Gender-Medizin

Autorin: Mag. Petra Stix

Aktualisiert am: 05.04.2012

Gesundheit: Eine Frage des Geschlechts

Männer und Frauen sind nicht gleich, auch was die Gesundheit betrifft! Die Gender-Expertin der MedUni Wien, Dr. Alexandra Kautzky-Willer, hat zusammen mit der Medizin-Journalistin Elisabeth Tschachler die jüngsten Forschungsergebnisse der Gender-Medizin zusammengetragen. Die Ergebnisse wurden nun in ihrem Buch "Gesundheit: Eine Frage des Geschlechts" veröffentlicht.

Jahrhundertelang wurde in der Medizin der Umstand ignoriert, dass Männer und Frauen nicht gleich sind. Es wurden die gleichen Medikamente verschrieben, die gleichen Diagnosen gestellt und die Krankheitssymptome gleich bewertet. Welche Irrtümer und falschen Kenntnisse hier vorliegen, wird in diesem leicht verständlichen Fachbuch ganz genau auf den Grund gegangen.

So bleiben Herzinfarkte bei Frauen vielfach unerkannt, weil andere Symptome auftreten können als bei Männern. Während Frauen ein höheres Risiko haben, an Alzheimer und Schilddrüsenfunktionsstörungen zu erkranken, sind Männer anfälliger für Blasenkrebs, Leukämie und Infektionskrankheiten. Frauen leben erwiesenermaßen zwar im Durchschnitt länger als Männer, erleben aber dafür weniger Lebensjahre gesund. Dank ihres zweiten X-Chromosoms sind Frauen zwar weniger anfällig für Erbkrankheiten, dafür hat das Y-Chromosom des Mannes im Laufe der Jahrmillionen gelernt, sich bis zu einem gewissen Grade selbst zu reparieren. Frauen leiden unter Krebserkrankungen stärker als Männer. Doch dafür sind ihre Überlebenschancen bei bösartigen Tumoren wiederum höher.

Besonders alarmierend ist die Tatsache, dass Frauen Zeit ihres Lebens die meisten Medikamente schlucken, die Wirkstoffe aber hauptsächlich an Männern getestet werden. Und das obwohl erwiesen ist, dass Medikamente bei Männern und Frauen unterschiedliche Effekte erzielen können. So hat Aspirin etwa bei Frauen keine vor Herzinfarkt schützende Wirkung. Manche Medikamente zur Verhinderung von Thrombosen verursachen bei Frauen häufiger Hirnblutungen. Einige Antidepressiva führen bei Männern zu sexuellen Störungen.

Das Buch zeigt die weibliche und männliche Seite der Medizin ganz besonders deutlich auf und macht klar, wie wichtig ein Umdenken gerade auf diesem Gebiet ist.

Über die Autorinnen

Univ.-Prof. Dr. med. Alexandra Kautzky-Willer ist Professorin für Gender Medicine an der MedUni Wien, Leiterin des Universitätslehrgangs für Gender Medicine; Vorstandsmitglied bei verschiedenen medizinischen und wissenschaftlichen Gesellschaften (u.a. Österreichische Diabetesgesellschaft, Österreichische Adipositasgesellschaft, Österreichische Gesellschaft für geschlechtsspezifische Medizin).

Elisabeth Tschachler ist Journalistin mit Schwerpunkt Medizin, Gesundheit und Soziales, unter anderem Chefredakteurin der "Ärzte Woche". Seit 2009 ist sie auch Chefredakteurin des gesundheitspolitischen Monatsmagazins "Das Gesundheitswesen in Österreich – ÖKZ".

Alexandra Kautzky-Willer, Elisabeth Tschachler
Gesundheit: Eine Frage des Geschlechts
Die weibliche und die männliche Seite der Medizin
Orac/Verlag Kremayr & Scheriau 2012
192 Seiten
ISBN: 978-3-7015-0541-8
Preis: 22 €


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