Dioxin in Lebensmitteln

Autorin: Mag. Beatrix Aigner-Köfinger

Aktualisiert am: 14.03.2011

Umweltgift Dioxin

Der letzte Lebensmittel-Skandal in Deutschland liegt noch nicht lange zurück. Deutlich erhöhte Dioxin-Werte in Eiern und Fleisch führten zu großer Beunruhigung bei den Konsumenten. Obwohl kein Grund zur Panik bestand, zeigte sich an diesem Fall, dass die Gefährlichkeit des Umweltgifts für die Gesundheit nicht zu unterschätzen ist.

Dioxine kommen überall in der Umwelt vor und lassen sich in jedem Menschen nachweisen. Abgespeichert werden sie im Fettgewebe, und das für sehr lange Zeit. Der Mensch nimmt täglich winzige Mengen des Gifts auf. Das beginnt schon mit der Muttermilch. Vermeiden lässt sich das kaum, aber wie so oft macht die Dosis das Gift.

Entstehung von Dioxinen

Dioxin gilt als eines der bedeutendsten Umweltgifte. Es wird bei Verbrennungsprozessen ab 300 Grad und mehr gebildet und ab Temperaturen von 900 Grad wieder zerstört. Als Hauptproduzenten gelten die Metall- und Stahlindustrie, private Ölheizungen und Kachelöfen. In der Natur treten Dioxine bei Waldbränden und Vulkanausbrüchen auf. Der Dioxin-Ausstoß von Müllverbrennungsanlagen spielt heute keine nennenswerte Rolle mehr, da es seit Mitte der 1990er Jahre strenge Grenzwerte für Abgase und Filtertechnologien gibt. Seit damals werden Dioxine als Gesundheitsproblem ernst genommen und die Dioxin-Belastung hat um mehr als 50 Prozent abgenommen. Als ehemalige Dreckschleudern sind Müllverbrennungsanlagen aber noch immer für den Großteil der Dioxine im Boden und damit in der Nahrung verantwortlich. Das hängt mit der Langlebigkeit des Umweltgifts zusammen. Wie bei radioaktiven Stoffen dauert es Jahrzehnte, bis die Spuren im Boden und vom menschlichen Organismus abgebaut werden.

Katastrophe als Namensgeber

Insgesamt gibt es rund 200 Dioxin-Arten bzw. chemisch ähnliche aufgebaute Substanzen (Furane), also Kohlenwasserstoffverbindungen, die mit Chlor versetzt sind. Das giftigste Dioxin ist als Seveso-Gift bekannt. Sein Name stammt von einer Chemiekatastrophe im italienischen Seveso, die sich am 10. Juli 1976 nördlich von Mailand ereignete. Dabei gelangten große Mengen des 2,3,7,8-Tetrachlordibenzodioxin (TCDD) in die Umwelt. Rund 200 Menschen reagierten mit schlimmer Chlorakne, die sich in verstärkter Verhornung und Eiterpusteln zeigt. Tiere und Pflanzen verendeten. Schon während des Vietnamkriegs wurde mit TCDD verunreinigtes Entlaubungsmittel Agent Orange eingesetzt. Die Folgen sind für die vietnamesische Bevölkerung und US-Soldaten bis heute spürbar.

Akute Vergiftung

Ein erhöhter Dioxin-Grenzwert, wie er in deutschen Lebensmittelprodukten gefunden wurde, bedeutet noch keine unmittelbare Gesundheitsgefährdung. Dioxine richten erst großen Schaden an, wenn sie dem Körper innerhalb kurzer Zeit in extrem hoher Dosis zugeführt werden. Eine Vergiftung zeigt sich in Chlorakne, gereizten Atemwegen, Kopfschmerzen und Leberfunktionsstörungen. Der ukrainische Politiker Viktor Juschtschenko ist ein Beispiel für einen solchen Fall. Er wurde von Unbekannten über die Nahrung mit einer großen Menge der Substanz vergiftet und überlebte, obwohl bei im die 50.000-fache Dioxin-Belastung nachgewiesen wurde. Sein Gesicht ist bis heute von dem Anschlag gezeichnet.

Aufnahme über längere Zeit

In geringer Dosis beeinträchtigen Dioxine, wenn sie dem Körper über einen längeren Zeitraum zugeführt werden, die Gesundheit kurzfristig zwar kaum. Sprich: Es treten unmittelbar keine akuten Symptome auf, aber da sich Dioxine langfristig im Fettgewebe anlagern, sind chronische Effekte möglich. In Tierversuchen haben sich Störungen des Immunsystems und des Hormonhaushalts, Reproduktionsstörungen, schwere Haut- und Atemwegserkrankungen sowie Schilddrüsenprobleme und Darmschädigungen beobachten lassen. Obwohl Tierversuche auch vermuten lassen, dass bestimmte Dioxin-Arten krebserregend sein könnten, lässt sich das nicht eins zu eins auf den Menschen übertragen. Eine normale Dioxin-Belastung im Körper bringt anscheinend keine Nachteile für die Gesundheit mit sich. Das Seveso-Gift wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aber als für den Menschen krebserregend eingestuft.


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