Gefährlicher Kunststoff

Autorin: Mag. Beatrix Aigner-Köfinger

Aktualisiert am: 14.06.2010

Bisphenol A imitiert Hormone

Kritische Forscher befürchten, dass schon kleinste Mengen von BPA ("Niedrigdosis-Effekt") das Gleichgewicht des endokrinen Systems, also des Hormonhaushalts stören können. BPA hat nämlich die Eigenschaft, das Hormon Östrogen zu imitieren und zählt damit zu den "endokrinen Disruptoren" – wie übrigens auch Phthalate. BPA geht vom Kunststoffprodukt in die Nahrung über, wenn es gewaschen, erhitzt oder belastet wird. Im Körper angekommen dockt es an Rezeptoren in Brustgewebe, Gebärmuttter, Gehirn oder Knochen an und führt dort zu Hormonreaktionen. Endokrine Disruptoren können zu einem frühen Brustwachstum bei Mädchen führen, einem Risikofaktor für Brustkrebs.

Ungeborene und Kinder besonders gefährdet

Schädliche Einflüsse sind in den ersten drei Monaten eines Embryos kritisch. Weiters sind Kinder besonders verwundbar für chemische Einflüsse, da sie sich so schnell entwickeln. Sie essen und trinken auch in Relation zu ihrem Körpergewicht mehr als Erwachsene. Neben der hormonellen Einflussnahme haben Forschern auch epigenetische Veränderungen durch BPA beobachtet, also Veränderungen am Erbgut und in der Genregulation.

Mehr Versuche mit Tieren

Zu BPA gibt es hauptsächlich Tierversuche mit Nagetieren. In denen konnten Forscher einen Zusammenhang zwischen BPA-Exposition und Krebs, Defekten an den Geschlechtsorganen, Unfruchtbarkeit und Verhaltensauffälligkeiten herstellen. Geht man einen Schritt weiter könnte BPA Verhaltens- und Entwicklungsstörungen bei Babys, verändertes Sexualverhalten und Fruchtbarkeitsstörungen bei Erwachsenen miterklären. Sogar bei Übergewicht, Diabetes und Herzkrankheiten sehen manche Forscher eine Verbindung. Die Befürworter von BPA halten die Vorwürfe für überzogen und kritisieren, dass sich die Ergebnisse, die bei Nagetieren gewonnen wurden, nicht auf den Menschen übertragen lassen würden, da der menschliche Körper BPA schneller in ein Stoffwechselprodukt umwandle, das keine östrogene Wirkung habe, und innerhalb von sechs Stunden ausscheide. Im Blut finde sich BPA überhaupt nicht. Außerdem wird immer das Argument von der minimalen Dosis gebracht.

Babyfläschen und Schnuller

Das deutsche Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR) hat handelsübliche Babyfläschchen getestet und kein Bisphenol A nachweisen können. Das BfR hält daher einen Verzicht auf Polycarbonatfläschchen für nicht erforderlich. Der Vorwurf, dass sich Bisphenol A in den Kunststoffschilden und Saugteilen von Schnullern findet, wie deutsche und österreichische Umweltverbände 2009 behaupteten, konnte vom BfR und der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) ebenso nicht nachvollzogen werden.


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