Boreout-Syndrom

Autorin: Mag. Beatrix Aigner-Köfinger

Aktualisiert am: 27.04.2011

Boreout: Langeweile im Job

Normalerweise klagen Angestellte über Burnout – bedingt durch ein zu hohes Arbeitspensum und zu wenig Freizeit. Auch das Gegenteil, nämlich Unterforderung und Langeweile am Arbeitsplatz, können unglücklich und krank machen, behauptet ein Schweizer Autoren-Duo und bezeichnete dieses Phänomen als "Boreout"-Syndrom.

Woran die Kollegen den ganzen Tag am Computer arbeiten, ist manchmal nicht so leicht zu erkennen. Wer geschäftig und gestresst tut, muss es unter Umständen gar nicht sein. Viele Arbeitnehmer langweilen sich in der Arbeit und verbringen einen nicht zu vernachlässigenden Teil ihrer Zeit mit privaten Angelegenheiten. Am Anfang und in geringem Ausmaß hat das auch seinen Reiz und seine Berechtigung. Wenn das Gefühl der Langeweile (engl. boredom) am Arbeitsplatz aber jeden Tag auftritt und das Nichtstun überhand nimmt, kann der Arbeitnehmer in einen Teufelskreis geraten, der unter dem so genannten "Boreout"-Syndrom Schlagzeilen gemacht hat.

Diagnose: Langeweile

Die Bezeichnung "Boreout" stammt von den Schweizer Autoren Philippe Rothlin und Peter R. Werder, die ihre Berufserfahrungen in der Wirtschaftswelt zum Anlass nahmen, über das "Ausgelangweilt-Sein" zu berichten. In ihrem 2007 erschienenen Buch "Diagnose Boreout – Warum Unterforderung im Job krank macht" beschäftigen sie sich mit beruflicher Unterforderung und Langeweile am Arbeitsplatz. Die Anlehnung an das bekannte Burnout-Syndrom ist dabei kein Zufall. Die Autoren meinen sogar, dass nicht Burnout das Hauptproblem in der Arbeitswelt sei, sondern Boreout. Letzteres sei aber zu wenig untersucht.

Definition von Boreout

Laut Definition spricht man dann von Boreout, wenn Arbeitnehmer unterbeschäftigt, unmotiviert und gelangweilt sind, aber paradoxerweise aktiv versuchen, diesen Zustand aufrechtzuerhalten. Um beschäftigt und gestresst zu wirken, kämen teilweise anstrengende Verhaltensstrategien zur Anwendung. Dieser Zwang entstehe, da fehlende Motivation nicht offen gezeigt werden könne, ohne den Job zu riskieren. Und an dem wollen viele Arbeitnehmer aus Zukunftsangst trotzdem lieber festhalten.

Wer ist betroffen?

Menschen mit Bürojobs seien anfälliger für Boreout als in anderen beruflichen Bereichen, so die Autoren. Für einen Handwerker oder eine Krankenschwester ist es schwieriger, Arbeitshandlungen zu simulieren. Im Büro hingegen habe die Digitalisierung der Arbeitsmethoden nicht nur zu mehr Effizienz geführt, sondern auch zu größerer Ablenkung. Die Vernetzung mit der Außenwelt funktioniert dank Internet und Handy fast schon zu gut und die Flucht in Scheinbeschäftigungen ist somit leicht möglich. Auch wer sich selbst das Arbeitsvolumen und Termine einteilen könne, stehe in der Gefahr, in Scheinbeschäftigungen abzurutschen. Von Boreout Betroffene seien aber nicht notwendigerweise faul, sondern nur ihr Verhalten paradox.


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