Essstörung
Aktualisiert am: 25.03.2008
Teil 1: Es beginnt mit einer Diät
Teil 2: Hier zählt Leistung
Teil 3: Auf den Punkt gebracht
Teil 4: Behandlung meist Privatsache
Teil 5: Genuss ist erlernbar
Teil 6: Links
Es beginnt mit einer Diät
Warum soll krank sein, was alle Welt schön findet? Trotz der öffentlichen Diskussionen um magersüchtige Stars und Models ist keine Ablöse dieses Schönheitsideals in Sicht. Das Problem dabei: Diese Vorbilder prägen.
"Schaut euch doch mal die Stars an, die haben auch alle so eine Figur", rechtfertigt eine Wecarelife-Userin ihr eigenes Untergewicht in einem Kommentar. Sie trifft den Nagel damit auf den Kopf. Manchmal ist es der Sportlehrer, der die jungen Mädels als zu fett abstempelt und ihnen Höchstleistungen nur gegen Abspecken in Aussicht stellt. Manchmal sind es Schauspielerinnen wie Angelina Jolie, die mit dünnen Ärmchen an der Seite von Brad Pitt ganz beseelt aus den Hochglanzmagazinen lächelt. Und manchmal sind es die Stars von morgen, die zum Vorbild gereichen. Ein solches Vorbild könnte Jennifer werden. Star ist sie noch keiner, aber ihr Ziel formuliert sie klar: Sie will Germany's next Topmodel werden.
Untergewicht kann lebensbedrohlich sein
Die Sechzehnjährige aus der Heidi-Klum-Show wiegt auf 180 Zentimeter Körpergröße 55 Kilo und hat einen Body-Mass-Index (BMI) von 17. Ab einem Body-Mass-Index von unter 18,5 spricht die WHO (Weltgesundheitsorganisation) von Untergewicht. Unter 16 wird es für die WHO sehr ernst. sowhat, ein in Wien 15 ansässiges Institut für Menschen mit Essstörungen, macht in einer Kampagne aufmerksam auf die Folgen des Schlankheitswahns: "Wer zu viel abnimmt, verliert mehr als nur ein paar Kilo", heißt es da. Ständiger Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen, allem voran Calcium, verändert Haut, Haare, Nägel und Zähne. Laut Andreas Karwautz, Professor an der Medizinischen Universität Wien und Experte für Essstörungen, endet bei etwa neun Prozent der magersüchtigen Frauen die Krankheit sogar tödlich.
Die Statistik Austria hat in der Gesundheitsbefragung von 2006/2007 erhoben, dass 2,9 Prozent der über 20-jährigen Österreicherinnen, hingegen nur 0,6 Prozent der Österreicher einen BMI von unter 18,5 hat. 1999 waren 3,3 Prozent der Frauen und 0,9 Prozent der Männer betroffen. Bereits seit 1991 sind die Zahlen rückläufig. Adipositas, sprich Fettleibigkeit, hat indes stetig zugenommen und wird von der WHO als das deutlich größere Problem angesehen. Die Zahlen täuschen allerdings, weil die unter 20-Jährigen von der Statistik Austria nicht erfasst sind.
An der Medizinischen Universität Wien geht man davon aus, dass 0,5 bis ein Prozent der heranwachsenden Mädchen in Österreich ernsthaft an Magersucht (Anorexie) erkranken, zunehmend häufiger jetzt auch Frauen über 25 Jahren. Bulimie (Ess-Brech-Sucht) tritt hingegen gehäuft bei 18- bis 35-Jährigen auf. In Österreich sind es zwei bis vier Prozent. Bulimikerinnen sind allerdings meist normalgewichtig.
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