Gedächtnistraining

Autorin: Mag. Petra Stix

Aktualisiert am: 31.08.2009

Fit im Kopf

Ein gutes Gedächtnis ist trainierbar. Und das ist keine Frage des Alters. Je früher wir aktiv mit einem Training für unser Gehirn beginnen, desto größer sind die Chancen, bis ins hohe Alter geistig fit zu bleiben.

An einem lauen Sommerabend im August, Tatort ist der Wiener Rathausplatz. Tausende Menschen tummeln sich, wie immer, nach Feierabend zwischen Burgtheater und Rathausplatz, um den Abend in netter Runde ausklingen zu lassen. Plötzlich ein Stimme aus dem Nirwana: "Schönen Guten Abend, Frau Forstinger. Dass ich Sie hier treffe? Na, so ein Zufall!" Steht da und grinst. In ihrem Kopf bricht plötzlich Panik aus, der Adrenalin-Pegel steigt: "Um Gottes Willen, wer ist das? Ich kenne doch das Gesicht! Wieso fällt mir jetzt nur nicht ein, woher ich ihn kenne und wie der Typ heißt?" Auch das schnelle Stoßgebet gen Himmel ist vergeblich. Dem lieben Gott ist heute offensichtlich nicht nach einem kleinen Wunder zumute. Bleibt nur noch zu hoffen, dass er nichts merkt. Lieb Lächeln hilft immer und so schnell wie möglich wieder abwimmeln ist auch angesagt, bevor das Ganze noch peinlicher wird. Jeder von uns hat Derartiges schon einmal erlebt. Aber was kann man tun, um solche Situationen in Zukunft zu vermeiden?  

In Bildern denken

Der zweifachen österreichischen Gedächtnismeisterin Dr. Luise Maria Sommer bleiben derartige Peinlichkeiten erspart. Sie merkt sich 152 Namen in nur 15 Minuten. Im Jahr 2003 erhielt sie dafür einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde. Die Gedächtnisforschung beschäftigt sich schon sehr lange mit der Frage, was der Mensch tun muss, um seine Merkleistung zu verbessern. Hatte man anfänglich noch gedacht, die beiden Gehirnhälften des Menschen würden völlig unabhängig voneinander operieren, ist man heute längst zu einer ganzheitlichen Betrachtung übergegangen.

Ganzheitliches Gedächtnistraining sollte demnach beide Gehirnhälften und alle Sinne miteinbeziehen. Durch das Training werden die Durchblutung und der Stoffwechsel des Gehirns angeregt, was langfristig betrachtet zu einer Steigerung der Merk- und Lernfähigkeit führt. "Bereits die alten Griechen und Römer wussten, dass wir uns mehr merken, wenn wir in Bildern denken und wenn wir Neues mit bereits Bekanntem assoziieren", so Sommer über ihren Ansatz. Sommers geistiges Auge verwandelt Fachbegriffe, Zahlen und auch Namen blitzschnell in assoziative Bilder, die dann mit Gegenständen im Raum verknüpft werden. Die "Marktforschung" zum Beispiel wird so zu einem prüfenden Blick auf einen Marktstand unter der Stehlampe.

Es ist nie zu spät

Kritische Stimmen könnten nun meinen: "Die Frau ist halt ein Genie. Was hat das alles mit mir zu tun?" Doch Dr. Sommer ist überzeugt, dass jeder in der Lage ist, auf diese Weise seine Gedächtnisleistung zu verbessern. "Bevor ich mit Gedächtnistraining begonnen habe, habe ich ständig Termine verschwitzt und Dinge wie Regenschirme, Sonnenbrillen und dergleichen an den unmöglichsten Orten verlegt. Heute trainiert die Bestseller-Autorin (Gutes Gedächtnis leicht gemacht, Hubert Krenn Verlag) die Gedächtnis-Juniorenmannschaft Österreichs, leitet Seminare und hält Vorträge zum Thema.

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