Bettnässen

Autorin: Ulrike Springer

Aktualisiert am: 07.06.2010

Nächtliches Einnässen

Das nächtliche Einnässen (Enuresis nocturna) ist nach wie vor ein Tabuthema, das die betroffenen Kinder und Jugendlichen und deren Familien oft stark belastet. Das Vorurteil, dass Kinder psychisch krank sind, wenn sie ins Bett machen, ist jedoch widerlegt. In den meisten Fällen liegen körperliche Ursachen vor.

Früher ging man davon aus, dass Bettnässen bei Kindern nach dem 5. Lebensjahr und Jugendlichen vor allem psychische Ursachen hat. Eine zu frühe oder übertrieben strenge Sauberkeitserziehung, Trennungs- und Verlustängste nach einer Scheidung der Eltern, häusliche Gewalt oder Schulstress wurden etwa als mögliche Auslöser angeführt. Dementsprechend verunsichert blieben und bleiben Eltern bettnässender Kinder zurück. Aus Scham, in der Erziehung versagt und damit das Problem verursacht zu haben, wird es in vielen Fällen verschwiegen. Kommt es zu einer mehrtägigen Klassenfahrt oder wird das Kind von einem Freund oder einer Freundin zum Übernachten eingeladen, ist Stress vorprogrammiert. Dabei kommen neueste medizinische Forschungen zum Ergebnis, dass in vielen Fällen körperliche Ursachen zum nächtlichen Einnässen führen. Eine Erkenntnis, die vielen Eltern wohl eine Menge Druck nehmen und einen gelasseneren Umgang mit dem Problem ermöglichen sollte. Etwaige psychische Störungen können jedoch Folgen des Umgangs mit dem Problem Bettnässen sein.

Primäre und sekundäre Enuresis

Um die Ursachen des Bettnässens zu klären, muss zunächst einmal zwischen primärer und sekundärer Enuresis unterschieden werden. Von primärer Enuresis  wird gesprochen, wenn das Kind noch nie in der Nacht trocken war und das auch nach dem 5. Lebensjahr noch nicht erlernt hat. Bei der sekundären Enuresis nässt das Kind wieder ein, nachdem es dies bereits länger als sechs Monate lang nicht mehr getan hat.

Primäre Enuresis

Mit 75 Prozent ist die primäre Enuresis die häufigste Form des Bettnässens, die körperliche Ursachen hat. Auffällig ist, dass sie familiär gehäuft auftreten kann und daher vermutlich genetisch bedingt ist. Eine wichtige Rolle beim Bettnässen spielt das antidiuretische Hormon (ADH, auch Vasopressin), das den Wasserhaushalt im Körper und die Blasenfüllung steuert. Während ein Baby Tag und Nacht gleich viel Urin produziert und ausscheidet, wird normalerweise etwa ab dem vierten Lebensjahr das ADH in einem tageszeitlichen Rhythmus ausgeschieden, der zu einer Drosselung  der Harnmenge in der Nacht führt. Ein Mangel an ADHS führt dazu, dass in der Nacht zu viel Harn produziert wird, der dann eben raus muss. Bei der sekundären Enuresis spielen psychische Ursachen eine große Rolle. Vor allem große Veränderungen im Leben des Kindes wie etwa die Geburt eines Geschwisterkindes, der Eintritt in den Kindergarten oder in die Schule, der Verlust einer Bezugsperson oder ein Umzug können diese Form des Bettnässens auslösen.


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