Feinstaub und bodennahes Ozon

Autorin: Ulrike Springer

Aktualisiert am: 04.04.2011

"Reizende" Aussichten für Asthmatiker und Allergiker

Experten schlagen Alarm: Das Jahr 2011 könnte in puncto Feinstaub ein Rekordjahr werden – und zwar leider im negativen Sinn! Besonders gefährlich ist Feinstaub für Menschen mit Atemwegserkrankungen wie etwa Asthma oder Allergien, aber auch für Kinder und ältere Menschen über 65 sowie Personen mit Herz-Kreislauf-Problemen. In der warmen Jahreszeit kommt zusätzlich zur Belastung mit Feinstaub das Problem bodennahes Ozon hinzu – zusammen eine gefährliche Mischung! Da Feinstaub und Ozon auch zur Entstehung von Asthma und Allergien beitragen können, ist grundsätzlich jeder Mensch durch diese Schadstoffe gefährdet.

Im Rahmen des 8. P-Air Presseclubs, der am 16. März 2011 stattfand, wurden die Themen Feinstaub und bodennahes Ozon von renommierten Experten erläutert und diskutiert. Ziel der Veranstaltung war, auf den Zusammenhang zwischen Feinstaub und Ozon und einer möglichen Entwicklung oder einer Verstärkung von bereits bestehenden Atemwegserkrankungen aufmerksam zu machen.

Feinstaub: bereits zahlreiche Grenzwertübeschreitungen

Die Situation ist gerade in diesem Jahr alarmierend: Höchstens 25 Mal pro Jahr und Messstelle darf die Feinstaubbelastung den Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschritten werden. In Graz wurden jedoch bereits Anfang Februar ganze 26 Grenzwertüberschreitungen gezählt, sprich: die erlaubte Jahresdosis ist bereits ausgereizt! Und auch in Wien gab es Ende Februar und Anfang März an zwölf Tagen hintereinander eine erhöhte Belastung, des Weiteren wurden auch in Linz und St. Pölten Grenzwertüberschreitungen gemessen. Dabei betonen die beiden geladenen Mediziner Dr. Wolfgang Pohl und Dr. Hans-Peter Hutter unisono: Es gibt keine unschädliche Feinstaub-Dosis, bei den festgesetzten Grenzwerten handelt es sich um einen pragmatischen Wert.

Definition Feinstaub

Als Feinstaub werden Partikel mit einem Durchmesser unter 10μm (PM10) bezeichnet. "Für die Ausprägung gesundheitlicher Effekte ist besonders die Partikelgröße entscheidend. Je kleiner die Teilchen, desto größer ihre gesundheitliche Bedeutung", erklärte Dr. Hans-Peter Hutter vom Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien. Daher spielen gerade die ultrafeinen Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 0,1 μm (PM0.1) eine besonders problematische Rolle. Diese Teilchen tragen zwar nur geringfügig zur Masse der PM10-Belastung bei, ihr gesundheitlicher Impact ist aber hoch, denn die ultrafeinen Partikel können tief in die Atemwege bis in die Lungenbläschen eindringen und von dort weiter in die Blutbahn gelangen, aber auch entlang des Riechnervs bis ins Gehirn vordringen."

Je kleiner, desto gefährlicher

"Während gröberer Staub beim Einatmen in der Nase oder in den Schleimhäuten der Atemwege abgefangen und mittels feiner Flimmerhärchen wieder ausgeschieden wird, dringen die kleinen Teilchen in das Gewebe von Lunge und Bronchien ein", erläutert Dr. Wolfgang Pohl, Vorstand der Abteilung für Atmungs- und Lungenkrankheiten am Krankenhaus Hietzing: "Die winzigen Partikel können sogar die Barriere zwischen Lunge und Blutkreislauf überwinden, ins Blut und in alle Organe gelangen. Sie können Thrombosen verursachen, den Gasaustausch in den kleinen Lungenbläschen beeinträchtigen, Organzellen schädigen sowie zu Entzündungen und Wucherungen führen."

Auswirkungen auf die Gesundheit

Dem entsprechend vielfältig sind die Auswirkungen auf die Gesundheit: "Erkrankungen und Symptome wie Atemwegsentzündungen, Husten, Atemwegsinfekte, Bronchitis, Asthma, Herz-Kreislauferkrankungen bis zum Bronchial- und Lungenkrebs werden mit Feinstaub in Verbindung gebracht," erklärt Pohl: "Die durch Feinstaub verstärkte Arterienverkalkung erhöht die Herzinfarkt- und Schlaganfall-Gefahr und führt zu einer verkürzten Lebenserwartung." Der Lungenexperte schätzt den Verlust an Lebenszeit auf rund acht Monate, den die Feinstaubbelastung jeden Menschen kostet!


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