Arzneimittelmissbrauch

Autorin: Mag. Beatrix Aigner-Köfinger

Aktualisiert am: 19.02.2010

Disposition zur Sucht

Eine ausgeprägte Sucht nach Benzodiazepinen wie Valium oder Rohypnol entsteht nur zu einem kleinen Teil aus einer langfristigen Einnahme. "Meistens sind Leute betroffen, die eine Disposition zur Sucht haben", schildert Primar Dr. Hans Rittmannsberger, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie am Linzer Wagner-Jauregg-Krankenhaus, seine Erfahrungen. Eine stark ausgeprägte Medikamentenabhängigkeit finde man besonders bei Menschen, die schon vorher von Alkohol oder illegalen Drogen abhängig waren und einen problematischen familiären Background hätten. Selten beobachte der Arzt, dass jemand "schachtelweise" von Benzodiazepinen allein abhängig sei.

Schmerzmittel

Die zweite Gruppe, die bei falscher Anwendung ein Abhängigkeitsrisiko birgt, sind nicht nur die opiathältigen, sondern auch die nicht-opiathältigen Schmerzmittel (Analgetika). Dazu gehören sog. "Kopfwehtabletten". Auch von Mischpräparaten mit Koffein geht eine gewisse Gefahr aus. Menschen mit Schmerzstörungen nehmen diese Medikamente oft in Eigenregie ein. Dr. Rittmannsberger sieht in dieser Selbstmedikation einen Teufelskreis: "In höheren Dosierungen können diese Medikamente selbst wieder Kopfschmerzen verursachen". Nichtsahnend würden die Betroffenen immer mehr Medikamente gegen Schmerzen einnehmen und so ihren Zustand verschlimmern. Auch hier gilt: Medikamente nicht ohne ärztliche Absprache einnehmen und nicht ohne Grund die Dosis steigern.

Vorsicht bei Verschreibung

Oft lautet der Vorwurf, dass der Medikamentenmissbrauch in der Arztpraxis beginnt. Das mag zu einem gewissen Grad stimmen, weil den Ärzten nicht ausreichend Zeit für den Patienten bleibt. Dr. Rittmannsberger hält zwei Aspekte für besonders wichtig, um Missbrauch zu vermeiden: Erstens müsse der Patient vom Arzt informiert werden, dass die Einnahme von Beruhigungsmitteln nur für eine begrenzte Zeit gedacht sei. Bei Benzodiazepinen handle es sich um Notfallsmedikamente. Menschen mit Angststörungen und Erwartungsangst, also der Angst vor der Angst, sei dies schwerer vermittelbar, gibt Rittmannsberger zu. Bei dieser Gruppe komme es schneller zu einer missbräuchlichen Anwendung. Weiters empfiehlt Dr. Rittmannsberger der Ärzteschaft, bei Menschen mit erhöhtem Risiko für Abhängigkeit bei der Verschreibung von bestimmten Arzneimitteln besonders vorsichtig zu sein und die familiäre Disposition abzuklären.


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