Erkältungen

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Autorin: Mag. Sonja Tautermann
Aktualisiert am: 24.01.2011
Erkältungen: Heilpflanzen statt Antibiotika
90 bis 95 Prozent aller Atemwegsinfekte werden durch Viren ausgelöst. Trotzdem werden häufig Antibiotika verschrieben, die aber nur bei Bakterien eine Wirkung zeigen und die körpereigene Abwehr schwächen. Auch beim Fiebersenken mit Medikamenten sollte man vorsichtig sein: Studien zufolge verlängern diese die Krankheitsdauer. Pflanzliche Heilmittel sind die bessere Alternative bei Erkältungskrankheiten, sagen Experten.
35 Prozent der Österreicher gehen zum Hausarzt, wenn Sie erkältet sind. Was sie dort verschrieben bekommen? Zu 80 Prozent Antibiotika. Doch: nur fünf bis zehn Prozent der Erkältungen werden von Bakterien ausgelöst, zu 90 bis 95 Prozent ist das Antibiotikum also völlig nutzlos. Antibiotika helfen weder bei akuter Bronchitis noch bei Grippe. "Eine akute Bronchitis ist die häufigste Fehlverordnung von Antibiotika. Die einzige Form der akuten Bronchitis, die einer Antibiotika-Therapie bedarf, ist der Keuchhusten", sagt Prim. Christoph Wenisch, Abteilungsvorstand der Medizinischen Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin im Kaiser-Franz-Josef-Spital.
Antibiotika helfen nicht gegen Viren
"Antibiotika sind bei akuter viraler Bronchitis ein Kunstfehler! ", findet der Experte deutliche Worte. Der Grund: die Zunahme von Antibiotika-Resistenzen, die jeden von uns betrifft. Denn: Wenn Antibiotika inadäquat eingesetzt werden, die Dosierung falsch oder die Behandlung zu kurz oder zu lange dauert, machen sie Krankheitserreger resistent. Und das kann gefährlich werden. Vergleicht man die Sterblichkeit von Menschen, die durch "normale" und jene, die durch resistente Bakterien erkrankt sind, wird klar: "Die Sterblichkeit ist bei resistenten Bakterienbrüdern doppelt so hoch", so Wenisch. Laut WHO (2008) sterben weltweit jährlich mehr Menschen an Infektionen durch antibiotikaresistente Keime als an AIDS.
Darmflora durch Antibiotika bis zu vier Jahre geschädigt
Ein weiterer Nachteil jeder Antibiotika-Behandlung: Angegriffen werden nicht nur Bakterien, die Krankheiten auslösen, sondern auch die körpereigene Darmflora. "Bisher dachte man, nach drei Monaten wäre die Darmflora wieder in Ordnung. Heute weiß man, dass der ökologische Schaden bis zu vier Jahre dauert", so Wenisch.
"Dies führt zu einer Schwächung des Immunsystems", ergänzt Dr. Petra Zizenbacher, Allgemeinmedizinerin mit Schwerpunkt Naturheilkunde. Ist die Immunabwehr geschwächt, wird man schneller krank. Zudem steige auch das Risiko von Kindern, an Neurodermitits zu erkranken: "Je häufiger kleine Kinder Antibiotika einnehmen müssen, desto größer ist ihr Risiko, an Asthma zu erkranken. Das ist das Ergebnis einer großen kanadischen Studie."
Auch das Wachstum von Pilzen, etwa im Darm oder Vaginalbereich, wird durch eine Antibiotikagabe gefördert. "Zur Sanierung einer geschädigten Darmflora stehen Arzneimittel zur Verfügung, die physiologisch im Darm vorkommende Lactobazillen, Enterokokken oder Coli-Bakterien enthalten", so Dr. Christian Plaue, Leiter des Referats für Komplementärmedizin der Ärztekammer Wien.
Sorgsamer Umgang mit Antibiotika notwendig
"Selbst dann, wenn eine Bronchitis mit grünlich-gelbem Auswurf entstanden ist, ist dies nicht automatisch eine Indikation für den Einsatz eines Antibiotikums. Untersuchungen zeigen nämlich, dass dadurch die Krankheitsdauer statistisch lediglich um einen halben Tag im Zeitraum von drei Wochen verkürzt wird", sagt der Experte. Der sorgsame Umgang mit Antibiotika ist wesentlich. Der logische Schluss: "Antibiotika sollten erst dann zum Einsatz kommen, wenn der Patient schwer erkrankt ist", so Wenisch.
Fieber gesenkt – länger krank
Wer Fieber hat, greift schnell zu Mitteln wie Aspirin oder Paracetamol, die fiebersenkend wirken. Plaue: "Fieber wird oft als Feind betrachtet, doch es aktiviert das Immunsystem und den Stoffwechsel und hemmt das Bakterienwachstum. Es gibt nur selten Komplikationen, erst Fieber über 41 Grad könnte gefährlich werden." Sollten die Fiebersymptome zu stark werden, rät er seinen Patienten erst einmal zu "Hausmitteln" und Homöopathie. "Wird das Fieber gesenkt, erhöht sich die Krankheitsdauer", sagt Plaue und verweist auf mehrere Studien, die zeigen, dass beispielsweise weniger Antikörper gebildet und Viren länger im Blut bleiben, wenn das Fieber gesenkt wird.
"Rasches Fieber führt zu einem kürzeren Krankheitsverlauf, wenn es sich um eine banale Virusinfektion handelt", bestätigt auch Wenisch. Zudem könne man durch die Einnahme von Aspirin möglicherweise eine Lungenentzündung übergehen. Und: "Die Hauptursache für akutes Leberversagen sind Fiebermittel wie Paracetamol." Kinder sollten kein Aspirin nehmen, sagt er. Für Dr. Zizenbacher sind Fiebermittel "das Abschalten einer Warnblinkanlage", da Fieber ein Signal des Körpers sei, Ruhe zu geben.
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