengen verschrieben, sondern als "Reserve" verwendet.
Keine Wirkung bei Viren
Man muss wissen, dass Antibiotika nur gegen Bakterien, aber nicht gegen Viren Wirkung zeigen. In Fällen von bakteriellen Entzündungen der Lunge oder Gehirnhaut können sie lebensrettend sein. Auch bei Harnwegsinfekten, die mit Schmerzen verbunden sind, lässt sich ihre Anwendung rechtfertigen. Handelt es sich aber um banale Infekte der Atemwege wie Schnupfen, Husten, Bronchitis oder Grippe, die meist von Viren ausgelöst werden, bringen antibiotische Mittel beim Heilungsprozess keinen oder nur geringen Nutzen. Da sich viele Patienten, die keine Zeit zum Auskurieren haben oder sich diese nicht nehmen möchten, ein Rezept erwarten, entsprechen Ärzte dieser Haltung oder verschreiben von sich aus unkritisch Antibiotika. Bronchitis ist ein Beispiel dafür. Obwohl nur rund fünf Prozent der Krankheitsfälle durch Bakterien ausgelöst werden, werden laufend antibiotische Mittel verordnet. Patienten, die nur auf Medikamente setzen und sich nicht schonen, erreichen manchmal sogar das Gegenteil und riskieren – neben unerwünschten Nebenwirkungen (allergische Reaktionen, Übelkeit usw.) – wiederkehrende Infektionen.
Labortest notwendig
Der Arzt sollte eine bakterielle Infektion daher per Labortest abklären und dann die richtigen Behandlungsschritte setzen. Allerdings dauert es oft einige Tage bis zum Ergebnis. In der Realität ist eine Massenverordnung von Antibiotika zu beobachten, die etwa in Spanien und Frankreich zu weitreichenden Resistenzbildungen geführt hat. In Ländern, in denen Antibiotika ohne Rezept erworben werden können, sind Resistenzen generell häufiger zu beobachten.
Wissenswertes
Medikamente
Die richtige Einnahme von Medikamenten ist wichtig für den Therapieerfolg.
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