Botox

© Fotolia/Gornist
Autorin: Mag. Beatrix Aigner-Köfinger
Aktualisiert am: 15.11.2009
Botox - Lähmung erwünscht
Botulinumtoxin ist ein altbekanntes Gift, das ursprünglich zur Behandlung neurologischer Erkrankungen genutzt wurde. Für Patienten mit Schiefhals oder Krämpfen ist das Gift immer noch das Medikament erster Wahl. Nicht nur übermäßig gespannte Muskeln erschlaffen dadurch, Botox glättet auch Falten oder lähmt überaktive Drüsen.
Botulinumtoxin ist eine hochgiftige Substanz, die in verdorbenen Wurstwaren vorkommt. Daher stammt auch die ursprüngliche Bezeichnung "Wurstgift". Heute wird das Mittel in Zellkulturen gewonnen und hochverdünnt verwendet. "Botox" ist übrigens ein Markenname für das Medikament, wird aber gerne verkürzend für Botulinumtoxin verwendet. Dieses eignet sich besonders für Erkrankungen, die durch übermäßig gespannte Muskeln gekennzeichnet sind. Bei Schiefhals, Krämpfen im Augenbereich (z. B. Lidzucken), Blasen- und Prostataproblemen wirkt das Gift entspannend. Auch bei Kopfschmerzen und Migräne spüren manche Patienten eine deutliche Linderung. Da Botulinumtoxin bestimmte Drüsen lähmt, zählt die Behandlung von übermäßigem Schwitzen zu den weiteren Einsatzmöglichkeiten.
In der kosmetischen Anwendung werden hauptsächlich Mimikfalten behandelt, die sich im Stirn- und Augenbereich sowie am Kinn oder Hals finden. Der Plastische Chirurg Dr. Walther Jungwirth von der EMCO Privatklinik in Salzburg erklärt die Wirkungsweise von Botulinumtoxin mit einem "Stecker, den man aus der Steckdose des Muskels herauszieht". Das Gift blockiere die Rezeptoren, in der Folge komme der Impuls des Nervs nicht mehr beim Muskel an. Dieser könne sich nicht mehr bewegen und die Falten verschwinden.
Beliebtes Schönheitselixir
Seit 12 Jahren ist Dr. Jungwirth seinen Patienten Vorbild und setzt sich selbst regelmäßig Botox-Injektionen in die Stirn. Er ist damit ein Anwender der ersten Stunde. Mittlerweile werden allein in den USA jährlich zwei Millionen Botox-Behandlungen gezählt. Weltweit schätzt Dr. Jungwirth die Zahl auf rund 15 Millionen. Die ambulante Prozedur ohne Einschnitte überzeugt viele, die tiefen Falten vorbeugen möchten. Die Behandlung läuft so ab, dass zwischen acht bis 15 Injektionspunkte gesetzt werden. Spätestens nach zehn Tagen zeige sich das Ergebnis, meistens aber schon nach drei bis vier Tagen, schildert Dr. Jungwirth seine Erfahrungen. Von der Wirksamkeit von Botox bei Zornesfalten, Stirnfalten oder Krähenfüßen ist der Arzt überzeugt. Bei der Mundmuskulatur ist er mit der Anwendung zurückhaltend. Es bestehe die Gefahr, dass die natürliche Mimik zu stark gestört werde. Dafür gibt es bereits einige berühmte Beispiele aus der Filmwelt.
Wirkungsdauer schwankt
"Die Wirkungsdauer ist unterschiedlich und abhängig davon, wie schnell das Botulinumtoxin im Körper abgebaut wird." Grundsätzlich meint Dr. Jungwirth, dass nach der ersten Injektion wieder nach drei Monaten nachgespritzt werden müsse und danach zwei Mal im Jahr. Bei manchen halte die gewünschte Lähmung aber länger an. In den Tagen nach einer Behandlung rät Dr. Jungwirth von Saunabesuchen ab, da sich die Wirkung verkürzen würde. Man sollte auch nicht zu viel Vitamin D zu sich nehmen und zwischen den Behandlungen eine Pause von mindestens sechs Wochen einlegen. "Man könnte theoretisch gegen Botulinumtoxin unempfindlich werden und Antikörper bilden", gibt der Salzburger Arzt zu bedenken.
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