Essstörung

Aktualisiert am: 25.03.2008

Behandlung meist Privatsache

Billig sind die langwierigen Behandlungen nicht. Großteils sind sie privat zu bezahlen. Die KFA (Krankenfürsorgeanstalt der Bediensteten der Stadt Wien) trägt die gesamten Behandlungskosten, die im Therapiezentrum "intakt" für Versicherte und Mitversicherte anfallen. In besonderen Fällen bietet das intakt-Team Sozialtarife an. "sowhat" steht ein begrenztes Kontingent an voll durch die Krankenkassen (WGKK, NöGKK) refundierten Therapieplätzen zur Verfügung.

Die Krankenkasse zahlt 21,80 Euro zu einer Psychotherapie dazu. Der Rest ist Privatsache – bei einer durchschnittlichen Behandlungsdauer von zwei bis drei Jahren keine Kleinigkeit. Vermutlich fragt danach kaum jemand, schließlich geht es um viel. Trotzdem ist es schwer einzusehen, warum körperliche und psychische Krankheiten in einem Gesundheitssystem unterschiedlich eingestuft werden, noch dazu, wenn es so deutlich um Körper und Geist geht.

Gefahren für den Körper

"Die Ursachen liegen in der Psyche, die Auswirkungen hat voll der Körper zu tragen", bringt es die Allgemeinmedizinerin Renate Kastner auf den Punkt. Das zeigt sich zum Beispiel dadurch, dass bei Frauen und Mädchen die Monatsblutung ausbleibt oder erst gar nicht einsetzt. Kastner: "Der Körper spart diese Energie praktisch ein, weil er ohnehin fast keine hat." Er tritt in einen Hungerstoffwechsel ein. Erst baut er Fett ab, dann Muskelgewebe. In der Folge betreffe dies sogar den Herzmuskel, die Organe und die Gehirnsubstanz. Unklar sei bislang, ob dieser Vorgang reversibel sei. Osteoporose ist ein weiteres Thema. "Wir haben 20-Jährige mit der Knochensubstanz einer alten Frau", sagt die Homöopathin.

Direkte Auswirkungen hat Magersucht schließlich auch auf Leistungsfähigkeit und Wärmehaushalt. Zu schlanken Menschen ist es fast immer kalt. Bei Bulimie-Patientinnen wiederum kommt es durch das ständige Erbrechen zu einem Elektrolytverlust, was zu Herz-Rhythmusstörungen führen kann. Was fatal enden kann, fängt oft harmlos an: "Jede Essstörung beginnt mit einer Diät", weiß die Ärztin.

Letzter Ausweg: Künstliche Ernährung

Die Untergrenze für eine ambulante Behandlung bei "intakt" setzt Kastner bei einem BMI von 14 an. Unter einem BMI von 13,5 muss über Sonden ernährt werden. Stationäre Hilfe bietet zum Beispiel die Universitätsklinik für Neuropsychiatrie des Kindes & Jugendalters im AKH. Entscheidend sei, ob man "mit der PatientIn Vereinbarungen treffen kann", sagt Stationsschwester Isabella Fercher. Sie rät Familien, wieder gemeinsam zu essen. "Ich appelliere an die Eltern, zumindest am Wochenende die gemeinsamen Mahlzeiten zu zelebrieren. Das passiert heute leider nur noch selten", so Fercher. 

Unter 17-Jährige nimmt auch das Wilhelminenspital auf. Um die Älteren kümmern sich die Barmherzigen Schwestern Wien und die Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie im AKH. Wie bei "sowhat" und "intakt" laufen auch an den drei Wiener Kliniken ambulante Therapieprogramme.


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maxerl ARTIKEL KOMMENTIEREN
Zu diesem Artikel gibt es 3 Kommentar(e).
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Essstörung  von Normalfigur (Gast)
11:15 25.03.2008
Ich finde es auch arg, wenn ich bei diversen spanischen Modediskontern als Frau mit einem BMI von 19 nur in Kleidung der Größe Large passe. Da stimmt doch was nicht. Ich kann mir vorstellen, dass so manches junge Mädchen das als Anlass zum Abnehmen nimmt.
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RE: Essstörung  von amelie
15:31 25.03.2008
Stimmt! Diverse Modeketten gehen bei ihren Hosenschnitten von einer Oberschenkel- und Pogröße aus, die nur ein Supermodel haben kann. Das Hosenprobieren wird bei Zara, Benetton & Co. dadurch zur Farce.

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RE: Essstörung  von Eri (Gast)
07:52 10.04.2008
Das ist nicht nur bei Modediskontern der Fall, ein Poloshirt Größe 42 in einem bekannten Sportgeschäft wird unter XL verkauft, anscheinend darf man/frau nur Sport betreiben bis Größe 42 - bitte was soll das?
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