Essstörung
Aktualisiert am: 25.03.2008
Teil 1: Es beginnt mit einer Diät
Teil 2: Hier zählt Leistung
Teil 3: Auf den Punkt gebracht
Teil 4: Behandlung meist Privatsache
Teil 5: Genuss ist erlernbar
Teil 6: Links
Hier zählt Leistung
Untergewicht und starkes Untergewicht kommen laut Statistik Austria eher bei höher gebildeten Frauen, Studentinnen und weiblichen Angestellten vor. Sportler und Tänzer beiderlei Geschlechts sind ebenfalls betroffen. Die KlientInnen, die zum Beratungs- und Informationszentrum "sowhat" kommen, stammen tendenziell aus der Mittel- und Oberschicht.
"Nach außen hin sind es Bilderbuchfamilien, oft sehr leistungsorientiert", erzählt Margit Hörndler, psychologische Leiterin des sowhat Beratungs- und Informationszentrums. "Die Mädchen haben scheinbar alles. Davon werden sie jedoch nicht satt. Es fehlt häufig der unmittelbare emotionale Kontakt und ein echtes Bezugnehmen auf die Bedürfnisse des Kindes." Da es sich bei Essstörungen um psychosoziale Phänomene handle, seien sie am besten durch Psychotherapie behandelbar, so Hörndler.
Andere bekochen, selbst hungern
Auf die Frage, wie die Umgebung auf eine Magersucht aufmerksam wird, nennt die klinische Psychologin als erstes die "plötzliche und rasche Gewichtsabnahme". Häufige Anzeichen sind, dass sich die Betroffenen von den gemeinsamen Mahlzeiten zurückziehen. Sie essen einseitig, verzichten auf Fleisch oder nehmen nur noch Salate und Obst oder andere niedrigkalorische Speisen zu sich. Weitere Warnsignale können exzessive sportliche Betätigung oder emotionaler Rückzug sein. Paradox wirkt, dass "wer hungert, sich oft intensiv mit dem Thema Essen beschäftigt, Kochbücher kauft, die ganze Familie bekocht und versorgt".
Die Fürsorge für andere bestätigt auch Brigitte Lenhard-Backhaus von intakt. Die Lebensberaterin führt Erstgespräche mit Betroffenen, die sich wegen einer Essstörung an das interdisziplinäre ambulante Therapiezentrum im 9. Wiener Gemeindebezirk wenden. Meist kommen die jungen Mädchen mit ihren Eltern, denn sie selbst nehmen ihre Krankheit als solche gar nicht wahr. Lenhard-Backhaus: "Sie glauben immer noch, zu dick zu sein, auch wenn sie schon sichtbar sehr untergewichtig sind."
Ohne professionelle Hilfe ist es ganz schwer, aus dieser Abwärtsspirale herauszukommen, weiß sie aus langjähriger Beratungserfahrung. Magersucht geht oft mit schweren Depressionen einher, mitunter mit Persönlichkeitsstörungen wie zum Beispiel Borderline. Die Suizidrate ist deutlich höher als in der Normalbevölkerung. Im Unterschied zu manchen anderen Formen von Depression "kann Anorexie nicht rein medikamentös behandelt werden", ergänzt Renate Kastner, Ärztin bei "intakt".
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