Essstörung
Aktualisiert am: 25.03.2008
Teil 1: Es beginnt mit einer Diät
Teil 2: Hier zählt Leistung
Teil 3: Auf den Punkt gebracht
Teil 4: Behandlung meist Privatsache
Teil 5: Genuss ist erlernbar
Teil 6: Links
Auf den Punkt gebracht
Einer der Gründe, warum Essstörungen solange unentdeckt bleiben, heißt Sprachlosigkeit. Kaum jemand weiß, wie er seinem Verdacht Ausdruck verleihen soll. Bevor man das Kind beim Namen nennt, sollte man sich zwei Fragen stellen, sagt Margit Hörndler, leitende Psychologin von "sowhat beratung": "Bin ich die richtige Person, um das Thema anzusprechen? Und: Erlaubt meine Beziehung diese Offenheit?" Für ein Gespräch braucht es den richtigen Zeitpunkt und Zeit sowie den Mut, direkt und klar auszusprechen, was man beobachtet: "Ich sehe, du gehst nach dem Essen aufs Klo und ich vermute, du erbrichst dort", gibt Hörndler ein konkretes Beispiel.
Als nächstes könne man anbieten, die Tochter, Kusine oder Freundin zu begleiten. Die erste Reaktion mag zwar Ablehnung oder Verleugnung sein, "das ist so, aber davon darf man sich nicht abschrecken lassen", ermutigt die Expertin, dran zu bleiben. Abwehr erzeuge hingegen die Mutter oder der Vater, der sein Kind ständig ermahnt, doch endlich mehr zu essen. "Das Problem anzusprechen ist gut, aber dann muss man es auch wieder loslassen", bringt es Hörndler auf den Punkt.
"Nur schlank werde ich geliebt"
Ein großes Thema ist das verzerrte Selbstbild. Die Mädchen – und es sind vor allem Mädchen – haben das Gefühl, dass sie "nur wahrgenommen werden, wenn sie abnehmen", sagt Lebensberaterin Lenhard-Backhaus. Ihr Selbstwert wird durch extremes Schlanksein bestimmt, jede Körperveränderung wird durch eine Lupe wahrgenommen. "Es ist erschreckend, wie wenig Selbstliebe diese Mädchen aufbringen", wundert sich die auf Essstörungen spezialisierte Beraterin. "Ich sehe so viele Ressourcen in ihnen und sie selbst sehen nichts." Im psychotherapeutischen Prozess lernen die Betroffenen daher, anders mit Aggressionen umzugehen, sich besser durchzusetzen und vor allem, "sich selbst mit all ihren Fähigkeiten und Besonderheiten mehr zu schätzen", fasst die "intakt"-Mitarbeiterin zusammen.
Hinzu kommt, dass meist junge Mädchen betroffen sind, die mitten in der Pubertät stecken. In dieser Zeit geht es um Loslösung und Neuorientierung. "Ein krankes Kind loszulassen, ist für Eltern natürlich besonders schwer", bestätigt sie. Wer nichts isst, übt Macht aus, auf die viele Eltern mit völliger Ohnmacht reagieren. Auch ihnen will man in den Therapiezentren "sowhat" und "intakt" helfen.
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