Gendermedizin

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Autorin: MMag. Susanne Kapeller
Aktualisiert am: 07.02.2011
Teil 1: Frauen sind anders - Männer auch
Teil 2: Geschlechtsspezifische Unterschiede bei Krankheiten
Teil 3: Links
Frauen sind anders - Männer auch
Die Medizin war und ist seit jeher eine Domäne der Männer. So mag es nicht verwundern, dass der Körper der Frau in der Forschung immer unterrepräsentiert war. In manchen Bereichen kann das fatale Folgen haben. Viele Medikamente wurden nur an Männern getestet und dennoch bedingungslos mit der gleichen Dosis für Frauen zugelassen. Aber auch gewisse Krankheiten treffen Frauen und Männer in ganz unterschiedlichem Ausmaß.
Frauen und Männer reagieren auf Medikamente zum Teil ganz unterschiedlich. Eine Erkenntnis, die von der Medizin erst in den letzten Jahren zur Kenntnis genommen wurde. Zu verdanken ist dies der Gendermedizin, die es sich unter anderem zum Ziel gesetzt hat, geschlechtsspezifische Krankheiten zu erforschen.
Ein Großteil der Medikamente wird vor ihrer Zulassung ausschließlich an Männern getestet. Dass es zwischen einem 80 Kilogramm schweren Mann und einer Frau mit 50 Kilogramm allein aufgrund des Gewichts einen Unterschied geben muss, ist offensichtlich. Frauen reagieren aber nicht nur wegen Größe und Gewicht anders auf Medikamente. Ein weiterer Unterschied ist, dass Frauen auch einen höheren Fettanteil im Körper haben. Fettlösliche Medikamente (wie etwa Antibiotika) werden daher im Körper besser gespeichert und somit leiden Frauen auch länger unter den Nebenwirkungen dieser Substanzen. Dafür werden andere Substanzen wie Kortison oder Allergiemedikamente von Frauen schneller abgebaut. Das kann zum Teil mit speziellen Enzymen in der Leber zu tun haben. Auch die Hormone haben natürlich einen großen Einfluss auf die Wirksamkeit von Medikamenten ebenso wie die langsamere Verdauung von Frauen. So wirken beispielsweise Schlafmittel, die im Dünndarm aufgenommen werden, bei Frauen erst viel später als bei Männern.
Warum Medikamente bislang kaum oder nur wenig an Frauen getestet wurden, hängt mit dem Argument einer unerkannten Schwangerschaft und in Folge einer möglichen Fruchtschädigung zusammen. Das hat sich nun geändert. Neue Medikamente müssen vor ihrer Zulassung nun auch ausreichend an Frauen getestet werden.
Einige Medikamente im Detail:
- Antihistamine (gegen Allergien): Die als mögliche Nebenwirkung auftretenden Herzrhythmusstörungen betreffen Frauen öfter als Männer.
- Acetylsalicylsäure (ASS/Aspirin): Bei Langzeiteinnahme wirkt es bei Frauen präventiv gegen Schlaganfälle, bei Männern als Vorbeugung gegen Herzinfarkt.
- Antibiotika: Fettlösliche Substanzen wie Tetrazykline und Erythromycin bleiben länger im Körper von Frauen gespeichert
- Digitalispräparate (Herzmittel): müssen bei Frauen niedriger dosiert werden.
- Ibuprofen (Schmerzmittel): wirkt bei Frauen weniger und muss daher höher dosiert werden.
- Kortisonprodukte: Der Wirkstoff Prednisolon wird von Frauen schneller ausgeschieden, daher ist auch die Wirkungsdauer bei Frauen verkürzt.
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