Geburt

Expertin: Angela Paulczinsky

Aktualisiert am: 30.05.2006

Wehen und Geburt

Bei einer normal verlaufenden Schwangerschaft wird das Baby ungefähr in der 40. Schwangerschaftswoche (nach 9 Monaten) geboren. Abweichungen vom errechneten Geburtstermin sind dabei die Regel. Kaum ein Kind kommt wirklich "pünktlich". Eine Geburt zwei Wochen vor oder nach dem Termin liegt noch im normalen Bereich.

Die Wehen

Da die Zusammenziehungen (=Kontraktionen) der Gebärmutter schmerzhaft sind, nennt man sie Wehen. Sie sind die treibende Kraft, die das Kind während der Geburt durch den Geburtskanal drückt. Doch auch schon während der Schwangerschaft kommt es zu Gebärmutterkontraktionen. Die so genannten Schwangerschaftswehen werden gar nicht oder nur als leichtes Spannungsgefühl von der Mutter wahrgenommen. Trotzdem passieren sie 4 bis 8 Mal pro Tag. Ihr Aufgabe ist die Förderung der Blutzirkulation der Gebärmutter und eine Wachstumsanregung der Gebärmuttermuskulatur. Diese Wehen werden in der Spätschwangerschaft immer häufiger und gehen in die Vor- und Senkwehen über, bei denen sich die Gebärmutter stärker zusammenzieht. Die Senkwehen sind Kontraktionen, die das Kind wenige Wochen vor der Geburt tiefer ins Becken drücken. Die Vorwehen unterscheiden sich von den Eröffnungswehen durch den noch fehlenden Rhythmus und die mangelnde Koordination der Gebärmutter. Ihr Aufgabe ist es, die Gebärmutter auf die bestehende Geburt vorzubereiten und den Gebärmutterhals zu erweichen.
Für die schwangere Frau ist es nicht immer leicht, Vorwehen von den tatsächlichen Geburtswehen (Eröffnungswehen) zu unterscheiden.

Die Eröffnungswehen

Charakteristisch für die Eröffnungswehen ist ihr rhythmisches und schmerzhaftes Auftreten. Dabei werden die Abstände zwischen den Kontraktionen immer kürzer. Anfangs kommt es alle 15 bis 10 Minuten zu Kontraktionen, dann alle fünf Minuten. Das Einsetzen der Geburtswehen hat vor allem hormonelle Gründe. Während das von der Plazenta (=Mutterkuchen) gebildete Progesteron während der Schwangerschaft die Wehen hemmt und gegen Ende an Wirkung verliert, sind für die Geburtsauslösung die Prostaglandine verantwortlich, die jetzt zunehmend von der Gebärmutterschleimhaut gebildet und von dort freigegeben werden. Durch sie und Substanzen, die vom Fötus produziert werden, wird die Gebärmutteraktivität zunehmend angeregt und der Muttermund erweicht. Aber auch mechanische Vorgänge lösen die Geburtswehen aus: die Plazentafunktion lässt während der letzten Schwangerschaftstage nach, das Fruchtwasser wird reduziert, somit lässt die Spannung in der Gebärmutter nach. Dadurch wird die Muskulatur stimuliert.
Die Aufgabe der Eröffnungswehen liegt - wie der Name schon sagt - in der Öffnung des Muttermundes. Dabei wird der Kopf (oder Steiß) des Kindes tiefer ins Becken geschoben.

Press- und Nachwehen

Ist der Muttermund vollständig geöffnet, setzen die Presswehen ein. Während dieser Kontraktionen kommt es unwillkürlich zu einer Anspannung der Bauchmuskulatur, die Frau atmet dabei tief ein. Diese Wehen pressen das Kind durch den Beckenausgang.
Nach der Geburt kommt es zu erneuten Kontraktionen, den so genannten Nachgeburtswehen. Dadurch wird die Plazenta von der Gebärmutterwand gelöst und wird als Nachgeburt ausgeschieden. Danach kommt es zu Nachwehen, deren Aufgabe darin besteht, die Blutung in der Gebärmutter zu stillen, das Organ wieder zurückzubilden und die überflüssige Muskelmasse abzubauen. Nach der ersten Geburt erzeugen die Nachwehen kaum Schmerzen, bei Mehrgebärenden allerdings schon.


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