Der verletzte Mensch

Autorin: MMag. Susanne Kapeller

Aktualisiert am: 20.04.2009

Der verletzte Mensch

Andreas Salcher hat schon vor einigen Jahren mit seinem Bestseller "Der talentierte Schüler und seine Feinde" für Aufsehen gesorgt. Auch mit seinem neuen Buch "Der verletzte Mensch" spricht er ein brandaktuelles Thema an. Der Begriff "Resilienz" geistert im Moment durch viele Medien. Resilienz bezeichnet die innere Widerstandskraft von bestimmten Menschen. Durch diese Eigenschaft können sie Krisen meistern, an denen andere vielleicht zerbrechen. Die Eigenschaften und Verhaltensweisen von resilienten Menschen gelten daher als Vorbild. Jeder Mensch erlebt in seinem Leben eine Unzahl an Verletzungen und Kränkungen. So ist es natürlich gut zu wissen, durch welche innere Einstellung wir uns davor schützen können. Oder im besten Fall sogar davon profitieren und Energie schöpfen können.

Bestimmte Mechanismen machen uns zu Opfern oder Tätern. Salcher erzählt viele Beispiele aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen. An dem einen oder anderen wird man sich vielleicht wiedererkennen. Wer sich in besonderem Maße von anderen Menschen verletzt fühlt, sollte sich fragen, warum das so ist. Ein Schlüsselsatz in Salchers Buch lautet: "Viele Opfer tragen ein unsichtbares Schild, auf dem steht: 'Verletze mich', weil sie unbewusst glauben, wenn sie bereit sind einzustecken, bekommen sie etwas dafür, zumindest Aufmerksamkeit."

Ein Plädoyer für die Vergebung

Aus dieser Spirale auszubrechen, ist die große Kunst, die hier leider nur in Ansätzen präsentiert wird. Ein wesentlicher Faktor kommt bei Salcher der Vergebung zu. Wer ewig auf Rache sinnt, gibt den Tätern laut Salcher viel Macht über einen selbst. Mit Vergebung meint Salcher aber nicht Versöhnung. Vergebung meint vielmehr, mit der Vergangenheit ins Reine zu kommen und dadurch in der Gegenwart weniger Schmerz zu empfinden. Und das kommt auch der Gesundheit zugute, denn Wut und Hass machen krank. Wichtig ist auch, sich mit seinem Schicksal nicht abzufinden. Wer denkt, das Schicksal habe für einen die Opferrolle vorgesehen, wird in einer selbsterfüllenden Prophezeiung wahrscheinlich auch immer das Opfer sein.

Der Autor:
Dr. Andreas Salcher hat Betriebswirtschaft studiert und ein "Executive Program" an der Harvard-Universität absolviert. Nach einem persönlichen Treffen mit Sir Karl Popper im Jahr 1993 in London gründete er gemeinsam mit Dr. Bernhard Görg die erste österreichische Schule für besonders begabte Kinder. Sein erstes Buch "Der talentierte Schüler und seine Feinde" wurde zum Bestseller und hat eine breite öffentliche Debatte über den Umgang mit den Talenten in unserem Schulsystem ausgelöst.

Andreas Salcher
Der verletzte Mensch
284 Seiten
Ecowin 2009
ISBN: 978-3-902404-69-5
Preis: 19,95 €


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